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Potsdam Ein gutes Pflaster für Steinsetzer
Lokales Potsdam Ein gutes Pflaster für Steinsetzer
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00:24 04.11.2015
Die Firma „Eduard Krüger & Co.“ hatte zeitweilig über 70 Mitarbeiter. Auf diesem Bild, das vor 1908 entstanden ist, posiert ein Bautrupp an der Berliner Straße mit Blick in die Holzmarktstraße. Quelle: privat
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Potsdam

Axel Krügers Arbeit wird überall in Potsdam mit Füßen getreten und darauf kann er stolz sein. Handwerklich hergestellte Gehwege und Pflasterstraßen sind seine Spezialität. Als „Steinsetzer“ sind nur noch wenige Firmen in Potsdam und der Umgebung tätig, Krüger selbst spricht von einem „sterbenden Beruf“. Der 48-Jährige ist Steinsetzer in vierter Generation. Schon 1894 hat sein Ur-Opa Eduard Krüger sich in die Meisterrolle der hiesigen Steinsetzer-Innung eingetragen. Weil zeitweilig auch ein „Compagnon“ als Geschäftspartner die Firma leitete, trägt das Unternehmen bis heute dem Namen „E. Krüger & Co“.

Früher waren es 70 Mitarbeiter, heute nur noch fünf.

Bis zu 70 Mitarbeiter hatten seine Vorfahren beschäftigt. Ein historisches Foto zeigt die starken Männer in der Berliner Straße beim großflächigen Straßenbau. Heute erleichtern zwar Motorrammen die Arbeit, aber der industrielle Straßenbau sorgt für ein kleines Betätigungsfeld. Das Ehepaar Krüger – Ehefrau Marion kümmert sich um die Verwaltung – hat nur noch fünf Angestellte. Deren Arbeit ist allerdings nicht zu übersehen. Neben den typischen Potsdamer Gehwegen aus Bernburger Pflaster haben Krüger und seine Steinsetzer für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten rund um das Marmorpalais und das Drachenhaus gepflastert und für die Stadt Potsdam das Stadtwappen in bunten Steinen auf dem Vorplatz des Brandenburger Tors gesetzt. Den Gedenkstreifen an die Deutsche Teilung auf der Glienicker Brücke hat die Firma ebenso verlegt, wie das weiße Band, das Menschen von der Fußgängerzone zur Gedenkstätte Lindenstraße führen soll.

Heute haben Axel Krüger (r.) und seine Ehefrau Marion fünf Mitarbeiter. Quelle: MATHIAS MARX

Ehrenamtlich unterstützt Krüger auch das Stolperstein-Projekt. Der Künstler Gunter Demnig behält sich zwar vor, die vergoldeten Gedenksteine selbst festzuklopfen. Die Vor- und Nachbereitung liegt aber in Krügers Händen, denn „die Stadt will natürlich, dass das fachmännisch verlegt wird“.

Der historische Potsdam-Kalender 2016

„Potsdams Handwerker damals und heute“ ist das Thema des historischen Potsdam-Kalenders 2016, der vom Grafikdesigner Peter Rogge herausgegeben wird.

Zwölf Traditionsunternehmen vom Steinsetzer, Fischer und Bäcker bis zur Druckerei werden mit historischen und aktuellen Fotografien vorgestellt.

Der Kalender ist für 18,90 Euro im MAZ Media Store in der Friedrich-Ebert-Straße 85, in Potsdamer Buchhandlungen sowie im Internet unter www.potsdamkalender.de erhältlich.

In loser Folge stellt die MAZ die Geschichte einzelner Unternehmen vor.

Krüger ist dankbar über moderne Technik, wie Motorrammen, die zumindest einen Teil der harten Arbeit etwas erleichtern, ist aber auch traditionsbewusst. Zu den wenigen Relikten der Firmengeschichte, die die Bombennacht von Potsdam 1945 überstanden haben, gehören die Meister-Stammrolle und alte Lohnunterlagen. Auch ein altes Nivelliergerät aus den 1950er Jahren zum Einmessen von Pflasterflächen steht im Büro. „Damals entschied sich mein Opa, den Betrieb zu verkleinern, um der Verstaatlichung zu entgehen“, sagt Axel Krüger. Sein Elternhaus am Wall am Kiez, das gleichzeitig Firmensitz war, musste die Familie später verlassen. Es wurde abgerissen, um eine Kita zu errichten. Das Unternehmen siedelte sich in Babelsberg an und hat seit kurzem seinen Sitz im Industriegebiet Potsdam Süd.

Firmengründer Eduard Krüger Quelle: privat

Seinen Kindern will Axel Krüger den eigenen Job nicht antun. „Die Tradition weiterzuführen wäre natürlich schön, aber es gibt einfachere Berufe und ich würde ihnen damit keinen Gefallen tun. Ich bin selbst irgendwie hineingerutscht und mein Vater hat mir einmal dasselbe gesagt“, sagt er über die Zukunft. Außerdem gibt es eine weitere Familientradition, die Marion Krüger ihrem Sohn vererbt hat. Sie ist mit ihrer Familie am Flugplatz Schönhagen aufgewachsen. In ihrer Familie gibt es Piloten und Flugtechniker. Der jüngste Krüger lernt derzeit ein modernes Handwerk: Er ist in der Ausbildung zum Fluggerätemechaniker.

>>>Folge #1: Der Herausgeber des historischen Kalenders Peter Rogge

>>>Folge #2: Laufen lernen im Porzellanladen

>>>Folge #3: Beim Hofbäcker begann die Tradition

Von Peter Degener

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