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Potsdam Schubert begrüßt 21 Neu-Deutsche im Rathaus
Lokales Potsdam Schubert begrüßt 21 Neu-Deutsche im Rathaus
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00:21 14.07.2018
Mike Schubert übergibt Yahya Sabi die Einbürgerungsurkunde. Der gebürtige Jemenit lebt seit mehr als zehn Jahren in Deutschland. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Auf ihre Einbürgerung im Präsidentenflügel des Potsdamer Rathaus am Dienstag haben nicht nur die 21 neuen Deutschen hingefiebert. „Ich gebe gern zu, dass diese Feste auch für mich etwas Besonderes im Alltag darstellen“, sagt Sozialdezernent Mike Schubert (SPD). Dort, wo sich sonst im Stundentakt Eheleute das Ja-Wort geben, stehen an diesem Nachmittag anders geartete Versprechen an.

Nervosität vor dem Loyalitäts-Versprechen

„Ich bekenne mich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland“, beginnt Yahya Sabi. Seine Stimme ist fest, der 31-Jährige lässt sich die Aufregung nicht anmerken. Er hat diese Loyalitätserklärung an sein neues Heimatland gerade schon von all den anderen Eingebürgerten gehört; die Nervosität war ihm dabei deutlicher anzusehen. Unablässig knetet Sabi seine Hände, bis er endlich selbst an der Reihe ist.

21 neue Deutsche, darunter Yahya Sabi (4. von links) und Aleksandra Niemczuk (zweite Reihe im roten Kleid) Quelle: Friedrich Bungert

Yahya Sabi stammt aus dem Jemen. Dort herrscht Krieg, die Vereinten Nationen sehen die Lage in dem arabischen Land als die derzeit größte humanitäre Katastrophe der Welt an. Yahya Sabi, der nun neben der jemenitischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit innehat, hat seine Heimat schon vor langer Zeit verlassen, um in Berlin zu studieren. Heute ist er Softwareentwickler bei SAP, seit eineinhalb Jahren leben Sabi und seine Frau Fatima in der Potsdamer Innenstadt. „Das ist ein ganz besonderer Tag“, sagt er.

Kommunikation vs. Pünktlichkeit

Im Einbürgerungstest (siehe Kasten) erreichte er die volle Punktzahl – doch es gibt auch Dinge, die Sabi im Jemen besser findet als in Deutschland. „Das ist nicht so einfach zu erklären, aber die Kommunikation innerhalb der Gesellschaft ist dort anders und manches Mal unkomplizierter“, sagt er. An Deutschland schätzt er hingegen die Pünktlichkeit und die Verlässlichkeit der Menschen.

„Es gibt so viele Wege und Gründe, hier herzukommen“, sagt Mike Schubert, „bei manchen ist es das Studium oder die Arbeit, andere sind vor Krieg und Gewalt geflohen und manche wegen der Liebe hier.“ So wie Aleksandra Niemczuk. Ursprünglich stammt sie aus dem polnischen Piła, doch seit 2003 lebt die heute 61-Jährige in Potsdam. „Mein Herz ist hier“, sagt Niemczuk mit einem Blick auf ihren Ehemann Jörg Herbst, „und ich lebe auch gern hier.“ Potsdam biete so viele Möglichkeiten, die zu nutzen sich lohne, sagt Niemczuk.

Bürokratische Hürden vor der Einbürgerung

Mindestens sieben Jahre lang muss der Bewerber legal in Deutschland leben.

Geld vom Staat ist tabu, wer den deutschen Pass will, muss für sich selbst sorgen und kann keine Sozialleistungen in Anspruch nehmen.

Eine gerichtliche Verurteilung oder verfassungsfeindliches Handeln machen jede Chance auf eine Einbürgerung zunichte.

Nur wer grundsätzlich bereit ist, seine bisherige Staatsbürgerschaft aufzugeben, kann Deutscher werden.

Außerdem braucht man ausreichende Sprachkenntnisse, muss einen Test zur Rechts- und Gesellschaftsordnung bestehen und seine Loyalität zur BRD erklären.

77 Mitbürger haben in diesem Jahr bislang ihre Einbürgerungsurkunde in Potsdam in Empfang genommen. Im Vorjahr waren es 122 Personen. Insgesamt sind seit der Wende etwa 2700 Menschen in der Landeshauptstadt eingebürgert worden. Sie alle haben sich bewusst entschieden, Deutsche zu werden und dafür einen langwierigen Prozess durchlaufen. Am Ende jeder Einbürgerungsfeier steht das gemeinsame Singen der Deutschen Nationalhymne. Aleksandra Niemczuk, Yahyi Sabi und die anderen neuen Deutschen singen zusammen die berühmten Fallersleben’schen Zeilen, endend mit dem Wunsch „Blühe, deutsches Vaterland.“ Denn ein neues Vaterland, das ist es nun für jeden dieser 21 Menschen.

Von Saskia Kirf

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