Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Eine Frau der Zahlen – und mit großem Herzen
Lokales Potsdam Eine Frau der Zahlen – und mit großem Herzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:25 30.04.2018
Petra Junker (M.) erhielt von Heiderose Gerber (r.), Martha Woschke (l.) und anderen Damen des Autonomen Frauenzentrums den Hexenbesen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Innenstadt

Die Arbeit geht vor. Da können sich ihr noch so viele Damen freudestrahlend, händereibend, augenzwinkernd in den Weg stellen. „Moment“, sagt Petra Junker, entfleucht der Gratulantinnen-Schar und verschwindet mit einem daumendicken Stapel Unterlagen für eine Schrecksekunde im Schalterraum. Dass sie einfach so stehen gelassen werden, haben Heiderose Gerber und ihre Mitstreiterinnen vom Autonomen Frauenzentrum noch nicht erlebt – beinahe sieht es so aus, als würde Petra Junker davonlaufen. Aber da hat sie, für die Zahlen, Prozente, Soll und Haben Alltag sind, die Rechnung mit den Falschen gemacht. Schnell ist sie wieder umringt, umarmt, geherzt: Petra Junker ist die Trägerin des Hexenbesens 2017! Aber glauben kann sie das nicht: „Wofür?“ Die 61-Jährige blickt fragend, beinahe strafend um sich. „Weil Sie einfach eine ganz besondere Frau sind“, sagt Heiderose Gerber. „Weil Sie einmalig sind.“

Sie findet für alle Probleme eine Lösung

Seit mehr als 40 Jahren ist Petra Junker bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse tätig. „Wir ehren sie für ihre ganz besonders wertschätzende, integrative Art des Umgangs mit den Kunden“, sagt Heiderose Gerber. Petra Junker, die am Luisenplatz arbeitet, zeichne sich durch eine ungemein offene, aufmerksame und mitfühlende Art aus. Auch bei größtem Andrang bleibe sie höflich und finde für alle Probleme eine Lösung. „Die Kunden fühlen sich bei ihr am richtigen Platz“, so Heiderose Gerber. Viele würden ihre Geldgeschäfte nur mit Petra Junker klären – und dafür extra Wartezeit in Kauf nehmen. Gerade an Tagen, an denen die Rente ausgezahlt wird, könne man beobachten, wie sich neben der regulären Schlange eine weitere kleine Gruppe bildet: der Petra-Junker-Fanclub.

So viel Lobhudelei – das ist nichts für Petra Junker, die immer wieder abwinkt. „Ich mache hier nur meine Arbeit“, sagt die waschechte Potsdamerin. „Ich behandle jeden Menschen so wie ich auch behandelt werden möchte. Man muss sich das Leben doch nicht selbst schwer machen!“Leicht ist es dennoch nicht immer: „Wenn man einen Kunden über Jahre kennt und plötzlich etwas Gravierendes passiert, kommen bei mir auch schon mal ein paar Tränchen. Ich kann eben nicht alles nur preußisch korrekt abarbeiten.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, nicht mehr zu arbeiten“

Nach ihrer Lehre zur Industriekauffrau im Reglerwerk Teltow hat Petra Junker 1975 bei der Sparkasse angefangen und beinahe ihr gesamtes Berufsleben in immer der gleichen Filiale verbracht. „Ich war schon hier, als der Luisenplatz noch Platz der Nationen hieß“, sagt sie. Das große rote Backsteinhaus in exponierter Lage habe vielen Kollegen Furcht eingeflößt. „Nicht jeder wollte hier arbeiten, aber ich bin gerne hier – hier hat immer das Leben getobt.“

Petra Junker ist verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkel. Ende 2018 geht sie in den Ruhestand. „Eines ist sicher: Ich werde keine Langeweile haben.“ Dennoch sei ihr etwas mulmig, wenn sie an diesen neuen Lebensabschnitt denkt. „Was soll dann noch kommen? Auf die eine Art freue ich mich, auf die andere kann ich mir nicht vorstellen, nicht mehr zu arbeiten.“ Bis es soweit ist, werden an Petra Junkers Schalter sicher noch viele Konten eröffnet und Buchungen veranlasst. Den Besen bekommen die Kunden dabei wohl nicht zu sehen. Er wandert in den Besprechungsraum, denn auch die Kollegen haben ihn verdient, so Petra Junker.

Jährlich verleiht das Autonome Frauenzentrum rund um die Walpurgisnacht den Hexenbesen – ein Preis für aktive Frauen, damit sie schwungvoll für die Interessen von Frauen kehren.

Von Nadine Fabian

Potsdam Kein guter Auftakt für neue Städtepartnerschaft - Sansibar-Besuch von Fan-Krawallen überschattet

Zum Auftakt der neuen Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sanibar wollte OB Jakobs den weit gereisten Gästen zeigen, was den SV Babelsberg ausmacht: Fankultur, Emotionen und Rivalität. Doch was OB Khatib Abdulrahman Khatib stattdessen geboten bekam, war ein chaotisches und unwürdiges Derby, das den Namen Fußballspiel nicht verdient.

08.07.2017

Auf den ersten Blick haben die beiden Städte fast nichts gemeinsam, doch es gibt viele Parallelen in kultureller und sportlicher Hinsicht. Jetzt ist eine Delegation aus Sansibar-City in Potsdam. Höhepunkt der Reise: die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages im Filmmuseum.

08.07.2017
Potsdam Hitzige Debatte zum Schleichwegeverkehr - „Lästige Bürger wird man mit Häppchen los“

Eine Diskussion zum Schleichwegeverkehr in der Nauener Vorstadt ließ am Donnerstagabend die Emotionen der Anwohner hochkochen. Am Donnerstag stellte die Verwaltung vier Lösungsvarianten vor. Aus der Sicht vieler Teilnehmer fehlte aber genau jene Variante, die am einfachsten Abhilfe schaffen könnte.

28.04.2017
Anzeige