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Potsdam Eine Million Euro mehr für Potsdamer Kitas
Lokales Potsdam Eine Million Euro mehr für Potsdamer Kitas
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09:40 03.11.2016
Von wegen kinderleichter Erzieherjob: Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) beim Testwickeln mit Awo-Chefin Angela Basekow (r.) Quelle: Foto: B.G.
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Potsdam

Mehr Geld für Potsdams Kitas: Nach langem Tauziehen mit den freien Trägern will die Stadt die Einrichtungen besser ausstatten. Obwohl die Ausgaben für die Kinderbetreuung von 75 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 79 Millionen im kommenden Jahr steigen, wolle die Landeshauptstadt ab Januar jährlich zusätzlich fast eine Millionen Euro mehr in die Hand nehmen. Das erklärten Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) und Fachbereichsleiter Reinhold Tölke am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Kita-Finanzierungsrichtlinie, die auch den umstrittenen Zuschuss für Kita-Neubauten regelt.

Wie berichtet, hatten sich Stadt und Träger im September bei einem Spitzentreffen im Rathaus auf einen Kompromiss geeinigt, nachdem Verbände bereits damit drohten, keine neuen Kitas mehr zu bauen. Diese werden im stetig wachsenden Potsdam aber dringend gebraucht. Die Träger bekommen nun einheitlich eine Entschädigung, die sich anhand der Baukosten pro Platz bemisst – bei 50 Jahren Abschreibung. Die Stadt holt sich damit die Garantie, dass die Gebäude langfristig als Kitas genutzt werden. „Das gibt uns Planungssicherheit“, so Schubert.

Um die Arbeit in den Kitas zu verbessern, sollen die Sachkostenzuschüsse für Träger pro Jahr um 950 000 Euro erhöht werden. Zu den Sachkosten zählen Ausstattung, Wartung, Reinigung, Verwaltung und pädagogische Kosten. Neu: Die Pauschalen werden künftig unabhängig von der Belegung gezahlt. „Ob nun 80 oder 100 Kinder betreut werden – der Träger hat dieselben Kosten für die Reinigung“, erklärt Jugendamtsleiter Reinhold Tölke.

Grundlage ist eine Studie der Bertelsmann-Stiftung

Grundlage für das Umsteuern der Stadt ist die Studie „Kita-Zoom“ der Bertelsmann-Stiftung. In den vergangenen vier Jahren hat die renommierte Stiftung Potsdam und Brandenburg/Havel sowie den Kreis Märkisch-Oderland als Modellregionen unter die Lupe genommen. Fazit: Die Landeshauptstadt müsse bei der Qualität der Kitas zulegen und die Einrichtungen besser finanzieren. „Wir für unseren Teil haben die Empfehlungen aus der Studie umgesetzt“, so Sozialdezernent Schubert. Der größte Posten – die Verbesserung des Personalschlüssels – sei aber Aufgabe des Landes. Bei einer Demonstration vor dem Rathaus Mitte September hatten Eltern und Träger von der Stadt gefordert, ihren Beitrag zur besseren Personalausstattung in den Kitas zu leisten – auch weil in Potsdam eine Sondersituation herrsche: Oft sind beide Elternteile voll berufstätig, die Kinder entsprechend lange in der Tagesstätte. Zuvor hatten 7800 Unterstützer eine Online-Petition für bessere Kitas unterschrieben.

Die Verwaltung hat nun ausgerechnet, was eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels nach Bertelsmann-Vorgaben und unter Berücksichtigung der langen Potsdamer Betreuungszeiten kosten würde: 42,2 Millionen Euro pro Jahr. „Das übersteigt selbst die Leistungsfähigkeit einer Stadt wie Potsdam“, so Schubert. Freiwillige Leistungen für Kitas müssten aus anderen Haushaltsbereichen herausgenommen werden. Das bedeute dann zum beispielsweise weniger Geld für Kultur. „Den Dialog über Prioritätensetzung werden wir führen müssen“, so der SPD-Politiker. Weiteres Problem: Woher die 1000 zusätzlichen Erzieher nehmen, die Potsdam laut Studie bräuchte? „Im ganzen Bundesgebiet herrscht Fachkräftemangel“, betont Jugendamtschef Tölke .

Der Vorschlag zur Neufinanzierung der Kitas wurde am Mittwoch bei Sitzung der Stadtverordneten an die Ausschüsse verwiesen. In der ersten Dezemberwoche soll er beschlossen werden.

Qualität ist teuer

42,2 Millionen Euro pro Jahr betrüge der Mehrbedarf, wenn Potsdam den Kita-Personalschlüssel nach Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung verbessern würde.

14,7 Millionen Euro wären allein im Krippenbereich notwendig, um 468 zusätzliche Erzieher zu beschäftigen. Im Kindergarten würden die laut Bertelsmann empfehlenswerten 384 zusätzlichen Erzieher mit zwölf Millionen Euro zu Buche schlagen.

Eine Vertretungsreserve bei Krankheit, Fortbildung und Urlaub würde im Krippen- sieben, im Kindergartenbereich sechs Millionen Euro kosten.

Von Marion Kaufmann

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