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Potsdam Eine Oper verwandelt einen Stadtteil
Lokales Potsdam Eine Oper verwandelt einen Stadtteil
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00:19 27.03.2018
Stadtteil macht Oper: Bariton Jörg Gottschick, Regisseurin Theresa von Halle und Violinist Matthias Leupold nach der letzten Vorstellung. Quelle: Christin Iffert
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Drewitz

Das, was zählt, ist nicht der Glaube an verschiedene Götter. Nicht der Kampf gegeneinander. Das, was zählt, ist Freundschaft und Gemeinschaft. „Ich wünsche mir Frieden auf der Welt“, sagt ein Mädchen in der Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“. Gemeinsam mit Musikern der Kammerakademie Potsdam, der Begegnungsstätte Oskar und Lehrern der Stadtteilschule Drewitz haben 380 Kinder unter der Regie von Theresa von Halle eine eigene Interpretation des Stücks im Projekt „Stadtteil macht Oper“ geschaffen. Pointiert aufs Thema Wasser.

Die Kinder der Drewitzer Schule haben aus allen Klassenstufen begeistert teilgenommen und das Stück durch ihre Ideen mitgeformt.. Quelle: Christin Iffert

Es geht um rivalisierende Gangs mit differenten Glaubensrichtungen, die sich bekämpfen und annehmen, sie würden austrocknen, weil die jeweils anderen falschen Göttern huldigen. „Wie lange kämpft ihr schon? Immer. Wer gewinnt? Keiner.“ Bis zur Katharsis und der Eingebung, dass man gemeinsam mehr bewirken kann, verzeihen und tolerant sein muss.

In der Lebenswirklichkeit des Stadtteils

Plötzlich sind die Zuschauer mittendrin in der Lebenswirklichkeit eines Stadtteils, in den viel Geld und Kraft gesteckt wurde. Einem, der Menschen verschiedener Nationalitäten vereint. Einem, in dem die Hälfte der Kinder mit nur einem Elternteil aufwächst und viele Menschen mehrere Jobs haben, um das Leben zu meistern, wie Oskar-Leiter Tim Spotowitz sagt.

Sopranistin Alessia Schumacher (l.) und Regisseurin Theresa von Halle haben das Projekt mitgeformt. Quelle: Christin Iffert

Die Stimme von Theresa von Halle zittert, als der letzte durch die zum Opernsaal umdekorierte Turnhalle schallende Applaus nach der finalen „Elias“-Aufführung am Freitag verstummt. Ein Jahr intensiver Arbeit liegt hinter der jungen Regisseurin. Ein Jahr voller Inspirationen, Entwicklungsprozesse, Anstrengungen. Schüler und Bürger des Stadtteils haben an dem Konzept seit März 2017 gearbeitet – auf Augenhöhe. Gut 450 Menschen waren beteiligt. „Es war eine einzige Toleranzübung an sich selbst“, so die 34-Jährige. In den vergangenen Monaten hat sie mit den Schülern jeden Tag gearbeitet. „Man wird berührt, geschockt, überrascht – alles kommt zusammen und fügt sich zu einem Bild“, sagt sie.

Die Strahlkraft bleibt und schafft Toleranz untereinander

Nun ist sie fort, die Anspannung. Und die Regisseurin, die für ein neues Projekt nach Korea geht. Aber die Strahlkraft bleibt.„Es ist zu merken, wie die Arbeit im ganzen Stadtteil wirkt“, sagt Kulturmanager Tim Spotowitz. Gleich, wie unterschiedlich die Eltern seien: Sie vereint, ein Kind an der Grundschule in Drewitz zu haben. Mit der Oper habe man einen Raum eröffnet, in dem Toleranz gelernt werden könne. Auf der Bühne war egal, welche Hautfarbe ein Kind hatte, welche Sprache es sprach.

Tim Spotowitz von der Begegnungsstätte Oskar. Quelle: Christin Iffert

Dieses Toleranzempfinden und Glücksgefühl tragen die Kinder nach Hause, ergänzt Schulleiterin Elvira Eichelbaum. Kinder aus 17 verschiedenen Nationen besuchen die Schule. Durch die kontinuierlichen, gemeinschaftlichen Arbeiten am Oratorium habe sich unter den Kindern aller Klassenstufen etwas verändert. „Kinder kämpfen täglich um Aufmerksamkeit, die bekamen sie – auch von anderen Schülern. Es ging nicht mehr um Streitigkeiten, sondern darum, wie man zusammenarbeiten, was man verbessern kann“, sagt die Pädagogin. Es gibt sie weniger, die Gruppen auf dem Schulhof. Berührungsängste sind abgebaut worden.

Das Projekt wissenschaftlich greifbar machen

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Schirmherr des Projekts, outete sich am Donnerstag noch als anfänglicher Skeptiker. Die Schule schien ein Fass ohne Boden zu sein, sagte er. Doch die Ergebnisse seien überzeugend. „Wir müssen viel kreativer sein und damit versuchen, an die Menschen heranzutreten“, sagte er. „Stadtteil macht Oper“ habe viel Potenzial, das man nun vor allem auch wissenschaftlich greifbar machen müsse.

Von Christin Iffert

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