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„Eine Orgelweihe ist ein Geschenk“

Hast du Töne ... „Eine Orgelweihe ist ein Geschenk“

Freudentag für St. Nikolai: Jahrzehntelang war die Kirche ohne eine große funktionstüchtige Orgel gewesen. Am Sonnabend wurde nun die „Indienstnahme“ des neuen gewaltigen Instruments aus der Orgelbaumanufaktur gefeiert – und einem umstrittenen Spender gedankt.

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Blick auf die neue Orgel aus der Osnabrücker Manufaktur Kreienbrink.

Quelle: Friedrich Bungert

Innenstadt. Zum ersten Mal seit Kriegsende hat die Nikolaikirche wieder eine große funktionstüchtige Orgel. Am Sonnabend wurde die „Indienstnahme“ des Instruments in einem feierlichen Gottesdienst mit Propst Christian Stäblein und den beiden Nikolaipfarrern Susanne Weichenhan und Matthias Mieke gefeiert.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt

Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Quelle: Friedrich Bungert

Der Kirchenraum und die Emporen waren bei der Orgelweihe bis auf den letzten Platz besetzt, als das gewaltige Instrument mit 55 Registern und 3600 Pfeifen aus der Osnabrücker Orgelmanufaktur Kreienbrink zum ersten Mal offiziell erklang – eine der größten und klangreichsten Orgel im Land Brandenburg.

3600 Pfeifen hat die „Königin der Instrumente“

3600 Pfeifen hat die „Königin der Instrumente“.

Quelle: Friedrich Bungert

Kantor Björn O. Wiede spielte vor den 700 Gästen unter anderem ein Werk, das er selbst komponiert hatte: „Te Deum organum“. Unter den Ehrengästen: Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, Landtagspräsidentin Britta Stark, Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) und Propst Klaus-Günter Müller von der katholischen Nachbargemeinde St. Peter und Paul. Zur Feier des Freudentags wurde die Kirchenkuppel beim Einsetzen der Dämmerung spektakulär in bunten Farben beleuchtet. Bis zum 2. Oktober findet ein Orgelfestival mit sechs Konzerten statt.

Farbenspiele zur Feier der Orgelweihe

Farbenspiele zur Feier der Orgelweihe.

Quelle: Friedrich Bungert

„Eine Orgelweihe halten zu dürfen, ist ein Geschenk, das mein ganzes Leben bereichert und weiter prägen wird“, sagte Pfarrerin Weichenhan nach dem Festakt. Die Emotion war ihr deutlich anzumerken – immerhin musste sich die Gemeinde jahrelang mit einem kleinen Instrument neben dem Altarraum als Notbehelf begnügen, nachdem die alte Orgel in den letzten Kriegstagen durch sowjetischen Beschuss zerstört worden war. Die Gäste waren tief beeindruckt: „Eine sehr würdevolle Stunde“, schwärmte etwa Stadtkonservator Andreas Kalesse.

Ein erhebender Anblick

Ein erhebender Anblick.

Quelle: Friedrich Bungert

Hauptsponsor der insgesamt 1,3 Millionen teuren Orgel ist die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE), die 970 000 Euro beisteuerte. Dass Superintendent Joachim Zehner in seinem Grußwort dem Großspender geradezu überschwänglich dankte, sorgte allerdings für einiges Aufsehen. Die Verwendung von Spenden der Stiftung ist umstritten, seit 2015 Äußerungen des als rechtsnational geltenden Stiftungsgründers Max Klaar publik wurden, der die alleinige Verantwortung Deutschlands für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Frage stellte. Die evangelische Landeskirche hatte daraufhin ihre Mitgliedsgemeinden aufgefordert, auf Geld von der Stiftung zu verzichten.

Auf der Empore

Auf der Empore.

Quelle: Friedrich Bungert

Aus Sicht von Generalsuperintendentin Asmus „kann das Geld nur genommen werden, wenn keinerlei Bedingungen daran geknüpft sind“ – dies sei im Fall von St. Nikolai der Fall gewesen, betonte sie am Sonnabend auf Nachfrage. Auch Harald Geywitz, Vorsitzender des Fördervereins „Musik an St. Nikolai“, verwies darauf, dass die Gemeinde nach dem Hinweis der Landeskirche auf die Annahme weiterer Fördergelder verzichtet habe.

Mittlerweile hat es zudem einen Wechsel in der Führungsebene der Stiftung gegeben. Max Klaar soll aus Altersgründen zurückgetreten sein, hieß es am Rande des Festakts. Der neue Vorstand Gerhard Simke nahm an den Feierlichkeiten teil.

Unter den Ehrengästen

Unter den Ehrengästen: Landtagspräsidentin Britta Stark (l.) und Oberbürgermeister Jann Jakobs (2.v.l., beide SPD)

Quelle: Friedrich Bungert

Aus einer bereits länger zurückliegenden SPKE-Spende soll das nächste Bauprojekt an St. Nikolai finanziert werden. Das Giebelfeld über dem Eingang – das „Tympanon“ – soll bis zur zweiten Jahreshälfte 2018 seine Figuren nach historischem Vorbild zurückbekommen, erklärte der Gemeindekirchenratsvorsitzende Dirk Scheinemann.

Und noch ein Blick auf die bunte Kirche

Und noch ein Blick auf die bunte Kirche.

Quelle: Friedrich Bungert

Von Ildiko Röd

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