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Einkaufsmeile unter dem Stadtkanal abgesagt

Potsdamer Förderverein hält aber an Rekonstruktion des historischen Wasserlaufs fest Einkaufsmeile unter dem Stadtkanal abgesagt

Der Förderverein für die Wiederherstellung des Potsdamer Stadtkanals will die Einrichtung eines unterirdischen Einkaufstempels als Finanzquelle für die Komplettrekonstruktion des Kanals nicht mehr weiter verfolgen. Der Verein will aber weiter um Spenden und Sponsoren werben.

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Zielpunkt des einzigen bisher komplett rekonstruierten Kanalabschnitts zwischen Tiefem See und Kellertorbrücke.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Das umstrittene Projekt einer Kultur- und Einkaufsmeile unter dem Potsdamer Stadtkanal ist abgesagt. In zwei Mitgliederversammlungen des Fördervereins für die Wiederherstellung des Kanals haben sich die Teilnehmer laut Vereinsvorstand Siegfried Benn „klar gegen den Vorschlag“ ausgesprochen. Man werde das „Vorhaben nicht weiter verfolgen“.

Wie berichtet, präsentierte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Architekten Christoph Schwelbel vor einem Jahr Pläne für eine unterirdische Mall mit 65 000 Quadratmetern Nutzfläche. Als Gegenleistung für das Projekt mit einer Gesamtvolumen von 265 Millionen Euro sollten die Investoren die Fertigstellung und spätere Unterhaltung des Stadtkanals finanzieren.

Siegfried Benn begründete die am Dienstag bekanntgegebene Absage auch damit, dass „bei Diskussionsrunden in der Öffentlichkeit, mit Parteien und der Stadtverwaltung ... keine breite Zustimmung erreicht werden“ konnte. Der Förderverein sei sich „bewusst, dass auch Kompromisse das Gesamtergebnis Stadtkanal nicht schmälern“ würden. Der Förderverein werde seine Arbeit weiterhin auf die Gewinnung von Sponsoren und Spendern richten. Vorrangig wolle man nun den Abschnitt von der Kellertorbrücke bis zur Berliner Straße fertig stellen.

Kritik übte Benn an der Ende Mai von der MAZ zitierten Mitteilung von Stadtwerkesprecher Stefan Klotz, dass die Mischwassergefälleleitung (MGL) für Potsdams Norden bei der Schließung des Kanals in den 1960er und 1970er Jahren „weitestgehend direkt in der Stadtkanaltrasse verlegt“ worden sei. Diese Aussage würde „nach Kenntnis einiger beteiligter Bauarbeiter bei der Verlegung der MGL in den 1970er Jahren nicht den Tatsachen entsprechen“.

Klotz hatte auf MAZ-Anfrage darauf verwiesen, dass die Abwasserleitung eine Lebensdauer von 80 Jahren habe: „Ein Ersatzneubau wäre dann also um 2050 notwendig.“ Laut Klotz liegen „neben der MGL noch diverse Abwasser- , Trinkwasser- , Fernwärme-, Erdgas- und Stromleitungen im Verantwortungsbereich der EWP in der Stadtkanaltrasse. Zu nennen wären insbesondere die Kreuzungen mit der Breite Straße und der Friedrich-Ebert-Straße und einem sehr komplexem Leitungsbestand.“

Vor Klotz hatte Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) in einem Pressegespräch erklärt, man könne den Kanal speziell in der Dortustraße mangels Geld „nur bis zu einer geringen Tiefe öffnen“. Klipp präzisierte später, dass dies nicht als Absage an den Stadtkanal gemeint war. Benn räumte ein, der Abschnitt zwischen Yorck- und Breiter Straße sei „nicht leicht wiederherzustellen“, aber die MGL liege auch dort „nicht im Bett des Stadtkanals und bevor dieser Abschnitt tatsächlich wiederhergestellt“ werde, könnten andere Abschnitte rekonstruiert werden.

„Sofort machbar“ ist laut Benn der Kanalabschnitt von der Kellertorbrücke bis zur Berliner Straße. Die notwendige wasserrechtliche Genehmigung liege vor. Ebenso vorliegend sei die Planung für die Kellertorbrücke. „Machbar“ seien die anschließenden Abschnitte bis zur Friedrich-Ebert-Straße. Ebenfalls wieder hergestellt werden könne auf der anderen Seite der Abschnitt von der Planitzinsel bis zur Breiten Straße.

„In vielen Teilen“, so Benn, sei der Kanal „vor 2050 wiederherstellbar und würde wesentlich zur Wiederherstellung des historischen Stadtbildes der Potsdamer Innenstadt beitragen“. 2011 wurden die ersten 130 Meter des historischen Stadtkanals vom Tiefen See bis zur Kellertorbrücke für den Bootsverkehr freigegeben. Für die weitere Öffnung fehlt bisher das Geld.

Von Volker Oelschläger

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