Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Einst Schmuddelmeile, heute Top-Lage

Potsdams Stadtmitte Einst Schmuddelmeile, heute Top-Lage

Einst Schmuddelmeile, heute 1-A-Lage: Auf der Brandenburger Straße zwischen Bassinplatz und Brandenburger Tor kann gemütlich man durch die Potsdamer Innenstadt spazieren. Der Ur-Potsdamer Wolfgang Cornelius hat daran großen Anteil und hofft auf weitere Veränderungen in der Stadtmitte.

Nördliche Innenstadt Potsdam 52.4005852 13.059279
Google Map of 52.4005852,13.059279
Nördliche Innenstadt Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Die Partei fordert Aquapark statt Stadtkanal

Blick vom Hotel Mercure auf die Nördliche Innenstadt. Im Vordergrund das Stadtschloss, dahinter das Gebäude der Fachhochschule (l.) .

Quelle: Bernd Gartenschläger

Nördliche Innenstadt. Kurz vor zehn kommt Leben in die Brandenburger Straße. Lieferanten schleppen hastig Pakete in Geschäfte, am Obststand in der Dortustraße werden letzte Paletten mit frischen Erdbeeren von der Ladefläche geholt. Verkäuferinnen schieben bunte Bücherkisten oder Schuhregale mit Sandalen auf den Trottoir, eine Kellnerin wischt noch einmal über die Außentische ihres Cafés. „Wir machen gleich auf, ich darf sie noch nicht reinlassen“, ruft die Dame eines Handyshops einem ungeduldigen Kunden zu, derweil sich vor dem Karstadt Palais eine kleine Menschentraube bildet, die auf Schnäppchen hofft.

Schmuddelmeile mit drei 99-Cent-Läden

„Einst war das hier eine Schmuddelmeile mit drei 99-Cent-Läden. Heute ist die Brandenburger Straße ein 1-A-Standort. Um die Zukunft der Innenstadt ist mir nicht bange“, freut sich Wolfgang Cornelius über das geschäftige Treiben in der Fußgängerzone zwischen Bassinplatz und Brandenburger Tor. Der 80-jährige Privatier, der zu seinen Hochzeiten auf dem „Broadway“ zwei Parfümerien mit bis zu 22 Mitarbeiterinnen betrieb, wohnt im Haus Nummer 53, gleich neben Karstadt. Genau dort, wo sich einst die Räume der Lokalredaktion der „Märkischen Volksstimme“ befanden.

Cornelius ist gebürtiger Potsdamer. Als Kind spielte er am liebsten am sogenannten Karpfenteich hinter der Schlossruine. „Wir haben Fische und Frösche gefangen oder in den Trümmern der Häuser nach Brauchbarem gesucht“, erzählt er. Bis 1949 besuchte Cornelius die Helmholtz-Schule. Da er nicht in die Reihen der FDJ eintreten wollte, wurde er jedoch nicht zum Abitur zugelassen. „Ich begann in der Drogerie meines Vaters am Nauener Tor eine Lehre als Einzelhandelskaufmann“, so der spätere Unternehmer. 1952 ging die Familie in den Westen. 1960 eröffnete Cornelius seine eigene Drogerie in Düsseldorf-Holthausen. Später baute er sukzessive eine florierende Parfümeriekette auf. „Ich konnte dort gut leben, doch ich hatte immer Heimweh.“

Als die Wende kam, kehrte Cornelius zurück

Als die Wende kam, folgte Cornelius seinem Herzen. Er verkaufte seine Unternehmensanteile und fuhr nach Potsdam. „Als ich 1989 über die Michendorfer Chaussee Richtung Innenstadt kam, habe ich Potsdam nicht wiedererkannt“, erinnert er sich an das erste Wiedersehen nach 37 Jahren. Da Wohnungen knapp und die wenigen Hotels zu teuer waren, mietete sich Cornelius in Bornstedt in der Ribbeckstraße in einer Waschküche ein. Wenig später eröffnete er seine erste Parfümerie in der Brandenburger Straße/Ecke Lindenstraße. Mit 55 Jahren. „Ich wollte eine Spitzenparfümerie einrichten, die mit jeder Parfümerie in Berlin konkurrieren konnte.“ Der Plan ging auf. „Das Ding lief vom ersten Tag an wie die Feuerwehr“, schwärmt er.

Cornelius erweiterte, zog um. Und er begann, sich um den Einzelhandel in der Brandenburger und ihren Seitenstraßen zu kümmern. Er rief die Arbeitsgemeinschaft City/Innenstadt ins Leben, übernahm vor 15 Jahren deren Vorsitz, den er bis heute inne hat. Für die CDU saß er viele Jahre lang als Abgeordneter im Stadtparlament. Er warf sich gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz der großen Einkaufscenter in die Schlacht, stritt beispielsweise mit den Bahnhofspassagen um die Größe der Verkaufsfläche und das Sortiment. „Ich war immer überzeugt vom Potenzial der Innenstadt“, sagt er. Zunächst sei das Angebot an Ladenflächen größer als die Nachfrage gewesen. Doch spätestens seit der lang ersehnten Wiedereröffnung des Karstadt-Kaufhauses im Jahr 2005 habe sich das Blatt gewendet. Heute ist die Nachfrage größer als Angebot. Zieht ein Händler aus, gibt es sofort mehrere Interessenten. Die Mieten liegen zwischen 60 und 80 Euro pro Quadratmeter. „Der Branchenmix ist recht gut, allerdings haben wird derzeit ein, zwei Bäcker zuviel“, so Cornelius.

Zur Gestaltung der Innenstadt hat der schwergewichtige Mann eine klare Meinung. Es ist ja auch kein weiter Weg von der Brandenburger in die Friedrich-Ebert-Straße hin zum Stadtschloss. „Ich befürworte mit ganzem Herzen die Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss. Dazu gehören der Abriss der Fachhochschule und des Wohnhauses am Staudenhof sowie der Rückbau der Friedrich-Ebert-Straße. Dann hätten wir viel gewonnen“, sagt Cornelius. „Das bringt Touristen, das schafft Arbeitsplätze.“ Das Bürgerbegehren zur Mitte lehne er ab. „Für die Fachhochschule gibt es nach dem Umzug nach Bornstedt gar keine Nutzung, der Staudenhof verhindert zwei Leitbauten“, erklärt er mit Entschiedenheit.

Votum gegen das Bürgerbegehren

Zurückhaltender äußert sich Cornelius zur Zukunft des Mercure, das 1969 als Interhotel eröffnet wurde, und zum Wiederaufbau der Garnisonkirche. „Dass das Hotel abgerissen werden soll, kann man einer breiten Bevölkerungsschicht nicht vermitteln. Das Thema wird sich eines Tages von selbst lösen.“ Und zur Garnisonkirche meint er: „Ich bin für die Wiedererrichtung des Turms, würde mir dafür aber kein Bein ausreißen.“ Der Grund: „So schön wie die Frauenkirche in Dresden wird er nicht.“ Auch beim Stadtkanal, der einst die nördliche Innenstadt durchzog, gibt sich der Ur-Potsdamer realistisch. „Der Kanal wäre nett, aber ich glaube nicht daran.“ Ohnehin seien die Brücken das Schönste gewesen. Die hätten die Fantasie angeregt. Doch die Brücken wird’s nicht wieder geben. Das weiß auch Cornelius.

Auf der Brandenburger Straße sitzen die Menschen im Sonnenschein vor den Cafés und schlürfen ihren Cappuccino. Spatzen streiten sich unter den Tischen um ein paar Krümel. Eine Musiker hämmert vor dem Karstadt-Kaufhaus auf einem riesigen Xylofon herum. In der Ferne ist die sprudelnde Fontäne auf dem Luisenplatz zu sehen. Cornelius blinzelt in die Sonne und setzt sich auf sein Rad. Er muss weiter. Zum Abschied sagt er noch: „Ein guter Kaufmann muss rechnen können und Visionen haben.“ Nicht nur ein guter Kaufmann.

Nördliche Innenstadt

Die Nördliche Innenstadt (Stadtteil 41) umfasst das Gebiet von der Behlertstraße im Nordosten über das Stadthaus und die Weinbergstraße bis zum Brandenburger Tor und die Schopenhauerstraße im Westen. Im Süden reicht der Stadtteil bis zur Havel, einschließlich Untere Planitz, im Südosten bis zur Neuen Fahrt zwischen Freundschaftsinsel und Nuthe-Park.

Die Fläche beträgt 2,5 Quadratkilometer.

12 500 Einwohner zählte die Nördliche Innenstadt Ende 2014. Im Jahr zuvor waren es 12 193 Einwohner.

Der Kinderanteil liegt mit 11 (12) Prozent leicht, der Altenanteil mit 7,4 (9,4) Prozent etwas deutlicher unter dem Potsdamer Durchschnitt.

7849 Haushalte , davon 4665 Ein-Personen-Haushalte, zählten die Statistiker in der Nördlichen Innenstadt. Es gibt 1246 Haushalte mit Kindern.

Bei den Kommunalwahlen 2014 erhielt die Linke 22,4 Prozent, gefolgt von der SPD (20,5), den Grünen/Bündnis 90 (16,6) und der CDU (12,6).

Von Jens Trommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg