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Einzelhändler wollen mehr Sonntagsöffnungen

Potsdamer Interessenverband startet Werbeaktion Einzelhändler wollen mehr Sonntagsöffnungen

Einzelhändler in Potsdam machen zum Verdruss der Gewerkschaften mit Werbeaktionen mobil für mehr Sonntagsöffnungen. 120 Kollegen vor allem aus dem Stadtgebiet gründeten jetzt den Interessenverband "Forum weltoffenes Brandenburg".

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Yvonne Trenner, Inhaberin des Geschäfts "Kaufrausch" in der Lindenstraße, wirbt für die Ladenöffnung am Sonntag.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. "Weltoffenes Brandenburg" ist das Plakat im Schaufenster des Bekleidungsgeschäfts "Kaufrausch" tituliert. Unter einem Foto des Brandenburger Tors, das auf einer Erdkugel thront, liest man die Aufschrift: "Ja zur Sonntagsöffnung der Ladengeschäfte." Zugute kommen soll das Gästen aus aller Welt: "Die Touristen kommen meistens sonntags", erklärt die Verkäuferin. "Die wollen schauen und sich dann auch gleich ein Souvenir kaufen."

Mitinitiator der neuen Aktion ist Jürgen Riedel. Er hat seit zehn Jahren Erfahrung als Einzelhändler. Zusammen mit seiner Frau betreibt er das Bekleidungsgeschäft "Society" in der Hermann-Elflein-Straße. Ihn wurmt schon lange, dass Online-Händler wie Zalando, die gerade sonntags die besten Geschäfte machten, in Brandenburg auch noch gefördert werden, während die Händler in den Innenstädten darben. Er träumt von Verhältnissen wie in Mecklenburg-Vorpommern. Dort dürfen im Rahmen der Bäderregelung Geschäfte auch sonntags öffnen. Seit Februar macht Riedel daher zusammen mit etwa 120 Kollegen vor allem aus Potsdam im informellen Interessenverband "Forum weltoffenes Brandenburg" mobil.

"Es gibt eine Diskrepanz zwischen Online-Handel und stationärem Handel", sagt er. "Diese Diskriminierung wollen wir ändern." Ein Viertel des Warenumsatzes gehe am Wochenende über den Tisch. Die Stadt solle sich nur überlegen, was da allein an Steuern abfiele. Nicht zuletzt würde durch sonntägliche Kaufmöglichkeiten auch die Innenstadt belebt ‒ und zwar nicht nur die von Potsdam. Einen Verbündeten hat Riedel beim Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. "Mit einer Million Übernachtungen jährlich sind wir in der touristischen Profiliga angekommen", sagt Stefan Frerichs. Der Einzelhandel müsse diese positive Entwicklung mit Sonntagsöffnungen begleiten dürfen. Frerichs hätte gerne, dass sich die sechs erlaubten verkaufsoffenen Sonntage künftig auf einzelne Läden beziehen. Zweitens müsse man den Kreis der Verkaufsstellen, die sonntags verkaufen dürfen, erweitern: "Ein Tourist erwartet, dass er sich sonntags auch mal Schuhe kaufen kann", sagt er.

Davon sind wederGewerkschaften noch Kirchen begeistert. Laut Uwe Diedrich, Gewerkschaftssekretär vom Fachbereich Handel im Verdi-Bezirk Potsdam-Nordwestbrandenburg, entspricht die Aktion nicht dem Willen der vielen tausend Beschäftigten des Potsdamer Einzelhandels. Sie sei nur ein "weiterer untauglicher und verzweifelter Versuch, die Probleme des Einzelhandels auf dem Rücken der dort Beschäftigten zu lösen". Dazu gehörten ein "gnadenloser Verdrängungswettbewerb", Preiskämpfe und die Abschaffung qualifizierter Beschäftigung.

Für Simon Kuntze, Pfarrer der Friedenskirchengemeinde, ragt der Sonntag auch deshalb heraus, weil man an ihm nicht alles kaufen kann. Pfarrerin Susanne Weichenhan von der Nikolaikirche sagt: "Freie Zeit ist kostbar für die seelische Erhebung." Man brauche das ‒ für Gott oder die Familie.

Von Rüdiger Braun

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