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Eiskeller als Winterquartier für Fledermäuse

Tierschutz in Potsdam Eiskeller als Winterquartier für Fledermäuse

Neun der 18 Fledermausarten in Brandenburg flattern auch in der Landeshauptstadt umher. Im Winter wird es immer schwieriger für die Nachttiere Quartiere zu finden, denn alte Kartoffelkeller oder ungenutzte Dachstühle werden immer weniger. Darum richtet jetzt der NABU Potsdam Gewölbe am Fuße des Brauhausberges für die Fledermäuse her.

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Christiane Schröder im Eiskeller des Brauhausberges.

Quelle: Rüdiger Braun

Potsdam. Wer die Stelle nicht kennt, läuft an dem mit Bauzäunen abgedeckten Schacht an der Leipziger Straße vorüber. Der seltsame Einstieg mit der unter einem Grashügel verborgenen Metalltür liegt auf der Rückseite des „blu“. Die Fledermausquartierbetreuerin des NABU, Christiane Schröder, kennt den Eingang gut. Mit geschickten Griffen räumt sie die Gitter zur Seite und öffnet die alte Metalltür mit ihrem Schlüssel.

Fledermäuse im Park Sanssouci

Fledermäuse sind weltweit verbreitet. Sie kommen auf allen Kontinenten der Erde vor, nur nicht in der Antarktis oder anderen polaren Regionen. Auf manchen Inseln wie Neuseeland waren sie bis zur Ankunft des Menschen die einzigen Säugetiere.

Die 21. Internationale Fledermausnacht wird deutschlandweit am 26. und 27. August gefeiert. Der NABU Potsdam begeht die Nacht am 26. August etwa ab 19.30 Uhr bei der Friedenskirche im Park Sanssouci. Am See der Kirche sollen Netze gespannt werden, in der Hoffnung, dass sich eine Fledermaus verfängt. Gelegenheiten, lebende Fledermäuse einmal aus der Nähe zu sehen, gab es bislang bei jeder Potsdamer Fledermausnacht.

Bis ein Tier ins Netz geht , gibt es Vorträge über Fledermäuse und ein Programm für Kinder. Bei der Aktion könne das Publikum auch vielleicht anhand gefangener Exemplare sehen, welche Fledermausarten in Potsdam trotz schwindender Überwinterungsplätze immer noch vorkommen.

Es öffnet sich ein gut 100 Meter langes und wohl 50 Meter breites Tunnel- und Gewölbesystem. Früher einmal wurde es vom Königlichen Brauhaus als Eiskeller genutzt. Zurecht: hier ist es selbst an Sommertagen kalt. Seit Mitte vergangenen Jahres hat die Stadt Potsdam dem NABU Brandenburg vertraglich die Nutzungsrechte zugesichert. Schröder und ihre Kollegen haben hier Großes vor: ein Winterquartier für Potsdamer Fledermäuse.

Mehrere Monate Winterruhe

„In den Wintermonaten stecken die Fledermäuse in solchen Mauerfugen“, sagt Schröder und weist mit der Taschenlampe auf Fugen zwischen den Backsteinen. Viele der 18 in Brandenburg heimischen Fledermausarten überwintern mehrere Monate in höhlenartigen Gewölben. Ihre Körper nehmen dabei fast die Temperatur der Umgebung an. In dem ehemaligen Eiskeller der Brauerei wären das um die sieben Grad. Fallen können die Tiere nicht, wenn sie kopfüber in den Fugen schlafen. Die entspannte Haltung der Füße bei Fledermäusen ist sozusagen die fest geschlossene Faust.

Dass Fledermäuse das Gewölbe nutzen, weiß der Potsdamer NABU seit 2007. Damals begann die als ehrenamtlich für den Fledermausschutz arbeitende Schröder auch diese Gewölbe im Brauhausberg zu inspizieren. In einem der Nebenräume entdeckte sie zum Beispiel das Große Mausohr. Auch im Vorraum des eigentlichen Gewölbes bei der Eisentür gab es Fledermäuse. In den letzten Jahren wurden bis zu 40 Wintergäste vom NABU erfasst. Früher drangen sie vor allem durch einen Spalt unter der Tür ein. Jetzt hat der NABU über der Tür eigens ein Rechteck als Flugloch freischneiden lassen.

Hohlblocksteine und Regenschächte

„Wir wollen noch ein paar Hohlblocksteine einbauen“, sagt Schröder. Dafür wollen die Aktiven des NABU-Kreisverbandes bis Oktober Stahlgewindestangen in die Wände dübeln, an denen die Steine aufgehängt werden. In deren Lücken könnten die Fledermäuse gut überwintern. Zusätzliche Steine sind wichtig, weil der vordere Teil des Kellers wegen des Umbaus der Leipziger Straße wegfallen wird. Daneben will der NABU Potsdam die rostigen Rohre in den Gewölben abbauen, bevor sie abstürzen und so zum Beispiel freiwillige Helfer gefährden könnten. Außerdem sucht der NABU gemeinsam mit der Stadt Potsdam von oben aus nach Möglichkeiten, kleine Schächte anzulegen, um gezielt Regenwasser in die Gewölbe zu leiten. „Fledermäuse brauchen eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit von 80 bis 100 Prozent“, sagt Schröder. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto weniger verlieren die Flattertiere Feuchtigkeit über ihre eigenen Flügel. Schon jetzt ist es ziemlich feucht in dem finsteren Mauerwerk.

Schon mit diesen wenigen Maßnahmen hofft der NABU in den kommenden Jahren das Quartier für Fransenfledermäuse, Wasserfledermäuse, Braune Langohren und Große Mausohrfledermäuse in Potsdams Mitte zu verbessern. Bislang kommen die Fledermäuse im Winter vor allem in den Parkanlagen, zum Beispiel unter den Kolonnaden von Schloss Sanssouci , Zuflucht suchen.

Der Eiskeller mit seinen vielen Räumen und verrosteten Rohrleitungen ist nicht die einzige Überwinterungsstelle, die der NABU den Fledermäusen anbieten will. Ein paar Schritte südlich bei der Max-Planck-Straße gibt es ein weiteres Gewölbe, dessen Hauptzugang derzeit noch durch Abraum versperrt ist. Die Expert Immobiliengesellschaft Berlin hat die Gewölbe bereits baulich gesichert und wird dem NABU das Quartier übertragen. „Es ist echt Wahnsinn, dass ein Privatunternehmen Geld für die Bunkerpflege in die Hand nimmt und uns dann das Gewölbe überlässt“, lobt Schröder.

Warten auf die Mopsfledermaus

Durch die bauliche Sicherung in enger Absprache mit dem NABU wurde gleichzeitig Kälte und Zugluft abgehalten. In den Gewölben selbst sollen ebenfalls noch Hohlblocksteine als Hangplätze für die Fledermäuse eingebracht werden, um den Tieren Schlupflöcher zu verschaffen. Insgesamt sollen in beiden Gewölben etwa 50 Steine verteilt werden. Vielleicht überwintern im höheren und trockeneren Gewölbe einmal Breitflügelfledermäuse oder das Graue Langohr. Die mögen es trockener.

„Ich fände es auch total spannend, wenn hier die Mopsfledermaus auftaucht“, sagt Schröder. Jetzt stehen und liegen in den finsteren Kellern noch kreisförmig verdreckte Plastikstühle herum. „Vielleicht ein okkultes Ritual“, sagt Schröder. „Ich weiß es nicht.“

Bislang wurden in dem zweiten Gewölbe seit den 90er-Jahren schon zehn bis 15 Tiere je nach Witterung gezählt. „Wir hoffen, dass es doch noch mehr wird.“ Das Potenzial für ein tolles Winterquartier habe das Areal unbedingt. Mit etwas Glück könnten in beiden Gewölben mehrere 100 Tiere überwintern. Mit neun verschiedenen Arten kann man rechnen. Ein erfolgreiches Vorbild gibt es schon in Frankfurt (Oder). Die alte Ruine der ehemaligen Ostquellbrauerei gilt heute als das bedeutendste Fledermausquartier Brandenburgs. Dort verbringen jedes Jahr um die 2000 der Nachttiere ungestört ihren Winterschlaf.

Dass durch die Maßnahmen in den Tiefen des Brauhausberges die Populationen der Region aber insgesamt wieder wachsen könnten, glaubt Schröder eher nicht. Was durch die Gewölbe gewonnen werde, gehe anderswo verloren. Zum Beispiel sind nicht ausgebaute Kartoffelkeller in Potsdam inzwischen eher eine Rarität. Ausgebaut werden auch immer mehr Dachgeschosse von Häusern, die früher den Tieren Unterschlupf boten. „Zumindest die vorhandenen Populationen können wir sichern“, sagt Schröder.

Wie sehr Bautätigkeit viele Rückzugsgebiete der Flattertiere zerstört, wurde vor einigen Jahren einem Potsdamer Maurermeister klar, dem Schröder vor dem Baubeginn zwischen den Fugen versteckte Fledermäuschen zeigte. Der Handwerker hätte das kleine Tierchen gar nicht bemerkt und die Fugen mit Mörtel geschlossen. „Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Fledermäuse ich schon eingemauert habe“, räumte der Maurer gegenüber der märkischen Fledermausschützerin ein.

Von Rüdiger Braun

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