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Potsdam Elias’-Vereinnahmung: Familie wehrt sich
Lokales Potsdam Elias’-Vereinnahmung: Familie wehrt sich
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18:11 04.02.2016
Elias verschwand am 8. Juli spurlos. An der Suche beteiligten sich hunderte Freiwillige. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Die vierte Demonstration des Potsdamer Ablegers der Pegida-Bewegung versuchte am Mittwochabend auch im Stadtteil Am Schlaatz mit Musik auf sich aufmerksam zu machen. In den Texten, die bei der Abschlusskundgebung aus den Boxen drangen, wurde auf „Volksverräter“ und das „Lügenpack“ geschimpft. Ein Titel unter anderem: „Wir hassen Kinderschänder“. Aus der Perspektive einer Mutter wird die Entführung und Ermordung ihres Kindes thematisiert.

Der Fall Elias – eine Chronologie der Ereignisse

„Wir haben mit diesen Menschen nichts zu tun“

Die Potsdamerin Anita S. hat diesen Horror erlebt. Vor sieben Monaten verschwand ihr Sohn, der kleine Elias (6) beim Spielen im Hof vor der eigenen Wohnung Am Schlaatz spurlos, sein Schicksal bewegte die Menschen in der Landeshauptstadt und weit darüber hinaus. Anfang November dann die traurige Gewissheit: der kleine Junge ist tot. Entführt, mutmaßlich missbraucht und getötet von Silvio S. aus Kaltenborn (Teltow-Fläming).

Anita S. wehrt sich nun gegen eine Vereinnahmung des tragischen Falls durch die Islamfeinde von Pegida. „Wir haben mit diesen Menschen nichts zu tun und wollen das auch nicht“, so Anja Berger, eine enge Freundin der Familie S. am Donnerstag gegenüber der MAZ, „wir wehren uns ausdrücklich gegen eine politische Instrumentalisierung von Elias.“ Sie hatte im MAZ-Liveticker zur Pegida-Demo davon gelesen, dass das Lied auf der Demonstration gespielt wurde.

Der Schrebergarten, in dem Elias’ Leiche im ktober 2015 gefunden wurde, ist heute ein erinnerungsgarten für die beiden Jungen. Quelle: DPA

„Geschockt“ sei sie gewesen, so Berger, als sie erfuhr, dass Elias’ Fall bei der Kundgebung der vom Potsdamer Christian Müller angemeldeten Demonstration indirekt thematisiert worden sei: „Diese Geschichte hat überhaupt nichts mit Einwanderern, Flüchtlingspolitik oder dem Islam zu tun, ganz im Gegenteil. Der Täter ist Deutscher, eines der Opfer hingegen nicht.“ Das zweite Opfer des Täters war der vierjährige Mohammed gewesen, ein Flüchtlingskind, das Silvio S. am Berliner Lageso verschleppt hatte.

Anklage gegen Silvio S. steht kurz bevor

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Mohamed (4) aus Berlin und Elias (6) aus Potsdam könnte in einigen Wochen beginnen. „Ich rechne mit einer Anklage im Frühjahr“, sagte der Potsdamer Rechtsanwalt Mathias Noll jüngst. Der 32-jähriger Silvio S. aus Kaltenborn (Teltow-Fläming) hatte Ende Oktober beide Morde gestanden.

Der 32-Jährige wird von einem Gutachter auf seine Schuldfähigkeit untersucht. Das Ergebnis liege aber noch nicht vor, sagte Noll. „Mein Mandant hat keine weiteren Aussagen gemacht“, betonte der Anwalt. Der 32-Jährige hatte den Ermittlern nach seiner Festnahme erklärt, er habe Mohamed missbraucht und mit einem Gürtel erdrosselt. Zu dem Mord an Elias machte er keine Angaben. Der mutmaßliche Mörder sitzt weiter zum Schutz vor Gewalt von Mitgefangenen in einer Einzelzelle in Brandenburg/Havel in Haft.

Das Lied, das nun die Gemüter erhitzt, stammt von der rechtsextremen Liedermacherin und ehemaligen NPD-Aktivistin Annett Müller. Sie ist die Witwe des ebenfalls rechtsextremen Liedermachers Michael Müller, beide stammen aus dem brandenburgischen Schwedt.

Von Saskia Popp

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