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Die Chronik im Fall Elias

Entführt, gequält, ermordet Die Chronik im Fall Elias

Die Entführung des kleinen Elias aus Potsdam im Sommer 2015 hat viele Menschen berührt. Die groß angelegte Suchaktion der Polizei und der freiwilligen Helfer brachte keine entscheidenden Hinweise. Vier Monate später dann die traurige Gewissheit: Elias wurde ermordet. Eine Chronologie der Ereignisse.

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Jeder Zentimeter rund um Elias’ Elternhaus im Schlaatz wurde abgesucht.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Am 8. Juli 2015 verschwindet der kleine Elias aus Potsdam spurlos. Wochenlang sucht die Polizei gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern nach ihm. Kein Fleckchen rund um den Ort des Verschwindens im Potsdamer Stadtteil Schlaatz bleibt unberührt, doch die Suche ist vergebens. Im November folgt dann die traurige Gewissheit: Elias ist tot. Eine Chronik des tragischen Falls, der nicht nur viele Potsdamer zu tiefst berührte.

1. Woche

8. Juli: Am Mittwochnachmittag gegen 17.30 Uhr verabschiedet sich der damals sechsjährige Elias in der Potsdamer Neubausiedlung Schlaatz von seiner Mutter. Er geht auf einen Spielplatz vor dem Haus. Als die Mutter ihn etwa eine Stunde später zum Abendessen holen will, ist Elias nicht mehr da. Um 19 Uhr wird der Junge vermutlich das letzte Mal von einer Frau auf einem Supermarkt-Parkplatz gesehen. Eine Viertelstunde später meldet die Mutter ihren Sohn bei der Polizei als vermisst. Die Suche läuft sofort an und dauert die ganze Nacht hindurch. Hubschrauber und Suchhunde durchforsten das Wohngebiet Schlaatz und auch die umliegenden Stadtteile – erfolglos.

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Am 8.Juli 2015 war der kleine Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz plötzlich verschwunden. Was folgte, war eine lange und aufwendige Suche der Polizei und freiwilliger Helfer. Doch von dem Jungen fehlte jede Spur. Als im Oktober der Flüchtlingsjunge Mohammed aus Berlin als vermisst gemeldet wurde, geriet Silvio S. als mutmaßlicher Entführer ins Visier der Ermittler. Dann der Schock: Er soll auch Elias entführt haben.

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10. Juli: Die Polizei befragt Passanten und Anwohner. Aber auch unter den 150 eingegangenen Hinweisen ist keine heiße Spur. „Der Junge ist wie vom Erdboden verschluckt“, sagt Polizeisprecherin Jana Birnbaum an diesem Tag. Spürhunde, Helikopter, Überwachungsbilder – nichts davon bringt die Suche voran.

13. Juli: Seit sechs Tagen ist Elias verschwunden. Ganz Potsdam sucht mittlerweile nach dem Jungen. Die Polizei konzentriert sich jetzt verstärkt auf die Nuthe, nachdem ein Zeuge Elias vor seinem Verschwinden dort gesehen haben will. Im Schlaatz sind Leichenspürhunde unterwegs. Das Schlimmste scheint nicht mehr ausgeschlossen.

15. Juli: Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY – ungelöst“ berichtet von Elias. Danach arbeitet die Polizei fast doppelt so viele Hinweise als zuvor ab. Auch RTL berichtet von der Suche nach Elias.

2. Woche

17. Juli: Die Polizei lässt die Nuthe ausbaggern und um 20 Zentimeter absenken, um noch gezielter nach dem Jungen suchen zu können. Immer wieder haben Spürhunde an dem Fluss angeschlagen. Mehr als eine Woche nach dem Verschwinden gibt es keine Anzeichen, dass Elias Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte, sagt die Polizei. Auch dass der Junge ausgerissen ist, hält sie für unwahrscheinlich. Elias könnte verunglückt sein, beim Spielen abgerutscht oder eingeklemmt. Vielleicht schlagen die Spürhunde deshalb immer wieder an der Nuthe an.

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Das Technische Hilfswerk (THW) baggert 10 Tage nach Elias Verschwinden in der Nuthe nach ihm. Der Fluss wird sogar um 20 Zentimeter abgesenkt. Eine Spur, wo Elias sein könnte, gibt es allerdings nicht.

Quelle: Julian Stähle

18. Juli: Weiterhin gibt es kein Lebenszeichen oder eine Spur von Elias. Die freiwilligen Helfer beenden ihre intensive Suche. Einen Tag später kündigt auch die Polizei den Rückzug an. Die Soko wird nun allein weiter ermitteln.

3. Woche

27. Juli: Seit fast drei Wochen ist Elias wie verschollen. Für die Polizei wird der Fall immer rätselhafter. Mittlerweile liegen 802 Hinweise vor. Fast alle wurden geprüft – ohne Erfolg. Immer noch arbeitet die 60-köpfige Soko „Schlaatz“ daran, den kleinen Jungen zu finden. Währenddessen wird die mobile Polizeiwache nahe des Bürgerhauses am Schilfhof abgebaut. Zwei Polizisten waren dort rund um die Uhr Ansprechpartner, bis zuletzt nur noch sehr wenig Hinweise eingingen.

4. Woche

5. August: Seit genau vier Wochen fehlt von Elias jede Spur. Der Chef der Soko „Schlaatz“, Michael Scharf, sagt, dass er solch einen Fall in seiner polizeilichen Laufbahn bis jetzt noch nicht erlebt hat. Mittlerweile wurde die Soko um 15 Ermittler verkleinert.

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Polizeidirektor Michael Scharf leitet die Soko „Schlaatz“.

Quelle: Julian Stähle

6. Woche

13. August: Die Hoffnung, Elias noch lebend zu finden, schwindet Tag für Tag. In der sechsten Woche nach dem Verschwinden des Jungen sagt Chef-Ermittler Scharf: „Wir rechnen nicht mehr damit, dass Elias noch lebt.“ Die Soko geht von einem Verbrechen aus. Sie hätten Spielzeug gefunden, dass nicht Elias gehörte. Möglicherweise hat man den lebensfrohen Jungen beim Spielen damit weggelockt.

13. Woche

1.Oktober: Schock in Berlin. Der vierjährige Mohamed wird vermisst. Der kleine Flüchtlingsjunge aus Bosnien-Herzegowina wurde zuletzt auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit gesehen. Dort hat ihn seine Mutter aus den Augen verloren. Die Suche beginnt. Es gibt auch Fotos des Täters, die eine Überwachungskamera eingefangen hat.

18. Woche

30. Oktober: Der Entführer des kleinen Mohamed, Silvio S., wird geschnappt. Er gibt den Mord an dem Jungen zu und gesteht, dass er auch Elias getötet hat. In einer Gartenanlage bei Luckenwalde (Teltow-Fläming) wird eine Kinderleiche gefunden. Zwei Tage später folgt die schreckliche Gewissheit: Bei der Leiche handelt es sich um Elias.

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30.Oktober: In Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) wird der mutßmaßliche Mörder und Entführer des Flüchtlingsjungen gefunden und festgenommen. Er soll auch Elias entführt und in der Gartenanlage getötet haben.

Quelle: Julian Stähle

20. Woche

12. November: Laut Obduktionsbericht soll Elias missbraucht und stranguliert worden sein. Vier Tage später wird er im engsten Familienkreis an einem unbekannten Ort beigesetzt.

44. Woche

21. April: Das Landgericht Potsdam lässt die Mitte März erhobene Anklage gegen den mutmaßlichen Mörder der Kinder Elias und Mohamed zu. Genau 342 Tage nach dem Tod des kleinen Elias beginnt der Prozess um Silvio S.

Von Luise Fröhlich

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Elias verschwand am 8. Juli 2015 spurlos. Die wochenlange Suche nach ihm brachte keinen Erfolg. Im November schließlich die schreckliche Gewissheit, der Junge wurde getötet. In der Chronologie haben wir die Ereignisse seit Elias' Verschwinden Woche für Woche zusammengefasst.

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