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Elias Die Rede von Jann Jakobs im Wortlaut
Lokales Potsdam Elias Die Rede von Jann Jakobs im Wortlaut
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07:23 04.11.2015
Quelle: dpa
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Potsdam

Am Dienstag hat Potsdam Abschied vom getöteten Elias genommen. Zu der offiziellen Trauerfeier versammelten sich hunderte Menschen. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs sprach den Angehörigen von Elias sein Beileid aus. Wir dokumentieren die Rede im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort).

"Liebe Potsdamerinnen und Potsdamer,

heute sind wir hier für Elias zusammengekommen. Für seine Familie, die Menschen, die ihn kannten, die ihn mochten, die ihn liebten. Wir wollen an ihn erinnern und deutlich machen, dass er uns brutal entrissen wurde, dass er aber in unseren Herzen weiterlebt.

Dafür haben wir hier im Bürgerhaus am Schlaatz ab sofort ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sich alle, die das möchten, im Anschluss an diese Gedenkfeier eintragen können.

Unser Mitgefühl gilt in erster Linie den Angehörigen, der Familie, der Mutter. Wir stehen hier bestürzt und fassungslos über die Grausamkeit dieser Taten. Aber, meine Damen und Herren, wir stehen hier geschlossen und in Trauer vereint. Daher bin ich auch tief bewegt, dass so viele Menschen aus dem Schlaatz, aus ganz Potsdam und von außerhalb gekommen sind, um an Elias, den kleinen Mohamed und auch an die noch immer verschwundene Inga zu erinnern.

Es war am Nachmittag des 8. Juli, als Elias plötzlich verschwand. Eben hatte er noch gespielt, plötzlich war er nicht mehr da. Seine Mutter, sein Umfeld, der gesamte Schlaatz und schließlich ganz Potsdam machten sich auf, ihn zu suchen und die Polizei bei ihrer intensiven Suche zu unterstützen. Jede kleine Spur wurde verfolgt.

Wochenlang waren gerade die freiwilligen Helferinnen und Helfer hier vor Ort Tag und Nacht unterwegs, um nach Elias zu suchen, Hinweise aufzunehmen, die Polizei zu unterstützen.

Wenn es an diesem traurigsten aller Tage etwas gibt, das einen Funken Hoffnung versprüht, dann ist es dieser Zusammenhalt, dieser aufopferungsvolle Einsatz, meine Damen und Herren.

Mein Dank gilt daher vor allem den Helferinnen und Helfern hier im Schlaatz, die sich mit großem Herz für Elias eingesetzt haben. Sie alle haben Potsdam, unserem Land, einfach allen gezeigt, wozu unsere Gesellschaft fähig ist: Zusammenzustehen, wenn die Not am größten ist.

Sich zu unterstützen, wenn der einzelne nicht mehr weiter kann. Und gemeinsam etwas zu erreichen, das einzelne niemals hätten schaffen können.

Leider waren, wie wir heute wissen, diese großen Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Es konnten all die guten Wünsche, all die guten Taten, all die guten Menschen am Ende nichts ausrichten.

Auf die anfängliche Hoffnung folgten immer stärker werdende Befürchtungen. Und auf die Befürchtungen folgt jetzt die furchtbarste aller Gewissheiten.

Elias ist tot.

Ermordet von einem Mann, der auch den kleinen Mohamed auf brutale Weise missbraucht und getötet hat, wie wir nun wissen.

Elias und Mohamed hatten ihr ganzes Leben noch vor sich. Sie waren unschuldige Kinder, die vertrauensvoll in die Zukunft geblickt haben.

Eine Zukunft, die ihnen nun verwehrt bleiben wird. Es waren fröhliche Jungen, die ihren Angehörigen und allen, die sie kannten, viel Freude bereitet haben. Nun sind sie aus dem Leben gerissen worden. Von einem Menschen, der vollkommen unauffällig mitten unter uns gelebt hat. Diese Verbrechen machen uns alle fassungslos. Denn diese Taten sind verstörend und beängstigend.

Dies alles kann Wut und Angst erzeugen. Sicher haben dies hier auch einige von uns so empfunden. Doch Wut und auch Angst, meine Damen und Herren, sind keine guten Ratgeber. Wir müssen versuchen, so schwierig das im Moment auch ist, nüchtern und sachlich zu bleiben und herauszufinden, wie wir in Zukunft derartige Verbrechen verhindern können.

Dazu müssen wir genau wissen, was am 8. Juli wirklich passiert ist.

Darum werden sich Polizei und Staatsanwaltschaft sicherlich intensiv bemühen. Dann müssen wir versuchen, die richtigen Schlüsse aus dem Schrecken zu ziehen. Das gilt für uns als Stadt und das gilt für Sie als Bürgerinnen und Bürger.

Doch heute sind wir für Elias zusammengekommen.

Und deshalb möchte ich Sie bitten, jetzt zusammen mit den Vertretern der Kirche ein Gebet zu sprechen."

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