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Ein Apfelbaum für Elias und Mohamed

Elias-Fundort ist Erinnerungsgarten Ein Apfelbaum für Elias und Mohamed

Der Kleingarten in Luckenwalde (Teltow-Fläming), in dem die Leiche des 6-jährigen Elias aus Potsdam gefunden wurde, ist nun eine Gedenkstätte. Am Donnerstag ist der Erinnerungsgarten bepflanzt worden. Er soll an die beiden Kinder erinnern, die mutmaßlich von Silvio S. ermordet wurden, der die Parzelle gepachtet hatte.

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Die Parzelle im „Eckbusch“ wird bepflanzt und zur Gedenkstätte.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde . Elias und Mohamed haben nun einen Ort des Gedenkens in Luckenwalde. Die Kleingartenparzelle im Luckenwalder „Eckbusch“, in der die Leiche des ermordeten Elias (6) aus Potsdam gefunden wurde, ist am Donnerstag zu einem Erinnerungsgarten umgestaltet worden, zu einem Mahnmal für die grausamen Schicksale, die Kinder erleiden müssen.

30 Freiwillige helfen mit

Der städtische Bauhof hatte die Fläche bereits beräumt. Nun halfen Feuerwehrleute, Kleingärtner und Mitarbeiter des Bauhofes mit, die Fläche mit Bäumen und Hecken und zu bepflanzen. 30 Freiwillige packten auf dem 353 Quadratmeter großen Gelände mit an. Schnell konnte es trotzdem nicht vorangehen – dafür war der Boden nach dem Regen der jüngsten Tage zu schlammig.

Der nasse Boden hat die Arbeit erschwert

Der nasse Boden hat die Arbeit erschwert.

Quelle: Margrit Hahn

Ligusterhecken sorgen für Ruhe und Abgeschiedenheit

Tief sanken nicht nur die Helfer mit ihren Gummistiefeln, sondern auch Lkw ein, während ein Baggerfahrer bemüht war, den weichen Grund zu glätten. Zuerst wurden die Ligusterhecken mit einem Gewicht von gut 40 Kilogramm abgeladen. Sie sollen nicht nur für Ruhe und Abgeschiedenheit sorgen, sondern auch ein wenig Distanz zu den Nachbargärten schaffen, in denen die Pächter weiterhin ihre Gemüsebeete und Zierblumen pflegen.

Raum für Trauer und Erinnerung

Horst Heinisch, der schon das Kindergräberfeld auf dem Jüterboger Friedhof gestaltet hatte, übernahm die Planung für den Erinnerungsgarten und war glücklich über die vielen Helfer. „Die Anteilnahme in der Bevölkerung war sehr groß und so bestand der Wunsch seitens der Stadt Luckenwalde hier schnell zu handeln“, berichtete er und erklärte zum Konzept: „Durch das Ritual des gemeinsamen Pflanzens, durch das Engagement und die Motivation steckt ein neuer Geist hier drin und nimmt diesem Garten den Schrecken.“ Gleichzeitig soll der Ort Raum bieten für Trauer und für Erinnerung an die beiden Jungen.

Im Zentrum ein alter Apfelbaum

Im Zentrum des Gedenkgartens steht ein alter Apfelbaum. Er ist die einzige große Pflanze, die noch von dem Garten übrig ist, den Silvio S., der mutmaßliche Mörder von Elias und Mohamed vor einem Jahr gepachtet, aber nach Angaben des Kleingartenvereins nie bewirtschaftet hatte.

Weitere Apfelbäume und 2000 Krokusse

Zu dem Apfelbaum in der Mitte wurden am Donnerstag noch vier weitere Obstbäume gepflanzt. „Apfelbäume zu pflanzen, stellt etwas Reines, etwas Hoffnungsvolles dar“, fügt Heinisch hinzu. Die Aktion erinnert an einen Satz, der Martin Luther zugeschrieben wird: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Er steht für eine geradezu trotzige Zuversicht. Unter die Apfelbäume werden 2000 Krokuszwiebeln gesteckt, zudem wird Rasen eingesät. Erst im Frühjahr wird der Gedenkgarten somit in ganzer Schönheit erblühen.

Kleingärtner kümmer sich um die Pflege

„Als die Stadt über das Vorhaben informierte, gab es sofort positive Rückmeldungen“, berichtete Frank Dunker, Amtsleiter der Luckenwalder Stadtverwaltung, „die Fläche verwahrlosen zu lassen wäre ebenso wenig in Frage gekommen, wie hier eine Grabstelle zu errichten.“ Auch die Kleingärtner sind froh über die Entscheidung. So stand für Karsten Niendorf von Anfang an fest, dass er sich bei der Pflege des Gartens mit einbringen wird. „Das sind wir den Eltern von Elias und Mohamed schuldig“, sagt der Kleingärtner. Kümmern wollen sich auch Barbara und Joachim Busche sowie Jürgen Klei. Der Vorsitzende der Kleingartenanlage „Eckbusch“ hat seinen Garten genau schräg gegenüber. „Ich habe Silvio S. den Garten im November 2014 verpachtet. Es konnte ja niemand ahnen, was passieren würde“, sagte Klei betroffen.

Auch Luckenwalder Feuerwehr hilft

Die Luckenwalder Feuerwehr sagte ebenfalls Unterstützung zu, ohne lange darüber zu diskutieren, berichtet Stadtwehrführer Jens Reichwehr. Freiwillige Helfer aus den Reihen der Brandschützer fanden sich schnell, zum Beispiel Nicole Gilewski. „Ich arbeite beim Rettungsdienst und bin seit 2002 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Luckenwalde“, sagte sie, „eigentlich hätte ich heute einen freien Tag, aber den opfere ich gern.“

Eine Bank zum Verweilen und eine schlichte Gedenktafel

Die Baumschule Bruns hatte die meisten Pflanzen für einen symbolischen Preis abgegeben und das Unternehmen Alpina stellte Fachkräfte zur Verfügung, die dafür sorgten, dass die Bäume und Hecken in entsprechenden Abständen gepflanzt werden. Die Hecken werden später wellenförmig geschnitten. Am Freitag wird noch eine Bank aufgestellt. Zudem wird eine schlichte weiße Tafel mit den Worten „Erinnerungsgarten für Elias und Mohamed“ angebracht.

Von Margrit Hahn

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