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Elias-Ermittler: „Das lässt einen nicht kalt“

MAZ-Interview mit Michael Scharf Elias-Ermittler: „Das lässt einen nicht kalt“

Ermittler Michael Scharf war verantwortlich für die Soko „Schlaatz“, die nach Elias suchte. Im MAZ-Interview sagt er, warum ihn dieser Fall besonders mitgenommen hat. Außerdem nimmt er Stellung zu Gerüchten, der mutmaßliche Mörder von Elias habe sich an der Suche nach dem Jungen beteiligt. Und Scharf sagt, wie er seinem Sohn die unfassbare Tat erklärt hat.

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Michael Scharf.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Ermittler Michael Scharf (49) war verantwortlich für die 60-köpfige Soko „Schlaatz“, die nach Elias suchte. Im MAZ-Interview sagt er, warum die Polizei trotz 1300 Hinweise keine Spur zu Elias hatte und wie er seinem Sohn die Tat erklärt hat.

MAZ: Das Verschwinden von Elias konnte nur aufgeklärt werden, weil mit Mohamed ein weiteres Kind starb. Machen Sie sich Vorwürfe, den Entführer von Elias nicht früher gefasst zu haben?

Michael Scharf:  Natürlich ist das sehr belastend. Zwei tote Kinder, das ist auch für uns Ermittler nur schwer zu ertragen. Die Soko hat unter Hochdruck gearbeitet und wir können nun sagen: Unter den 1300 Hinweisen, denen wir nachgegangen sind, war kein einziger, der zu Silvio S. geführt hätte. Wenigstens gibt es eine gute Nachricht: Eine größere Serie von Verbrechen ist nun womöglich gestoppt.

Es gibt Gerüchte, dass sich Silvio S. später an der Suche nach Elias beteiligt hat.

Scharf:  Das sind wirklich Gerüchte. Dafür gibt es keinen Hinweis.

Die Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern war nicht immer einfach. Hat die Anwesenheit so vieler Sucher womöglich die Spurensuche sogar erschwert?

Scharf: Nein, wir sind den freiwilligen Helfern wirklich sehr dankbar. Am Anfang ging es darum, Elias zu finden. Das hatte absoluten Vorrang und da war jede Hilfe gut. Es bestand ja die Chance, ihn noch lebend zu finden. Ermittlungen kamen erst später dazu.

Im politischen Raum gibt es Streit, weil das Video, das Silvio S. überführte, illegal entstand. Spielt das für die Polizei eine Rolle?

Scharf: Nein, das wird erst einmal außer Acht gelassen. Ein Wirt hat den Gehsteig vor seinem Lokal gefilmt. Ohne diese Aufnahmen hätten wir den mutmaßlichen Täter nicht gefunden. Eine datenschutzrechtliche Bewertung will ich dazu nicht abgeben.

Sie haben selbst einen Sohn in Elias’ Alter. Wie haben Sie ihm erklärt, was passiert ist?

Scharf: Ich habe ihm gesagt, dass Elias nicht mehr lebt. Mit einem Sechsjährigen kann man darüber reden – und muss es auch. Gleichzeitig sollte man seinem Kind bei der Gelegenheit erklären, wie es sich verhalten soll, wenn es von einem Fremden angesprochen wird: nicht mitgehen, sich wehren, schreien. Aber man darf auch keine Panik schüren. Was Elias und Mohamed passiert ist, kommt Gott sei Dank sehr selten vor.

Wie geht Ihr Team jetzt mit der Situation um?

Scharf: Wir reden viel darüber. Es gehört zu unserem Job, aber natürlich lässt einen so etwas nicht kalt. Besonders schwer war es auch für die Kollegin, die Elias’ Mutter die Todesnachricht überbringen musste.

Von Marion Kaufman

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