Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Elias Elias-Ermittler: „Das lässt einen nicht kalt“
Lokales Potsdam Elias Elias-Ermittler: „Das lässt einen nicht kalt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:52 01.11.2015
Michael Scharf. Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Potsdam

Ermittler Michael Scharf (49) war verantwortlich für die 60-köpfige Soko „Schlaatz“, die nach Elias suchte. Im MAZ-Interview sagt er, warum die Polizei trotz 1300 Hinweise keine Spur zu Elias hatte und wie er seinem Sohn die Tat erklärt hat.

MAZ:Das Verschwinden von Elias konnte nur aufgeklärt werden, weil mit Mohamed ein weiteres Kind starb. Machen Sie sich Vorwürfe, den Entführer von Elias nicht früher gefasst zu haben?

Michael Scharf: Natürlich ist das sehr belastend. Zwei tote Kinder, das ist auch für uns Ermittler nur schwer zu ertragen. Die Soko hat unter Hochdruck gearbeitet und wir können nun sagen: Unter den 1300 Hinweisen, denen wir nachgegangen sind, war kein einziger, der zu Silvio S. geführt hätte. Wenigstens gibt es eine gute Nachricht: Eine größere Serie von Verbrechen ist nun womöglich gestoppt.

Es gibt Gerüchte, dass sich Silvio S. später an der Suche nach Elias beteiligt hat.

Scharf: Das sind wirklich Gerüchte. Dafür gibt es keinen Hinweis.

Die Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern war nicht immer einfach. Hat die Anwesenheit so vieler Sucher womöglich die Spurensuche sogar erschwert?

Scharf:Nein, wir sind den freiwilligen Helfern wirklich sehr dankbar. Am Anfang ging es darum, Elias zu finden. Das hatte absoluten Vorrang und da war jede Hilfe gut. Es bestand ja die Chance, ihn noch lebend zu finden. Ermittlungen kamen erst später dazu.

Im politischen Raum gibt es Streit, weil das Video, das Silvio S. überführte, illegal entstand. Spielt das für die Polizei eine Rolle?

Scharf:Nein, das wird erst einmal außer Acht gelassen. Ein Wirt hat den Gehsteig vor seinem Lokal gefilmt. Ohne diese Aufnahmen hätten wir den mutmaßlichen Täter nicht gefunden. Eine datenschutzrechtliche Bewertung will ich dazu nicht abgeben.

Sie haben selbst einen Sohn in Elias’ Alter. Wie haben Sie ihm erklärt, was passiert ist?

Scharf:Ich habe ihm gesagt, dass Elias nicht mehr lebt. Mit einem Sechsjährigen kann man darüber reden – und muss es auch. Gleichzeitig sollte man seinem Kind bei der Gelegenheit erklären, wie es sich verhalten soll, wenn es von einem Fremden angesprochen wird: nicht mitgehen, sich wehren, schreien. Aber man darf auch keine Panik schüren. Was Elias und Mohamed passiert ist, kommt Gott sei Dank sehr selten vor.

Wie geht Ihr Team jetzt mit der Situation um?

Scharf:Wir reden viel darüber. Es gehört zu unserem Job, aber natürlich lässt einen so etwas nicht kalt. Besonders schwer war es auch für die Kollegin, die Elias’ Mutter die Todesnachricht überbringen musste.

Alle wichtigen Texte zu den Fällen Elias und Mohamed im Überblick

Am Donnerstag ist der mutmaßliche Täter Silvio S. in Niedergörsdorf festgenommen worden.

Am Freitag hat er den Mord an Mohamed und Elias gestanden. Wir haben den Tag im Liveticker verfolgt.

Hier haben wir alle wichtigen Fakten zu den Mordfällen zusammengetragen.

In Kaltenborn, dem Ort in dem Silvio S. lebte, ist die Betroffenheit groß. Wir haben uns umgehört.

Silvio S. hat die Leiche von Elias in einem Kleingarten in Luckenwalde vergraben. Die Kleingärtner dort sind von den Ereignissen geschockt.

Am Freitag haben in Potsdam im Schlaatz, dort hat der kleine Elias gelebt, viele Menschen um den 6-Jährigen getrauert.

Hier finden Sie eine Chronologie zum Fall Elias.

Am Sonnabend schweigt Silvio S. und macht keine weiteren Angaben, unterdessen wird der Kleingarten in Luckenwalde weiter umgegraben.

Das sagen Psychologen über die Persönlichkeit von Silvio S.

Von Marion Kaufman

Elias Umstrittene Videoüberwachung - Warum Silvio S. nur zufällig überführt wurde

Im Juli ist der 6-jährige Elias aus Potsdam verschwunden. Etwa drei Monate verschwand der 4-jährige Mohamed aus Berlin. In beiden Fällen gab es zahlreiche Hinweise. Von den Kindern fehlte jedoch jede Spur. Eine Spur zu einem möglichen Täter gab es ebenfalls nicht. Ende Oktober tauchten dann Videoaufnahmen von Silvio S., die zu seiner Festnahme führten.

01.11.2015

Am Freitag hat der 32-jährige Silvio S. gestanden, Elias aus Potsdam und Mohamed aus Berlin umgebracht zu haben. Besonders groß darüber ist das Entsetzen in Kaltenborn, einem Ortsteil von Niedergörsdorf. Denn dort hat S. zuletzt im Haus seiner Eltern gelebt. Wir haben uns dort umgesehen und umgehört.

02.11.2015

Jetzt ist es schreckliche Gewissheit. Der kleine Elias (6) aus Potsdam ist umgebracht worden. Das hat die Obduktion der Leiche ergeben, die bei dem 32-jährigen Silvio S. im Kleingarten gefunden wurde. Am Sonntag hat die Polizei erste Erkenntnisse zum Mord an Elias bekannt gegeben. Auch Verbindungen zu anderen Fällen haben die Ermittler geprüft.

01.11.2015
Anzeige