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Elias-Soko arbeitet, solange sie Arbeit hat

Suche nach 6-Jährigen in Potsdam Elias-Soko arbeitet, solange sie Arbeit hat

Seit zwei Wochen fehlt von Elias (6) aus Potsdam jede Spur – die Polizei hält ein Verbrechen für immer wahrscheinlicher. Eine 60-köpfige Soko leitet den Fall. Die MAZ hat mit Soko-Chef Michael Scharf darüber gesprochen, wie die Polizisten die Ermittlungen leiten, mit wem man zusammenarbeitet und wielange die Suche nach Elias fortgeführt wird.

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Soko-Chef Michael Scharf.

Quelle: Julian Stähle

Frankfurt (Oder). Zwei Wochen nach dem Verschwinden des sechsjährigen Elias aus Potsdam wird ein Verbrechen immer wahrscheinlicher. Die lange Zeit, die seitdem verstrichen sei, spreche gegen ein Weglaufen oder einen Unglücksfall, sondern für ein „unfreiwilliges Verschwinden“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Im Plattenbauviertel Schlaatz sei jeder Zentimeter des rund drei Quadratkilometer großen Areals mehrmals abgesucht worden. „Wir haben nach wie vor keinen Verdacht und keine These zum Verschwinden des Jungen.“ Eine 60-köpfige Sonderkommission arbeite jedoch intensiv am Fall. Die MAZ hat mit dem Leitenden Polizeidirektor Michael Scharf, Stabsleiter der Polizeidirektion West, über den Fall und die weiteren Ermittlungen gesprochen.

>>> Der Fall Elias - eine Chronik

Wie lange ist die 60-köpfige Sonderkommission (Soko) Schlaatz aufrecht zu erhalten?

Es geht bei der Errichtung und dem Betreiben einer Sonderkommission nicht um das Erreichen oder Aufrechterhalten einer bestimmten Personalzahl. Vielmehr ist der Kräftebedarf ganz eng an die zu erledigenden Aufgaben gekoppelt und wird stetig anhand der zu tätigenden Ermittlungs- und Untersuchungshandlungen überprüft und die Anzahl der eingesetzten Kräfte dementsprechend angepasst.

Woher kommen die Soko-Leute? Wo wurden sie abgezogen?

Die Sonderkommission besteht aus Beamten der Kriminalpolizei der Polizeidirektion West des Landes Brandenburg sowie aller Inspektionen der Direktion. Sie wird zudem durch Kollegen des Landeskriminalamtes, der anderen Polizeidirektionen und der Bereitschaftspolizei unterstützt.

Wann reduziert man eine solche Soko? Wann sollten die Soko-Mitglieder wieder in ihre Stammbereiche zurückkehren?

Das Personal wird so lange in der Soko zusammengefasst, wie dort Ermittlungen zu führen sind. Der Leiter der Soko prüft stets, welche Spezialkenntnisse er aus welchen Bereichen benötigt.

Wie lange geht man noch Hinweisen nach? Welchen vor allem?

Solange Hinweise eingehen, werden diese auch verfolgt, bewertet und nach Priorisierung abgearbeitet.

Wann löst man erfahrungsgemäß eine Soko dieses Zuschnitts ganz auf?

Sobald die anfallenden Arbeitsraten in der Alltagsorganisation der zuständigen Polizeidienststellen zu bewältigen sind und keine anderen fachlichen Gründe zur Aufrechterhaltung der Soko vorliegen, würde die Arbeit der Soko schrittweise in die Alltagsorganisation übergeben. Es erscheint unglücklich, hierbei von „erfahrungsgemäß“ zu sprechen, da sich eine solche Entscheidung nicht nach Erfahrungen aus früheren Fällen und ggf. von anderen Polizeidienststellen richtet, sondern ausschließlich nach der Beurteilung der jeweils aktuellen Lage. Jeder Fall ist einzigartig und bedarf daher einer Einzelfallbetrachtung.

Was passiert nach Auflösung der Soko? Wann wird die Akte geschlossen?

Diese Fragen können nicht pauschal beantwortet werden. Je nach polizeilicher bzw. strafrechtlicher Einordnung des Falls zum Zeitpunkt der Auflösungsentscheidung übernimmt die Alltagsorganisation die Weiterbearbeitung. Hier sind entsprechende Sachgebiete der Kriminalpolizei innerhalb der Polizeidirektion und der Polizeiinspektion vorhanden. Die Suche nach Vermissten endet erst mit der Aufklärung des Aufenthalts oder Verbleib eines Vermissten. Insofern wird die Vermisstenakte so lange nicht geschlossen, wie der Vermisste nicht gefunden wurde.

Wann wird die Akte dann der Staatsanwaltschaft übergeben?

Die Staatsanwaltschaft wird so frühzeitig wie möglich bzw. notwendig einbezogen. Insbesondere dann, wenn es Hinweise auf das Vorliegen von Straftaten gibt oder besondere strafprozessuale Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Beim Vorliegen von Straftaten ist sie die „Herrin des Verfahrens“. Liegt kein Straftatverdacht vor, sind Vermisstenfälle Verfahren im Rahmen der Gefahrenabwehr.

Wie kann man die Öffentlichkeit noch einbeziehen?

Wir haben die Öffentlichkeit von Beginn an mit einbezogen. Dieses geschah u.a. mit Pressemeldungen sowie mit gedruckten Suchflyern. Auch im Internet, auf der Seite der Internetwache, wurden frühzeitig Suchaufrufe und die Presseveröffentlichungen abgebildet. Ein eigener Einsatzabschnitt innerhalb der anfänglichen BAO (Besondere Aufbauorganisation – d.Red.) und später auch in der Soko sorgte und sorgt weiterhin für eine breite Information der Bevölkerung und der Medien. Neben bundesweiten Fahndungsaufrufen u.a. in der Sendung „Aktenzeichen XY“ wurde frühzeitig Kontakt mit der Initiative „Vermisste Kinder“ aufgenommen und das offizielle Fahndungsplakat auf mehreren Bildschirmen in Berlin veröffentlicht. Diese Veröffentlichung dauert derzeit auch noch an. Dass diese Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ankommt, sieht man an der hohen Zahl eingehender Hinweise und der erheblichen Anteilnahme der Bevölkerung.

Werden „Kopfgelder“ für zweckdienliche Hinweise ausgesetzt?

Den Terminus „Kopfgeld“ gibt es im polizeilichen Sprachgebrauch nicht. Durch Staatsanwaltschaft und Polizei können unter bestimmten Umständen Belohnungen für Hinweise zur Aufklärung von schweren Straftaten ausgesetzt werden. Derzeit ist das nicht der Fall.

Sollten die Such-Flyer im Stadtbild irgendwann wieder entfernt werden, weil vielleicht keiner mehr darauf achtet? Wird die Öffentlichkeit blind beim „Augen-offen-halten“?

Die Polizei beendet die Suche und die Ermittlungen erst, wenn der Vermisste gefunden wurde. Da bisher keine konkreten Anhaltspunkte zum Verbleib oder derzeitigen Aufenthalt von Elias vorliegen, ist die fortlaufende Präsenz des Vermissten in der Öffentlichkeit sehr begrüßenswert.

Ist der Fall Elias auch europaweit bekannt?

Selbstverständlich wird nach Elias europaweit gefahndet. Hinweise dafür, dass der vermisste Junge Deutschland verlassen hat, gibt es jedoch nicht.

Von Rainer Schüler

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