Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Gruselige Sammlung und ein Richter-Appell

Tag 6 und 7 im Prozess gegen Silvio S. Gruselige Sammlung und ein Richter-Appell

Vor allem die Aussagen der Polizisten, die den mutmaßlichen Mörder von Elias und Mohamed festgenommen und seine Wohnung durchsucht haben, schockten die Prozessbeobachter. Es wurde klar, dass Silvio S. seine Taten im Voraus geplant haben muss. Zudem wurden auf dem PC des Angeklagten viele Pornos und belastendes Material gefunden.

Voriger Artikel
Appell des Richters an Silvio S.
Nächster Artikel
Ein Geständnis ohne jedes Bedauern

Die Polizisten stellten die bizarre Sammlung von Silvio S. sicher.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Am 4. Und 5. Juli 2016 fanden vor dem Landgericht Potsdam der sechste und siebte Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. statt. Dem Verdächtigen wird vorgeworfen, den sechsjährigen Elias aus Potsdam und den vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed sexuell missbraucht und getötet zu haben.

An beiden Prozesstagen sagten Polizisten aus, die Silvio S. festgenommen und verhört haben sowie an der Suche nach Elias‘ Leichnam beteiligt waren. Die Berichte waren schockierend. Zudem sagte der Betreiber einer Videothek aus, in der der Angeklagte noch kurz vor seiner Verhaftung Pornos ausgeliehen hat.

Über die Familie, die Festnahme und die Vorliebe für Pornos

Am Montagmorgen, am sechsten Verhandlungstag, trat zunächst ein Polizist in den Zeugenstand. Der Beamte war als Erster bei Silvio S. Zuhause, nachdem er den Hinweis bekommen hatte, dass Silvio S.’ Mutter ihren Sohn auf einen Fahndungsbild erkannt und dies der Polizei gemeldet hatte.

Der Polizist fuhr zunächst alleine zu S.’ Wohnung, später bekam er Unterstützung von zwei Kollegen. Die Aussagen der drei Polizisten warfen ein Bild auf das zerrüttete Verhältnis der Familie S. Der Vater beschwerte sich, dass soviele Polizisten in der Wohnung waren und die Wohnung schmutzig machten. Die Mutter zeigte sich hingegen emotional.

Als Silvio S. wenig später eintraf, wurde er festgenommen. Die Polizisten durchsuchten ihn und sein Auto und stießen dabei unter anderem auf eine gelbe Wanne, in der sie einen leblosen Körper fanden. Es war Mohamed, wie sich später herausstellte.

Auf der Fahrt zur Wache gestand S. den Polizisten indirekt, dass er Mohamed umgebracht habe. Er wünschte, es wäre ein Unfall gewesen, es war aber keiner, erinnerten sich die Polizisten im Gericht.

Viel Zeit widmeten die Prozessbeteiligten den Beweismitteln, die bei S. gefunden worden sind und im Gerichtssaal gezeigt wurden. Darunter Sex-Spielzeuge, Masken, Betäubungsmittel und Kinderkleidung.

Ein weiterer Polizist berichtete von der Suche nach Elias in dem Kleingarten von Silvio S. und dem grausigen Fund: ein Paket, in das zwei Beutel gepackt waren. Einer mit Klamotten, einer mit der Leiche des kleinen Elias.

Später sagte zudem ein Videothekar aus Jüterbog aus. Er beschrieb, dass S. sich mehrere Hardcore-Porno-Videos ausgeliehen hat und berichtete vom letzten Besuch des Anklagten bei ihm im Geschäft – ein bizarrer Auftritt.

Polizisten berichten vom Verhör

Am siebten Prozesstag am Dienstag sagten vier Beamte des Landeskriminalamtes aus. Dabei wurden Details des Verhörs berichtet. Die Beamten schilderten erschreckende Aussagen aus der Vernehmung. Der Verdächtige soll dabei gestanden haben, wie er den kleinen Mohamed missbrauchte und dann tötete: Er habe gestört und gequengelt, begründete S. seine Tat, so die Polizisten.

Auch die Auswertung des Computers von Silvio S. wurde erörtert. Auf dem wurde haufenweise Porno-Material gefunden. Darunter viele Gewaltfilme. Außerdem fanden die Ermittler Bilder, die zeigen, wie S. den Missbrauch an einer Puppe übte.

Der Beamte, der die Bilder der Lageso-Überwachungskamera auswertete, berichtete, wann genau S. mit Mohamed das Lageso-Gelände verlassen hatte und in Kaltenborn, dem Wohnort des Angeklagten, ankamen.

Der siebte Prozesstag endete mit einem erneuten Appell des Vorsitzenden Richters Theodor Horstkötter an den Angeklagten. Er solle sein Schweigen brechen und so zum Aufklären des Falles Elias beitragen, sprach Horstkötter den Angeklagten direkt an.

Zum nächsten Verhandlungstag am Montag, 11.07.2016, werden ab 9.30 Uhr weitere Polizisten erwartet. Geplant ist, dass vier Beamte über die Spurensicherung Auskunft geben. Später, gegen 11.30 Uhr bzw. ab 13.30 Uhr sollen zwei Sachverständige als Zeugen aussagen.

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Elias
Chronolgie
Chronologie der Ereignisse

Elias verschwand am 8. Juli 2015 spurlos. Die wochenlange Suche nach ihm brachte keinen Erfolg. Im November schließlich die schreckliche Gewissheit, der Junge wurde getötet. In der Chronologie haben wir die Ereignisse seit Elias' Verschwinden Woche für Woche zusammengefasst.

mehr