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Mitschüler trauern um Elias

Gespräche mit Schulpsychologen Mitschüler trauern um Elias

Elias wäre nun schon in der zweiten Klasse, doch sein Platz in der Potsdamer Grundschule am Humboldtring bleibt für immer leer. Mitschüler und Lehrer sind geschockt über die Todesnachricht.

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Auch in Elias’ Schule wird getrauert

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Er wäre jetzt in der zweiten Klasse. Aber Elias’ Platz im Klassenzimmer bleibt leer am ersten Tag nach den Herbstferien. Vor mehr als vier Monaten war Elias zuletzt im Unterricht in der Grundschule am Humboldtring in Zentrum-Ost. Seit dem Wochenende haben seine Mitschüler und die Lehrer die traurige Gewissheit: Sein Stuhl im Klassenzimmer wird für immer frei bleiben.Der Sechsjährige, nach dem ganz Potsdam über Wochen suchte, wurde schon kurz nach seiner Entführung Anfang Juli umgebracht.

„Es ist sehr traurig“, „es tut mir leid“ und „dumm, wenn jemand so etwas macht“, haben Schüler der fünften Klasse auf ein Blatt Papier geschrieben. Neben dem Sekretariat hat die Schule in einem Zimmer eine Gedenkecke für Elias eingerichtet. Ein Bild des Sechsjährigen steht auf einem Tisch mit weißer Decke. Blumen, eine Kerze. Papier und Buntstifte liegen bereit. Die Schüler können ihre Gedanken aufschreiben oder aufmalen: Woran erinnern sie sich, wenn sie an Elias denken?

Die Schulleiterin beschreibt ihn als aufgewecktes Kind

„Er war ein aufgeweckter, aufgeschlossener Schüler. Immer bereit, Dienste zu übernehmen“, sagt Schulleiterin Kerstin Barz. Am Montagmorgen, gleich zu Unterrichtsbeginn, sind die Lehrer in die Klassen gegangen und haben mit den 215 Schülern der Schule gesprochen. Alle wussten bereits, was passiert war. Seit Freitag, nachdem Silvio S. aus Kaltenborn (Teltow-Fläming) die Morde an Elias und dem Flüchtlingsjungen Mohamed (4) gestanden hat, waren Internet, Medien und soziale Netzwerke voll von der schrecklichen Neuigkeit.

„Viele Eltern haben mit ihren Kindern schon darüber gesprochen, einige waren auch an der Gedenkstelle im Schlaatz“, erzählt Schulleiterin Barz. Für die Lehrer sei es trotzdem nicht einfach gewesen, vor die Schüler zu treten und mit ihnen über Elias zu sprechen. „Die Lehrer waren sehr einfühlsam“, sagt die Rektorin. Auch eine Schulpsychologin war am Montag vor Ort, um mit Schülern und Lehrern zu reden. „Fast jeder möchte etwas loswerden“, sagt Matthias Klocke. Der Sonderpädagoge ist Mitglied der Schulleitung und steht den Schülern ebenfalls als Gesprächspartner zur Verfügung.

In Elias’ Klasse war Kerstin Barz selbst dabei. Sie habe die Situation auch genutzt, um den Kindern noch einmal zu erklären, wie sie sich in gefährlichen Situationen verhalten sollen. „Wir haben erklärt, dass so etwas Schlimmes, was Elias passiert ist, zum Glück sehr, sehr selten vorkommt“, sagt Barz. Aber dennoch: Die Schüler müssten Bescheid wissen. Beim Kinderschutzbund hatte sie sich zuvor über Verhaltenstipps informiert. Während der Suche nach Elias waren auch Mitschüler von der Polizei befragt worden. „Die Polizisten sind sehr sensibel und professionell vorgegangen“, erinnert sich die Schulleiterin. Zur Aufklärung des Falls konnte aber auch in der Schule niemand beitragen.

Elias’ Mutter hatte ihn am Tag seines Verschwindens vom Hort abgeholt

Elias’ Mutter und deren Lebensgefährte hatten den Erstklässler am 8. Juli nachmittags vom Hort an seiner Grundschule abgeholt und gingen mit ihn nach Hause in den Stadtteil Schlaatz. Später spielte Elias auf dem Spielplatz im Innenhof, von wo er verschwand. Im Hort platzte die Nachricht, dass Elias getötet wurde, am Freitag mitten in die Halloweenfeier. Mit den Kindern sei dann umgehend gesprochen worden.

Die Schule will bis Ende der Woche die Zeichnungen und Briefe der Schüler in der Gedenkecke sammeln und dann vielleicht an Elias’ Mutter senden, die weggezogen ist. Damit sie weiß, dass ihn auch in seiner Schule niemand vergessen wird.

Von Marion Kaufmann

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