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Mohameds Familie will Schmerzensgeld

Prozess gegen Silvio S. in Potsdam Mohameds Familie will Schmerzensgeld

Sie leidet unter Schlafstörungen, ist traumatisiert und hatte nach der Schock-Nachricht vom gewaltsamen Tod ihres Kindes zwei Fehlgeburten: Aldijana J. , die Mutter des getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed (4), hofft auf Entschädigung für zugefügte seelische Qualen. Silvio S. soll zahlen.

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Leidet unter dem Tod ihres Sohnes: Aldijana J. , die Mutter von Mohamed (4).

Quelle: Stähle

Potsdam. Sie leidet unter Schlafstörungen, ist traumatisiert und hatte nach der Schock-Nachricht vom gewaltsamen Tod ihres Kindes zwei Fehlgeburten: Aldijana J. , die Mutter des getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed (4), hofft auf Entschädigung für zugefügte seelische Qualen.„Er hat mein Leben kaputt gemacht“, sagte die 29-Jährige am Montag als Zeugin im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindsmörder Silvio S. vor dem Potsdamer Landgericht.

Ihre Anwälte wollen am Dienstag, am fünften Prozesstag, einen Antrag auf Schmerzensgeld stellen. Als Erbin Mohameds soll die Bosnierin, die 2014 nach Deutschland kam, mindestes 50 000 Euro vom mutmaßlichen Mörder ihres Kindes bekommen – für die Leiden des Vierjährigen vor seinem Tod. Silvio S. (33) wird vorgeworfen, den Roma-Jungen am 1. Oktober 2015 vor dem Berliner Landesamt für Soziales und Gesundheit (Lageso) entführt, mehrfach sexuell missbraucht und mit einem Gürtel erdrosselt zu haben. Die Leiche des Kindes wurde im Auto des Angeklagten in seinem Wohnort Kaltenborn (Teltow-Fläming) gefunden.

Entführer lockte Mohamed mit Plüschtier

Mit Hilfe eines Dolmetschers schilderte die alleinerziehende Mutter, wie Mohamed auf dem völlig überfüllten Behördengelände verschwand, als sie dort Geld für die Familie abholen wollte. „Wie man ein fremdes Kind nehmen kann, einfach so, das geht nicht in meinen Kopf“, sagte sie. „Ich bin sicher, dass er Mohamed angelockt haben muss, mit einem Spielzeug.“ Ein Überwachungsvideo zeigt den Entführer mit Mohamed an der einen und einem Plüschtier in der anderen Hand.

„Mohamed hatte keine Angst, vor nichts“

Die Anwälte der Familie wollen nicht nur Schmerzensgeld erwirken, sondern auch eine Entschädigung für Mohameds Geschwister Kevin (1) und Medina (9). „Ich habe immer noch Angst“, sagte die Schwester, die auf dem Lageso-Gelände vergeblich nach dem kleinen Bruder suchte. „Das Leben ohne ihn ist schwer.“ Anwalt Andreas Schulz will heute einen sogenannten Adhäsionsantrag stellen. Dieser sieht vor, dass die Geschwister entschädigt werden, wenn sie durch den gewaltsamen Tod des Bruders Traumata davontragen. Bei vergleichbaren Urteilen wurden Betroffenen bis zu 150 000 Euro zugebilligt.

Mutter von Elias kam überraschend

Überraschend erschien auch die Mutter des getöteten Elias (6) aus Potsdam erneut vor Gericht und saß während der Aussage von Mohameds Mutter auf der Nebenklagebank. Die 26-Jährige sei gekommen, um Mohameds Mutter ihre Unterstützung zu zeigen, sagte eine Freundin von Elias’ Familie der MAZ. Ihr selbst habe die Anwesenheit der anderen Mutter während ihrer Zeugenaussage am ersten Prozesstag vor zwei Wochen sehr geholfen. Auch zur Urteilsverkündung, die am 26. Juli vorgesehen ist, wolle Anita S. wieder ins Gericht kommen.

Liveticker vom 4. Verhandlungstag

Von Marion Kaufmann

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