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Liveticker vom 1. Tag im Elias-Prozess

Silvio S. in Potsdam vor Gericht Liveticker vom 1. Tag im Elias-Prozess

Ein langer Prozesstag ist zu Ende: Am Dienstag stand von 10 bis 17.30 Uhr der mutmaßliche zweifache Kindsmörder Silvio S. in Potsdam vor Gericht. Er soll Elias (6) und Mohamed (4) getötet haben. Die Anklage hat grausige Details enthüllt. Viele Zeugen wurden gehört. Nur der Angeklagte schweigt. Der erste Prozesstag im Ticker zum Nachlesen.

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Die Chronik im Fall Elias

Der Angeklagte Silvio S. schweigt am ersten Verhandlungstag.

Quelle: dpa

Potsdam. Am Dienstag, 14. Juni, stand der mutmaßliche zweifache Kindermörder Silvio S. in Potsdam vor Gericht.  Er soll Elias (6) und Mohamed (4) getötet haben.  Der Staatsanwalt hat die Anklage verlesen und grausige Details offenbart. ERste Zeugen wurden gehört, darunter die Mutter von Elias. Besucher kämpften mit den Tränen. Die MAZ berichtete live aus dem Potsdamer Landgericht.

Für die MAZ im Einsatz waren Marion Kaufmann, Ulrich Wangemann, Nadine Fabian, Luise Fröhlich, Hajo von Cölln, christian Meyer, André Bauer und Julian Stähle.

+++ 7:36 Uhr +++

Bereits am frühen Morgen stehen die ersten Zuschauer vor dem Justizzentrum und hoffen, einen der wenigen Zuschauerplätze zu bekommen.

+++ 7:41 Uhr +++

Silvio S. wird ins Justizzentrum gebracht.

+++ 7:52 Uhr +++

An diesen Tagen soll noch verhandelt werden: 14., 20., 21., 27. und 28. Juni. 4., 5., 11., 12., 18., 19. und 26. Juli.Verhandlungsbeginn ist jeweils um 9:30 Uhr. Außer am ersten Tag (14. Juni) und am letzten Tag (26. Juli). An diesen Tagen beginnt der Prozess um 10 Uhr.

+++ 7:53 Uhr +++

Große Sicherheitsvorkehrungen - vor dem Justizzentrum und rund um das Gebäude.

+++ 8:14 Uhr +++

Als eine der ersten in der Schlange vor dem Justizzentrum steht Marielle Eschler (20) aus Potsdam. Sie ist Jurastudentin und hat die Suche nach Elias vor etwa einem Jahr mitverfolgt. Der Prozess ist für sie also nicht nur aus beruflicher Sicht interessant. "Wir stehen seit 7 Uhr hier", sagt Eschler.

+++ 8:15 Uhr +++

Vor Ort sind auch Dutzende Medienvertreter. Fernsehsender haben ihre Kameras aufgebaut und dokumentieren das Geschehen vor dem Eingang.

+++ 8:16 Uhr +++

Hier gibt es alle Infos zu den Richtern und Anwälten, die am Prozess beteiligt sind.

+++ 8:26 Uhr +++

Vor dem Gericht hat sich bereits eine große Menschenmenge versammelt. Die Zuschauerplätze sind aber begrenzt. Nur etwa 30 Besucher bekommen einen Platz. Eventuell wird die Öffentlichkeit aber auch ausgeschlossen. Das haben zumindest die Anwälte von Silvio S. beantragt.

+++ 8:27 Uhr +++

Parken rund um das Gebäude des Justizzentrums war verboten.

Quelle: Julian Stähle

Vor dem Landgericht ist zum Prozessauftakt eine Parkverbotszone eingerichtet worden. Das Ordnungsamt ist unterwegs und verteilt Knöllchen.

+++ 8:29 Uhr +++

David Krause (35) aus Potsdam war Helfer der ersten Stunde bei der Suche nach dem kleinen Elias. Er ist damals via Facebook auf das Verschwinden des Jungen aufmerksam geworden. Er hat die Helfer bis zur letzten Minute koordiniert. "Deswegen bin ich heute hergekommen", sagt er. Krause will wissen, wie es ausgeht.

+++ 8:32 Uhr +++

Über 30 Interessierte stehen jetzt an. Genau 30 Plätze sind für Zuschauer vorgesehen, hieß es vorher. Einlass in den Verhandlungssaal ist erst in rund 45 Minuten.

+++ 8:34 Uhr +++

Die ersten Prozessinteressierten waren bereits um 7 Uhr vor Ort.

+++ 8:35 Uhr +++

Vor dem Landgericht sammeln sich die ersten Freiwilligen, die im Vorjahr die Suche nach Elias begleitet haben. "Wir hoffen, dass wir nach dem Prozess einen Haken an die Geschichte machen können", sagt die Potsdamerin Gabi Franz, die die Freiwilligensuche organisiert hatte. Die Entscheidung, beim Prozess als Zuschauerin dabei zu sein, habe sie schon vor längerer Zeit getroffen. "Ich will den Mann sehen, der so viele Tränen verursacht hat. Ich will sehen, ob da ein Fünkchen Reue ist."

+++ 8:38 Uhr +++

Noch fließt der Verkehr ungehindert durch die Jägerallee. Fahrzeuge, die rund um das Gerichtsgebäude parken, werden später abgeschleppt.

+++ 8:41 Uhr +++

Unter www.MAZ-online.de/elias haben wir alle wichtigen Informationen zu dem Thema zusammengefasst.

+++ 8:41 Uhr +++

Es kommt Bewegung in die Schlange. Die Tore zum Hinterhof werden geöffnet. Die Wartenden dürfen in den Innenhof des Justizzentrums gehen. Dort werden sie vor einer Absperrung auf den Einlass in den Gerichtssaal erneut warten müssen.

+++ 8:46 Uhr +++

Jeder Besucher, der in den Gerichtssaal will, muss eine strenge Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen.

+++ 8:47 Uhr +++

Wird die Öffentlichkeit gleich zum Beginn des Prozesses ausgeschlossen? Einen entsprechenden Antrag hat der Anwalt von Silvio S., Mathias Noll, gestellt. Er plädiert dafür, den ganzen Prozess nicht-öffentlich abzuhalten mit Ausnahme der Urteilsverkündung.

Der Angeklagte soll die beiden Kinder Elias (6) und Mohamed (4) in Potsdam und Berlin entführt, zumindest Mohamed sexuell missbraucht und beide stranguliert haben. „Es werden Tatsachen zu erörtern sein, die den Intim- und Privatbereich meines Mandanten, der toten Kinder, der Nebenkläger und Zeugen betreffen“, sagte Anwalt Noll.

Zumindest die Verlesung der Anklageschrift soll auch nach Auffassung der Rechtsvertreter der Familie von Mohamed unter Ausschluss von Publikum und Pressevertretern stattfinden, wie Nebenklagevertreter Andreas Schulz der MAZ sagte. „Es gibt Stellen, wo das öffentliche Interesse zurücktreten müsse, so Schulz.  Einen „Geheimprozess“ dürfe es jedoch auch nicht geben. Das Gericht muss am Dienstag über die Anträge befinden.

+++ 8:49 Uhr +++

Die Zuschauer dürfen nun in den Innenhof...

+++ 8:52 Uhr +++

...dann wieder Halt.

+++ 8:54 Uhr +++

In diesem Gebäudetrakt wird der Prozess um 10 Uhr beginnen. Im Verhandlungsaal sind die drei Fenster geöffnet.

+++ 8:55 Uhr +++

"Für mich ist das kein Mensch, sondern ein Monster", sagt eine Besucherin über Silvio S. Sie fordert eine drastische Strafe. Andere finden, dass "jedes Kind ein Produkt der Erziehung ist."

+++ 8:55 Uhr +++

Unter den wartenden Prozessbeobachtern sind auch einige, die den Prozess definitiv aus einem anderen Blickwinkel sehen als die meisten Besucher. Ein Mann, der nicht mit Namen erscheinen will, sieht die "restriktive Sexualpolitik" in Deutschland als Problem, das Verbrechen wie die Kindsmorde erst ermögliche. Pädophile würden ausgegrenzt. Natürlich seien die Verbrechen furchtbar. Sie wollten dennoch, sagen die beiden Männer, den Prozess dahingehend beobachten, ob diese Themen angesprochen würden. "Wir schauen, ob der Anwalt des Angeklagten auch wirklich verteidigt oder nur mitmacht", sagt einer. "Aber das drucken Sie ja doch nicht", sagt der andere.

+++ 8:59 Uhr +++

Die Stimmung unter den Wartenden im Hof des Landgerichts ist relativ entspannt. Einige zünden sich eine Zigarette an, andere essen Äpfel. Doch eine Zuschauerin ist empört. Warum es in Deutschland keine Todesstrafe mehr gebe, fragt sie. "Es ist unfassbar für mich, was passiert ist. Deshalb bin ich hier", sagt sie.

+++ 9:03 Uhr +++

Unter den Prozess-Beobachtern ist auch Gabi Franz. Sie hatte sich im Sommer vergangenen Jahres stark bei der Suche nach Elias engagiert. Sie will den Prozess gegen Silvio S. verfolgen.

+++ 9:10 Uhr +++

Rund 40 Besucher warten vor der Absperrung. In etwa 5 Minuten ist Einlass.

+++ 9:14 Uhr +++

Juristisch scheint der Fall nicht allzu kompliziert - der Angeklagte hat die bereits gestanden, Elias und Mohamed getötet zu haben. Dennoch: Auf Richter Theodor Horstkötter wartet eine schwere Aufgabe.

Durch Gutachter und dann den Richter zu klären ist vielmehr, ob der Wachmann  schuldfähig ist, ob er (lebenslang) in Haft muss oder im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter unterzubringen ist – und ob gegebenenfalls wegen seiner Gefährlichkeit eine anschließende Sicherungsverwahrung nötig ist.

Ein Porträt über den Richter Horstkötter finden sie hier.

+++ 9:18 Uhr +++

Die Medienvertreter dürfen nun in den Gerichtssaal. Als nächstes werden dann die ersten 30 Besucher eingeschleust.

+++ 9:27 Uhr +++

Ganz langsam geht es für die Medienvertreter an die Sicherheitsschleuse voran. Nach und nach gelangen Sie ins Gebäude. Die Zuschauer stehen noch immer vor dem Absperrgitter im Innenhof.

+++ 9:28 Uhr +++

Unter den Zuschauern kommt immer wieder das Thema Schuldfähigkeit auf. Die Meinung ist eindeutig: der 32-Jährige hat planmäßig gehandelt.

+++ 9.34 Uhr +++

Die Journalisten betreten durch den Hintereingang den Saal 8, der von zehn mit stichsicheren Westen bekleideten Justizvollzugsbeamten gesichert ist. An den Gürteln tragen Sie Pfefferspray, Kabelbinder-Handschellen und die Dienstpistole. Die Pressevertreter werden sorgfältigst abgetastet, dürfen keine Taschen mit in den Saal nehmen.

+++ 9:39 Uhr +++

Die Zuschauer können ins Justizgebäude und müssen sich erneut einer Sicherheitsüberprüfung stellen.

+++ 9:42 Uhr +++

Staatsanwalt Peter Petersen steht noch entspannt im Hof vor dem Saal und spricht mit einem Mitarbeiter der Justiz. Unterdessen dauert der Einlass der Medienvertreter immer noch an.

+++ 9:43 Uhr +++

Saal 8 ist für den spektakulären Prozess umgebaut worden. Die Anklagebank - bislang zum Beispiel für Rockerprozesse mit zahlreichen Stühlen und Tischen ausgestattet, besteht nur noch aus drei Plätzen. Die sind für Silvio S. Und seine beiden Verteidiger reserviert. Dafür wurden die Sitzgelegenheiten und Tische auf der Opferseite verdoppelt. Die Anwälte der Familie Mohameds,  Andreas Schulz und Khubaib-Ali Mohammed, haben den Saal betreten.

+++ 9:45 Uhr +++

Die Zuschauer werden reingelassen - 27 wurden zunächst abgezählt.

+++ 9:49 Uhr +++

Staatsanwalt Peter Petersen ist im Saal und streift sich die schwarze Robe über das weiße Hemd. Vor ihm eine blaue Plastikkiste voller Akten. Bei der Richterbank sind weitere vier Kisten aufgereiht. Auch die Verteidiger von Silvio S. betreten nun den Saal und begrüßen den Staatsanwalt.

+++ 9:54 Uhr +++

Silvio S. wird gleich den Richtern vorgeführt. Der 32-Jährige hat bis zuletzt bei seinen Eltern in Kaltenborn im Kreis Teltow-Fläming gewohnt. Eine Spurensuche in seinem Heimatort.

+++ 9:57 Uhr +++

Landgerichtspräsident Dirk Ehlert macht sich ein Bild von der Situation im Saal. Noch sind nicht alle Zuschauer und Medienvertreter im Raum, der Prozessbeginn scheint sich um einige Minuten zu verzögern.

+++ 10:01 Uhr +++

Wird die Öffentlichkeit gleich zum Beginn des Prozesses ausgeschlossen? Einen entsprechenden Antrag hat der Anwalt von Silvio S., Mathias Noll, gestellt. Er plädiert dafür, den ganzen Prozess nicht-öffentlich abzuhalten mit Ausnahme der Urteilsverkündung.

Der Angeklagte soll die beiden Kinder Elias (6) und Mohamed (4) in Potsdam und Berlin entführt, zumindest Mohamed sexuell missbraucht und beide stranguliert haben. „Es werden Tatsachen zu erörtern sein, die den Intim- und Privatbereich meines Mandanten, der toten Kinder, der Nebenkläger und Zeugen betreffen“, sagte Anwalt Noll. Zumindest die Verlesung der Anklageschrift soll auch nach Auffassung der Rechtsvertreter der Familie von Mohamed unter Ausschluss von Publikum und Pressevertretern stattfinden, wie Nebenklagevertreter Andreas Schulz der MAZ sagte. „Es gibt Stellen, wo das öffentliche Interesse zurücktreten müsse, so Schulz.  Einen „Geheimprozess“ dürfe es jedoch auch nicht geben. Das Gericht muss heute über die Anträge befinden.

+++ 10:07 Uhr +++

Eigentlich sollte der Prozess vor fünf Minuten starten, doch der Einlass verzögert sich weiter. Die Medienvertreter sind mittlerweile fast alle im Saal, aber die Zuschauer warten noch an der Sicherheitsschranke auf Einlass.

+++ 10:12 Uhr +++

Etwa 20 Menschen stehen jetzt Schlange, um einen Besucherplatz zu ergattern. Sie müssen warten bis jemand von den reingelassenen Zuschauern wieder raus kommt, sagt ein Justizbeamter. Barbara Krüger aus Potsdam steht ganz vorn und hofft, dass sie bis zur Mittagszeit noch nachrücken kann.

+++ 10:12 Uhr +++

Die ersten Zuschauer nehmen ihre Plätze ein, darunter auch freiwillige Helfer, die bei der Elias-Suche aktiv waren.

+++ 10:24 Uhr +++

Die Spannung im Saal ist mit Händen zu greifen. Wann geht es los? Der Gerichtszeichner fertigt erste Bilder von der Situation im Saal an. Mittlerweile sind die Zuschauerplätze fast komplett besetzt.

+++ 10:25 Uhr +++

Rudolf Katzer aus Ludwigsfelde darf als Nachzügler aus der Reihe der Besucher doch noch in den Gerichtssaal. Insgesamt 28 Zuschauer wurden reingelassen. "Ich möchte den mutmaßlichen Mörder mal persönlich sehen, nicht nur im Fernsehen", sagt Katzer.

+++ 10:25 Uhr +++

Die Mutter des getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed nimmt auf der Seite der Nebenkläger Platz.

+++ 10:26 Uhr +++

Die Angehörigen von Elias und Mohamed werden dem mutmaßlichen Mörder ihrer Kinder erstmals von Angesicht zu Angesicht begegnen: Silvio S. sitzt von diesem Dienstag an in Potsdam auf der Anklagebank. Mohameds Mutter fürchtet sich vor der Begegnung mit dem mutmaßlichen Mörder ihres Kindes.

+++ 10:27 Uhr +++

Silvio S. betritt den Saal in Handschellen, einen Aktenordner vor dem Gesicht. Er trägt Jeans und Kapuzenpulli.

+++ 10:29 Uhr +++

Mohameds Mutter mit ihren Anwälten ist auch im Saal.

+++ 10:31 Uhr +++

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter betritt den Saal und bittet, von Zwischenrufen abzusehen. Ein Schöffe muss noch vereidigt werden. Die Verhandlung ist eröffnet.

+++ 10:34 Uhr +++

Der Richter verliest die Personalien von Silvio S. Er antwortet immer mit einem knappen, leisen "Ja" auf die Fragen nach der Richtigkeit von Wohnort und Geburtsdatum.

+++ 10:39 Uhr +++

In Handschellen und mit einem Ordner vor dem Gesicht ist Silvio S. in den Saal geführt worden.

+++ 10:40 Uhr +++

Nun geht es um den Antrag der Verteidigung, die Öffentlichkeit von der Verlesung der Anklageschrift auszuschließen. Die Anwälte von Mohameds Familie lehnen den Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Die Öffentlichkeit diene auch der Kontrolle der Justiz. Persönlichkeitsrechte von Silvio S. würden durch die Anwesenheit der Öffentlichkeit nicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft gibt keine Stellungnahme ab. Die Anwältin von Elias' Familie, Franziska Neumann, verzichtet ebenfalls auf eine Stellungnahme. Das Gericht will sich zurückziehen und  über den Antrag beraten.

+++ 10:40 Uhr +++

Vor dem Absperrgitter ist es leerer geworden. Einige Wartende sind bereits gegangen.

+++ 10:43 Uhr +++

Das Gericht ist zurück und beschließt den Ausschluss der Öffentlichkeit.

+++ 10:47 Uhr +++

Die Zuschauer haben den Saal verlassen und sind wieder vor dem Gebäude.

+++ 10:50 Uhr +++

Zuschauer und Medienvertreter warten im Hof, ob und wann sie wieder in den Saal dürfen.

+++ 10:51 Uhr +++

Die Zuschauer dürfen zurück und müssen erneut durch die Sicherheitsschleuse.

+++ 10:59 Uhr +++

Warum ist Verhandlung unterbrochen?

+++ 11:07 Uhr +++

Die Zuschauer und auch Silvio S. sind wieder im Saal. Richter Horstkötter verkündet, dass die Hauptverhandlung bis 11.30 Uhr zur Beratung unterbrochen wird.

+++ 11:13 Uhr +++

Ausschluss der Öffentlichkeit. Paragraph 171a

+++ 11:18 Uhr +++

Wie wirkte der Angeklagte Silvio S.?

 

+++ 11:30 Uhr +++

Die Zuschauer, die erneut durch die Sicherheitsschranke müssen, kommen nach und nach wieder in den Saal. Um 11.30 Uhr soll der Prozess fortgesetzt werden. Was wird das Gericht entscheiden? Wahrscheinlich ist, dass die Anklage unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen wird.

+++ 11:32 Uhr +++

Mathias Noll (42) und Uwe Springborn (56)  sind die Verteidiger von Silvio S. Noll ist von S.  aus dem Polizeigewahrsam angerufen worden.

+++ 11:33 Uhr +++

Es regnet. Die Medienvertreter drängen sich im Pressebereich im Nebengebäude .

+++ 11:42 Uhr +++

Vor der Absperrung im Innenhof warten nur noch wenige Interessierte darauf, vielleicht später noch einen Platz im Gerichtssaal zu ergattern.

+++ 11:44 Uhr +++

Staatsanwalt in dem Prozess ist Peter Petersen - er war schon an mehreren ausehenerregenden Prozessen beteiligt. 

+++ 11:46 Uhr +++

Der Antrag des Angeklagten, die Öffentlichkeit während des Prozesses auszuschließen, wird abgelehnt. Es würden keine schutzwürdigen Interessen des Angeklagten verletzt, das öffentliche Interesse überwiege, so die Begründung.

+++ 11:50 Uhr +++

Richter Horstkötter führt die Entscheidung weiter aus und sagt, dass nicht von vorneherein zu unterstellen sei, dass Medienvertreter den Pressekodex, der eine gewisse Zurückhaltung bei der Berichterstattung auferlegt, verletzten könnten. Auch der Antrag der Nebenklage, die Öffentlichkeit von der Verlesung der Anklage auszuschließen, wird abgelehnt. Das Informationsinteresse der Allgemeinheit über so ein schweres Verbrechen überwiege. Zudem sei über die Umstände des Todes des kleinen Mohamed schon im Vorfeld der Hauptverhandlung berichtet worden.

+++ 11:51 Uhr +++

Staatsanwalt Peter Petersen verliest nun die Anklage gegen Silvio S.

+++ 11:54 Uhr +++

Silvio S. soll Elias unter einem Vorwand in seinen Dacia gelockt haben, um ihn sexuell zu missbrauchen. Dabei soll er Elias einen Mundknebel verabreicht haben, heißt es in der Anklage. Noch im Stadtgebiet Potsdam soll er Elias im Auto stranguliert haben, nachdem dieser weinte und sich wehrte.

+++ 11:58 Uhr +++

Mohamed soll er vor dem Fernseher missbraucht haben und das Geschehen mit seinem Smartphone aufgenommen haben. Als er versuchte, den Jungen zum Oralverkehr zu zwingen, rief dieser nach seiner Mutter, führt der Staatsanwalt aus. Mohamed starb durch Gewalt gegen den Hals.

+++ 12:00 Uhr +++

Die Kollegen der dpa haben in einer Grafik zusammengefasst, wo Silvio S. die Kinder entführt, getötet und die Leiche von Elias vergraben hat.

+++ 12:01 Uhr +++

Richter Horstkötter klärt Silvio S. über sein Schweigerecht auf. Er will im Moment keine Angaben zur Sache machen, gegebenenfalls später im Laufe der Verhandlung will er sein Schweigen brechen, erklärt sein Verteidiger.

+++ 12:03 Uhr +++

Elias Mutter Anita S. ist als erste Zeugin geladen. Die freiwilligen Suchhelfer auf der Zuschauerbank kämpfen mit den Tränen.

+++ 12:06 Uhr +++

Die Mutter von Elias betritt den Saal auf eine Krücke gestützt und setzt sich neben ihre Anwältin. Sie ist in Schwarz gekleidet. Der Richter belehrt sie über ihre Rechte und Pflichten als Zeugin.

+++ 12:21 Uhr +++

Die Mutter schildert den Alltag von Elias. In die Schule sei er gerne gegangen, abgesehen von kleineren Hänseleien durch Mitschüler, die ihn manchmal "Knirps" genannt hätten. Anderen Menschen gegenüber sei ihr Sohn offen gewesen. "Wenn er etwas hatte, was er toll fand, hat er es gerne anderen gezeigt", schildert Anita S. Fremden gegenüber sei er dennoch vorsichtig gewesen. Er habe zum Beispiel die Order gehabt, niemandem die Tür zu öffnen. Sie habe ihm auch erklärt, dass er niemals mit Unbekannten mitgehen solle und sich im Hof nur dort aufhalten darf, wo sie ihn durchs Fenster sehen kann.

+++ 12:30 Uhr +++

Einige Medienvertreter, die draußen vor der Tür warten müssen, vertreiben sich die Wartezeit derweil mit Mittagessen.

+++ 12:31 Uhr +++

Nun schildert Anita S. den 8. Juli 2015, den Tag, als Elias verschwand. Als sie den Jungen um 18.30 Uhr zum Abendessen gerufen habe, sei er nicht mehr auf dem Spielplatz im Hof gewesen.

+++ 12:41 Uhr +++

Die Mutter von Elias ist sehr gefasst, spricht ganz leise. In ihrer Schilderung entsteht das Bild von Elias als einem offenen, aber dennoch vorsichtigen Kind. Silvio S. schaut die Mutter oft an, zwinkert kaum, wirkt ruhig. Dagegen sieht Elias' Mutter den mutmaßlichen Mörder ihres Kindes nicht an. Sie sitzen  sechs bis sieben Meter voneinander entfernt schräg gegenüber. Mohameds Mutter hingegen schaut oft zu Silvio S. Anfangs wirkt sie sehr aufgebracht, knöpft ihren roten Mantel in einer Art Schutzgeste zu, spricht relativ laut und aufgewühlt mit dem Dolmetscher. Doch nun hört sie ruhig zu, mit schmalem Gesicht, fixiert den hageren Angeklagten. Der ist im Vergleich zum Fahndungsbild verändert, hat etliche Kilo abgenommen, hat sich rasiert, die Haare trägt er kürzer. Ein schmaler Mann, dem das Kapuzenshirt zu groß ist. Er wirkt seltsam ungefährlich. "Das Gesicht des Bösen gibt es nicht", sagt ein Jurist, der den Prozess beobachtet.

+++ 12:45 Uhr +++

Die Mutter von Mohamed wirkte während des Prozesses häufig aufgewühlt.

+++ 12:58 Uhr +++

Die Mutter von Elias sagt, sie sei besorgt gewesen, dass dem Jungen auf dem Schulweg etwas zustößt. Deshalb habe sie ihn jeden Tag mit dem Auto in die Schule gebracht. Gemeinsam hatten sie Sicherheitsregeln einstudiert. Am Abend seines Verschwindens habe sie etwa alle zehn, fünfzehn Minuten aus dem Fenster gesehen. 18.45 Uhr sei sie runter gegangen zum Rauchen und stellte fest: Ihr Sohn ist weg. Im Notruf ist vermerkt: Notrufeingang - 8.7. um 19.11 Uhr. Über acht Minuten telefonierte sie mit der Einsatzzentrale. Sie erzählte, sie habe mehrere Spielplätze n der Nähe abgesucht. Und an Elias' Kleidung erinnert sie sich: Weißes Adidas-T-Shirt, Jeans.

+++ 13:00 Uhr +++

Silvio S. hat die Leiche von Elias in einem angemieteten Kleingarten in Luckenwalde vergraben. An dieser Stelle ist nun ein Gedenkgarten eingerichtet worden. Die MAZ hat sich dort wenige Tage vor Prozessbeginn umgeschaut.

+++ 13:03 Uhr +++

Die Mutter von Elias beschrieb gegenüber der Polizei ihren Sohn so: "Das ideale Opfer zum Ärgern, er ist sehr sensibel." Es sei "nicht an ihm abgeprallt", in der Schule geärgert zu werden. Elias war ziemlich klein für sein Alter und wurde mit fünf Jahren eingeschult. Im Gerichtssaal sagt sie: An dem Tattag hatte Elias angegeben, er habe Zahnschmerzen und wolle zu Hause bleiben. Daraufhin habe die Mutter festgelegt: Dann müsse er im Bett bleiben. Das aber wollte der Junge dann doch nicht und ging in die Schule.

+++ 13:09 Uhr +++

Jetzt geht es um den Lebensgefährten der Mutter. Der soll ein "väterliches" Verhältnis zu Elias gehabt haben, passte auf ihn auf, durfte aber auch erzieherische Ansagen machen. Elias war in den Tagen vor seinem Verschwinden traurig, weil seine Oma gestorben war. Deshalb habe er ein paar Mal geweint, sagt seine Mutter. Der Richter fragt: "Hat sich Elias schnell trösten lassen?" Die Mutter sagt: Ja, aber nur von mir.

+++ 13:14 Uhr +++

Die Vernehmung von Elias' Mutter ist beendet, Silvio S. schaut sie lange an. Bis 14 Uhr ist nun Mittagspause.

+++ 13:26 Uhr +++

Helferin der ersten Stunde, Gabi Franz, kann ihre ersten Eindrücke vom Prozess noch gar nicht in Worte fassen. "Es war sehr viel", sagt sie und das muss sie erstmal verarbeiten.

+++ 13:28 Uhr: +++

Gabi Franz hat vor Prozessbeginn dem MAZ-Videoreporter gesagt, warum sie den Prozess besucht. So wie sie denkt, denken wohl die meisten Besucher am heutigen Tag.

+++ 13:45 Uhr +++

Offizielle Aussagen seitens des Gerichtes gibt es noch nicht. Die Pressevertreter warten darauf, dass sich die Gerichtssprecherin vielleicht noch im Laufe der Pause äußert.

+++ 13:58 Uhr +++

Der Anwalt von Mohameds Mutter, Khubaib-Ali Mohammed, im Interview

+++ 14:05 Uhr +++

Elias' Mutter verlässt nach der Aussage mit Bekannten das Justizzentrum.

+++ 14:09 Uhr +++

Ein Justizbeamter sagt, dass das Gericht mit mehr Andrang gerechnet hätte. Einige wenige Zuschauer warten jetzt noch auf einen Platz.

+++ 14:13 Uhr +++

Gleich geht's weiter: Medienvertreter und Zuschauer reihen sich wieder in die Schlange vor der Sicherheitsschleuse am Verhandlungssaal 8 ein.

+++ 14:15 Uhr +++

In wenigen Minuten soll die Hauptverhandlung nach der Mittagspause fortgesetzt werden. Zeugen aus dem Umfeld von Elias Mutter sollen als Nächste gehört werden. Silvio S. ist schon im Saal und unterhält sich kurz mit seinen beiden Verteidigern.

+++ 14:18 Uhr +++

Eine Bekannte von Mohamed findet im MAZ-Interview deutliche Worte als sie befragt wird, was sie über den Angeklagten denkt: "Es ist auf jeden Fall Wut, weil es das Schlimmste ist, wenn Kinder ermordet werden."

+++ 14:27 Uhr +++

Die Verhandlung wird mit der Belehrung der Zeugen fortgesetzt. Der Lebensgefährte von Elias Mutter sagt nun aus. Er sei seit knapp eineinhalb Jahren mit Anita S. in einer Partnerschaft. Aufgedreht, neugierig, schwer zu bremsen - so habe er Elias kennengelernt. Relativ schnell sei er für den Jungen "der Papa" gewesen. Fremden gegenüber sei er aber schüchtern gewesen, auch ihm habe er sich zunächst vorsichtig genähert, dann habe sich der Kontakt aufgebaut. "Er hat mich akzeptiert", sagt Florian A.

+++ 14:34 Uhr +++

Von drei Fenstern aus sei der Spielplatz im Blickfeld gewesen, auf dem Elias zuletzt spielte, sagt der Lebensgefährte von Elias Mutter. Eigentlich habe Elias bei jeder Kleinigkeit nachgefragt, ob er darf - etwa wenn er sich nur wenige Schritte vom Spielplatz entfernen wollte. Selbst einen Fruchtzwerg habe er sich nicht ohne vorher um Erlaubnis zu fragen aus dem Kühlschrank genommen.  "Er ist auf Zack und zappelig, kann aber auch sehr vorsichtig sein", so seine damalige Einschätzung bei der polizeilichen Vernehmung.

+++ 14:38 Uhr +++

Elias sei in seiner Einschätzung "aufgeregt und hippelig gewesen", ein hyperaktives Kind, so der Ziehvater. Aber trotzdem sei er nie weit weg von den Eltern gewesen, er habe sich nicht ohne Rückfrage entfernt. Auch sei Elias wissbegierig und neugierig gewesen - und nah am Wasser gebaut.

+++ 14:51 Uhr +++

Die Mutter von Mohamed ist nicht mehr im Gerichtssaal. Nur noch ihre Anwälte verfolgen die Schilderungen zu Elias aufmerksam. Der Lebensgefährte der Mutter schildert die erste verzweifelte Suche nach dem Erstklässler am Abend des 8. Juli 2015. Silvio S. schaut den Ziehvater des Jungen die ganze Zeit über ruhig an - wie schon zuvor die Mutter bei ihrer Aussage.

+++ 14.59 Uhr +++

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Diese Termine stehen bereits fest: 20., 21., 27. und 28. Juni. 4., 5., 11., 12., 18., 19. und 26. Juli. Verhandlungsbeginn ist am 14. Juni und 26. Juli jeweils um 10 Uhr an den anderen Tagen um 9.30 Uhr.

+++ 15:00 Uhr +++

Silvio S. hat sich Stift und Papier geben lassen, offenbar um Notizen machen zu können. Doch bislang schreibt er nichts auf, sondern sitzt mit gefalteteten Händen am Tisch. Elias' Ziehvater versucht gerade sich auf Nachfrage des Richters zu erinnern, ob er vor dem Verschwinden des Jungen Fahrzeuge im Umfeld der Wohnung gesehen habe.

+++ 15:06 Uhr +++

Während im Saal noch die Zeugenbefragung läuft, bereiten sich die Medienvertreter vor dem Gebäude auf ein Statement der Gerichtssprecherin vor.

+++ 15:16 Uhr +++

Die Kameras sind vorbereitet, die Mikrofone ausgerichtet, aber die Gerichtssprecherin lässt auf sich warten.

+++ 15:18 Uhr +++

Eine Schulsozialarbeiterin oder -Psychologin von Elias sagt aus. Sie beschreibt den Jungen als lebhaft, offen, sehr sensibel: "Ein feiner Mensch." Als er auf die Schule kam, war sie für ihn zunächst eine Fremde. Sie habe aber sehr schnell sein Vertrauen gewinnen können. Er war zeitweise ein bisschen in seiner Welt und passte altersmäßig nicht so recht in die Klasse, war noch sehr verspielt und hatte ein reges Innenleben. Bei der Vernehmung bei der Polizei beschrieb sie ihn als Wildfang. Es könne sein, dass er ein einen Moment aufspringt und wegrennt und im nächsten Moment wiederkommt - oder nicht.

+++ 15:25 Uhr +++

Die Schulsozialarbeiterin beschreibt Elias als folgsamen Jungen. Sie könne sich vorstellen, dass - wenn  man es geschickt gemacht hätte - er mit einem Fremden mitgegangen wäre. Man müsste ihn "ködern", sagte sie der Polizei.

+++ 15:29 Uhr +++

Elias ist am 8. Juli vergangenen Jahres verschwunden. Danach startet eine wochenlange Suchaktion. Vergebens - der Junge ist tot. Im Oktober wird seine Leiche in Luckenwalde gefunden.

Wir haben die Ereignisse in einer Bildergalerie zu einer Chronologie zusammengefasst:

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Am 8.Juli 2015 war der kleine Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz plötzlich verschwunden. Was folgte, war eine lange und aufwendige Suche der Polizei und freiwilliger Helfer. Doch von dem Jungen fehlte jede Spur. Als im Oktober der Flüchtlingsjunge Mohammed aus Berlin als vermisst gemeldet wurde, geriet Silvio S. als mutmaßlicher Entführer ins Visier der Ermittler. Dann der Schock: Er soll auch Elias entführt haben.

Zur Bildergalerie

+++ 15:34 Uhr +++

Erstmals scheint Silvio S. an diesem ersten Verhandlungstag berührt. Den Schilderungen der Schulsozialarbeiterin, die Elias als lebendigen, hellwachen Jungen beschreibt, folgt er aufmerksam. Mehrmals reibt er sich die Augen, knetet ein Taschentuch in den Händen.

+++ 15:39 Uhr +++

Drei Zeugen wurden bisher gehört, zwei weitere seien noch geladen, so die Gerichtssprecherin gegenüber MAZonline.

+++ 15:42 Uhr +++

Zuvor hat sie den vor dem Gebäude wartenden Medienvertretern nochmals die Gründe für die Ablehnung des Antrages zum Ausschluss der Öffentlichkeit sowie die Gründe für die hohen Sicherheitsauflagen erläutert - ohne konkret eine Bedrohung zu nennen.

+++ 15:43 Uhr +++

Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst hat sich vor Kurzem den Fragen der wartetenden Journalisten gestellt. Auf Youtube können Sie das ganze Statement sehen. Im Laufe des Abends stellen wir noch eine Videozusammenfassung des Tages zur Verfügung.

+++ 15:52 Uhr +++

Kurze Verhandlungspause. Richter Theodor Horstkötter bittet Medienvertreter und Zuschauer, im Saal zu bleiben, falls möglich - das Sicherheitsprozedere ziehe das Ein- und Austreten in die Länge. Entgegen Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst rechnet Staatsanwalt Peter Petersen mit weiteren vier Zeugen an diesem ersten Verhandlungstag.

+++ 15:56 Uhr +++

+++ 15:59 Uhr +++

Eine Therapeutin von Elias hat im Zeugenstand Platz genommen und berichtet aus dem betreuten Alltag nach dem Unterricht. Die 55-Jährige hat täglich mit Elias zu tun gehabt. Alle Erzieher hatten zunächst das Gefühl gehabt, er hätte noch ein Jahr im Kindergarten bleiben sollen - so verspielt sei er gewesen. "Zu uns Erziehern hat er ein sehr aufgeschlossenes Verhältnis gehabt. Wenn er Probleme hatte, hat er jeden angesprochen. Er war von jedem akzeptiert."

+++ 16:06 Uhr +++

Die Erzieherin berichtet, dass Elias "nicht den riesengroßen Freundeskreis" hatte. Aber er habe aber einen speziellen Freund gehabt: "Er war auf dieses Kind fixiert." Elias habe ein wenig länger gebraucht, um sich auf die neue Situation nach dem Kindergarten - auf die Schule, das neue Umfeld, auf die Dinge, an die er nun allein denken musste - einzustellen. An Sachen, die er nicht machen wollte, habe er schnell die Lust verloren. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlte oder wenn es Streitsituationen gab, habe man ihn zwar nicht gesehen, aber gehört: Einmal hätten die Kinder im Sandkasten gezankt und mit Sand geworfen. Elias verschwand im Bad und schrie, schrie, schrie. Mit einem kleinen Schokoladenkäfer sei er zu trösten gewesen: "Schlagartig hörte er auf zu weinen." Vielleicht, sagt die Erzieherin, brauchte er auch die Aufmerksamkeit, die er sich durch solche Situationen eingefordert hat. Manchmal sei er einfach durch Hort gerannt und habe lauthals geschrien oder geweint, wenn ihm irgendwas nicht gefallen hat.

+++ 16:07 Uhr +++

Fremde Leute, die in den Hort kamen, habe Elias nicht angesprochen, sagt die Erzieherin. Wen er aber vom Sehen her kannte, auf den ging er zu.

+++ 16:15 Uhr +++

Am Tag seines Verschwindens wurde Elias von seiner Mutter etwa eine Stunde früher abgeholt als sonst, berichtet die Therapeutin. Silvio S.' Verteidiger Springborn fragt: "Wenn jemand liebevoll auf ihn zugeht, ihn hofiert, wäre es leicht gewesen, mit Elias in Kontakt zu kommen?" - "Nein, eher nicht. Er war ein bisschen ein ängstlicher Typ, zurückhaltend. Eigentlich musste man Elias kennen", sagt die Erzieherin. "Er war nicht sehr zutraulich zu Leuten, die er nicht kannte. Er war schüchtern."

+++ 16:24 Uhr +++

Die Horterzieherin wird aus dem Zeugenstand entlassen. Eine Freundin von Elias' Mutter tritt ein. Als sie Anita S. nach Jahren wieder begegnete, lernte sie auf dem Spielplatz kennen, er ging damals noch nicht zur Schule. Er sei bei diesem Treffen aufgeweckt und aufgeschlossen gewesen und habe gespielt. Dabei habe er sich nie weiter als 20 Meter entfernt. "Ein angenehmes und freundliches Kind, er hat nicht gefremdelt."

+++ 16:31 Uhr +++

Die Freundin beschreibt Elias' Mutter als konsequent, streng und liebevoll. Manchmal habe es eine Ansage mehr gebraucht, bis Elias reagierte - aber er sei ein folgsames Kind gewesen. Ob er mit einem Fremden mitgegangen wäre, möchte Richter Horstkötter von der 27-Jährigen wissen. "Ich glaube, dass er sich eine Rückversicherung von seiner Mutter geholt hätte", sagt die junge Frau. "Ich glaube aber auch, man hätte das umgehen könnte, wenn man gesagt hätte: Ich habe mit deiner Mutti geredet." Elias habe "ein Urvertrauen in seine Umgebung" gehabt, "dass man ihm nichts Böses wolle." Schon bei der polizeilichen Vernehmung äußerte sie, dass er wohl mit einem Fremden mitgegangen wäre.

+++ 16:34 Uhr +++

Anita S., die im Gericht sehr gefasst auftrat, neige nicht dazu, sich Gefühle anmerken zu lassen, sagt die Freundin. "Freude ja, aber keine negativen Gefühle wie Trauer oder Wut."

+++ 16:40 Uhr +++

Silvio S.' Verteidiger befragen die Zeugin zu Elias Reaktion gegenüber Fremden: In Situationen, die ihm nicht geheuer waren, habe Elias immer zu seiner Mutter gewollt, berichtet die Freundin. Er sei zwar zutraulich und aufgeweckt gewesen - aber eben immer auch um die Rückversicherung seiner Mutter bemüht. Die 27-Jährige wird aus dem Zeugenstand entlassen.

+++ 16:42 Uhr +++

Richter Horstkötter belehrt die nächsten beiden Zeuginnen und eine Dolmetscherin.

+++ 16:45 Uhr +++

Eine Nachbarin aus dem Schlaatzer Inselhof wird nun befragt. Die 55-Jährige unternimmt jeden Abend eine Gassirunde mit ihrem Hund. Am Abend von Elias' Verschwinden war sie in Richtung Nuthe unterwegs.

+++ 16:49 Uhr +++

Auf dem Rückweg kam die Nachbarin an Elias' Wohnblock vorbei und auch an Elias selbst: "Er grinste mich schelmisch an - als ob er etwas machte, was er nicht durfte."

+++ 16:55 Uhr +++

"Wir waren auf dem Weg ganz allein", sagte die Zeugin der Polizei - und sie sagt es auch heute. "Jedenfalls habe ich keinen anderen gesehen." Es muss etwa 18.45 Uhr gewesen sein.

+++ 16:57 Uhr +++

Die Zeugin korrigiert sich. Sie sei damals schon gegen 16 Uhr losgegangen und müsste Elias gegen 17 Uhr getroffen haben.

+++ 17:07 Uhr +++

Die Nebenklage-Anwälte der Mohamed-Seite möchten wissen, wie weit der Punkt, an dem die Zeugin Elias getroffen hat, von seinem Wohnort entfernt ist. "Etwa fünf Meter - direkt vor der Haustür." Wie weit der Spielplatz von dort entfernt sei, auf dem sie Elias zuvor schon ein, zwei Mal habe spielen sehen? "Vielleicht noch mal zehn Meter." Elias sei aber nicht in die Richtung des Spielplatzes gelaufen.

+++ 17:07 Uhr +++

Die Zeugin wird entlassen.

+++ 17:08 Uhr +++

Eine neue Zeugin hat Verhandlungssaal 8 betreten, an ihrer Seite eine Dolmetscherin.

+++ 17:12 Uhr +++

Auch die 43-jährige Hausfrau hat Elias am Tag seines Verschwindens gesehen. Das sei im Sandkasten vor dem Wohnhaus gewesen. An die Uhrzeit könne sie sich nicht mehr erinnern. Es sei vielleicht 16 Uhr oder 16.30 Uhr gewesen. Zwei andere Kinder, die vielleicht ein oder anderthalb Jahre älter waren als er, seien dort auch herumgesprungen. Ob sie mit Elias gespielt haben oder nicht, wisse sie nicht.

+++ 17:14 Uhr +++

Ihr Sohn habe mit Elias mit dem Ball spielen wollen, berichtet die Zeugin. Weil es ihr aber nicht so gut gegangen sei, habe sie den Kleinen mit ins Haus genommen und gesagt: "Vielleicht ein anderes Mal."

+++ 17:25 Uhr +++

Unser MAZvideo-Reporter André Bauer war heute ebenfalls vor Ort. Er hat mit Angehörigen und Beobachtern gesprochen und zeichnet im Video ein Stimmungsbild vom ersten Prozesstag:

+++ 17:25 Uhr +++

Sie selbst habe mit Elias an dem Nachmittag nicht gesprochen, berichtet die Nachbarin, aber ihr Sohn. Sie habe Elias öfter beim Spielen gesehen. Er sei dann meist allein gewesen, habe aber einen guten Draht zu ihrem Sohn gehabt. Die 43-Jährige wird aus dem Zeugenstand entlassen.

+++ 17:26 Uhr +++

Für heute sei man mit der Beweisaufnahme durch, sagt Richter Horstkötter.

+++ 17:26 Uhr +++

Der Richter wendet sich an den Angeklagten.

+++ 17:27 Uhr +++

Er bittet ihn, in sich zu gehen und bittet ihn dringlichst, für Aufklärung zu sorgen. Die Mütter hätten Anspruch darauf zu erfahren, was genau passiert ist.

+++ 17:28 Uhr +++

"Es gibt nur einen, der ihnen das sagen kann, und das sind Sie. Ich bitte Sie, das zu bedenken", so Horstkötter.

+++ 17:29 Uhr +++

Der Richter schließt für heute die Verhandlung. Der Prozess wird am Montag, 20. Juni, 9.30 Uhr fortgesetzt.

+++ 17:30 Uhr +++

Eine Tante des Angeklagten, die für den 21. Juni als Zeugin vorgeladen war, hat dem Gericht mitgeteilt, dass sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht.

+++ 17:48 Uhr +++

Der erste Prozesstag ist vorbei. Alle mussten den Saal verlassen. Draußen wieder große Sicherheitsvorkehrungen

+++ 17:50 Uhr +++

Ein Justizwagen bringt den Angeklagten Silvio S. aus dem Gerichtsgebäude.

+++ 17:57 Uhr +++

Hiermit schließen wir den Liveticker. Ausführliche Berichte folgen später im MAZonline-Spezial und am Mittwoch in der MAZ. Kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt.

Von Marion Kaufmann, Ulrich Wangemann, Nadine Fabian, Luise Fröhlich, Hajo von Cölln, christian Meyer, André Bauer und Julian Stähle.

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Vorsitzender Richter Theodor Horstkötter
Vorsitzender Richter   Theodor Horstkötter.

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