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Nebenklage: Die Anwälte von Mohameds Familie

Protagonisten im Elias-Mohamed-Prozess Nebenklage: Die Anwälte von Mohameds Familie

Vor dem Potsdamer Landgericht wird seit dem 14. Juni gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. (33) verhandelt. Er soll den Potsdamer Elias (6) und das bosnische Flüchtlingskind Mohamed (4) getötet haben. Die MAZ stellt die Anwälte von Mohameds Mutter und seiner Geschwister vor, die als Nebenkläger auftreten.

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Links: Anwalt der Mutter: K. Mohammed. Rechts: A. Schulz vertritt Mohameds Geschwister.

Quelle: privat

Potsdam. Ein fast zeitgeschichtliches Gespür für Themen haben die beiden Anwälte, die als Nebenklagevertreter der Mutter und den beiden Geschwistern des ermordeten Mohamed (4) beistehen. Wo immer es in der Welt brennt, Andreas Schulz (64) und Khubaib-Ali Mohammed (34) vertreten die Opfer. Die jüngsten Mandate: Beistand für die Familien von Opfern des Germanwings-Absturzes; rechtliche Vertretung von Opfern des Bundeswehr-Luftangriffs auf zwei von Taliban gekaperte Tanklaster nahe dem afghanischen Kundus mit rund 140 Toten; Auschwitz-Prozess gegen einen ehemaligen SS-Mann in Lüneburg 2015; Loveparade in Duisburg – Vertreter von Opferfamilien.

Warum jetzt der ermordete Flüchtlingsjunge Mohamed (4), Kind aus einer bosnischen Roma-Familie? Schulz sitzt in einem sandfarbenen Anzug auf der Terrasse eines Potsdamer Restaurants und fixiert sein Gegenüber mit zusammengekniffenen Augen. Er fragt: „Haben Sie selbst Kinder?“ Die Mutter des ermordeten Jungen, Aldiana J., wird Beistand im Gerichtssaal brauchen – ihr steht ein Aufeinandertreffen mit dem mutmaßlichen Mörder bevor. „Ich habe Angst, ohnmächtig zu werden, wenn ich ihn sehe“, sagte sie der Bild-Zeitung.

Die Anwälte Schulz und Mohammed arbeiten formell jeder für sich, doch sind sie ein Team – und beide der Herkunft nach West-Berliner mit dem Selbstbewusstsein erfahrener Hauptstadtadvokaten. Schulz hat als Spezialist für US-Entschädigungsfragen Opfer des Bombenanschlags auf die West-Berliner Diskothek „La Belle“ im Jahr 1986, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, vertreten. Die Opferfamilien erhielten von Libyen eine hohe Entschädigung. Im NSU-Prozess in München traten die Juristen als Nebenklagevertreter der Opfer des Nagelbombenattentats in der Kölner Keupstraße auf. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA war Schulz der Anwalt von Opferfamilien im Prozess gegen Terrorhelfer Mounir al-Motassadeq.

Zwei Anwälte hat Mohameds Familie auch deshalb, weil Mutter und Geschwister – der Junge ist ein Jahr alt, das Mädchen neun – nicht zwangsläufig identische Interessen in dem Verfahren haben müssen – etwa wenn es um Fragen der Entschädigung geht. Denn, so juristisch herzlos das klingen mag: Der kleine Mohamed hat durch sein Leiden einen Anspruch auf Schmerzensgeld „erworben“. Und der geht nach dem Tod auf die Angehörigen über.

Von Ulrich Wangemann

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