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Polizei sucht trotz geringer Hoffnung weiter

Pressekonferenz zur Elias-Suche Polizei sucht trotz geringer Hoffnung weiter

"Es gibt kein Ergebnis": Mit diesem Satz eröffnet die Polizei die Pressekonferenz, auf der sie am Dienstagnachmittag über den aktuellen Stand der Ermittlungen im Fall Elias informiert. Seit dem 8. Juli 2015 ist der 6-Jährige aus Potsdam verschwunden. Noch wird intensiv vor Ort gesucht, doch ein Verbrechen wird immer wahrscheinlicher. Viele Fragen bleiben offen.

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Fall Elias: Pressekonferenz der Polizei

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Fast eine Woche nach dem Verschwinden des kleinen Elias gibt es noch immer kein Lebenszeichen von dem 6-jährigen Elias aus Potsdam. Alle Hinweise aus der Bevölkerung haben sich bisher zerschlagen. Jeder Sucheinsatz der freiwilligen Helfer blieb bisher ebenso ohne Ergebnis wie der unermüdliche Einsatz der Polizei. Was nun?

Pressekonferenz ab 15:30 Uhr

Der heutige Polizeiführer des Einsatzes, Kriminaldirektor Sven Mutschischk, und der Stabsleiter der Polizeidirektion West, Leitender Polizeidirektor Michael Scharf, werden sich den Fragen stellen und erklären, wie die Suche nach Elias weitergeht.

Beginn der Pressekonferenz soll um 15:30 Uhr sein. Sie wurde extra in einen größeren Raum verlegt, aber noch ist Platz.

Der erste Satz von Michael Scharf zerschlägt alle Hoffnungen: " Es gibt kein Ergebnis ", sagt er.

Dann beginnt er sein Statement mit einem Dank an die Medien. Sein ausdrücklicher und großer Dank geht aber an die vielen, vielen Helfer und Sponsoren der freiwilligen Suche. Einen großen Dank auch an die Einsatzkräfte, darunter auch vom DRk und Kräfte aus anderen Bundesländern.

Insgesamt, so Scharf, sind rund 800 Einsatzkräfte an der Suche nach Elias beteiligt gewesen.

Jetzt sind die Journalisten dran. Alle Fragen seien zulässig, heißt es. Aber es wird nochmals Wert darauf gelegt: Es ist eine Bilanzpressekonferenz. Mit großen  - weder guten noch schlechten -  Neuigkeiten könne die Polizei leider heute nicht dienen.

Fragerunde eröffnet

  • Wie viele Hinweise gab es bisher?
    Die Polizei freut sich über die rege Anteilnahme an der Suche, aber leider hat sich aus den bisher 314 Hinweisen noch keine heiße Spur ergeben. Aber, so Kriminaldirektor Sven Mutschischk, habe man auch erst 126 Hinweise komplett abarbeiten können. Drei Hinweise gab es konkret zum Inselhof - dort verschwand Elias. Die Zeugen wollen ihn dort noch am Abend gesehen haben.
  • Wie geht die Polizei vor?
    Die Polizei schlägt drei Ermittlungsrichtungen ein:
  1. Es ist ein Unglück geschehen
    Vor Ort wird wirklich alles untersucht, versichert Mutschischk: Häuser, Gullys, Heizungskanäle - wirklich alles. Bei diesen Einsätzen kämen auch sogenannte Mantrailerhunde zum Einsatz. Zudem wertet die Polizei immer noch haufenweise Bildmaterial von Überwachungskameras aus. Zudem wurden am Dienstag wieder die Nuthewiesen durchkämmt und der Aradosee mit Tauchern abgesucht.
  2. Elias ist weggelaufen
    Diese Möglichkeit wird nicht ganz ausgeschlossen, ist aber nach dem bisherigen Ermittlungsstand unwahrscheinlich, heißt es. Die Verwandten von Elias wie seine Großmutter wurden befragt, nirgends ist das Kind aufgetaucht.
  3. Es ist ein Verbrechen geschehen
    Ein Verbrechen ist keinesfalls auszuschließen, aber bisher gibt es keine Hinweise auf eine solche Tat, betont Mutschischk. Dennoch wird alles Mögliche auch in dieser Richtung unternommen. Es besteht zudem ein enger Kontakt nach Sachsen-Anhalt: der Fall "Inga" beschäftigt die Ermittler dort noch immer. Alle Ähnlichkeiten werden abgeglichen. Aber wie gesagt, in dieser Hinsicht gibt es bisher keinen Anhaltspunkt.

An dieser Stelle bittet die Polizei alle Kinder, die engeren Kontakt zu Elias hatten, sich bei der Polizei zu melden.

  • Wie lange kann die Suche noch aufrecht gehalten werden?
    Der Leitende Polizeidirektor der Polizeidirektion West, Michael Scharf, weist darauf hin, dass die Beamten großen Einsatz zeigen. 12 bis 14 Stunden Arbeit am Tag sind momentan der Normalfall. Viele Beamte hätten selbst Familie, man gebe schon daher alles. Auf die konkrete Nachfrage, wie lange denn die Suche noch so intensiv fortgeführt wird, heißt es: diese Woche noch intensiv. Alles wird noch ein zweites oder drittes Mal durchsucht. Zudem habe man begonnen, Müllanlagen zu durchsuchen. "Wir geben nicht auf", heißt es.
  • Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern und der Polizei?
    Am Anfang gab es die sogenannte Chaosphase. In dieser Zeit muss man sich erstmal finden, sich koordinieren. Kurz: die Zusammenarbeit musste sich entwicklen. Aber, so die Polizei, irgendwann muss die Suche auch ein Ende finden, weil es nichts mehr bringt. Dies ist jetzt der Fall. Die Helfer werden die Kontaktstelle vor dem Bürgerhaus am Schlaatz aber noch einige Tage stehen lassen. Eine aktive Suche der Helfer sei aber nicht mehr erfolgsversprechend.
  • Nochmal eine Frage zu den vielen Hinweisen und den Leichenspürhunden.
    Ja, die Leichenspürhunde haben bei der Nuthe angeschlagen, aber dort sei sowohl gestern als auch heute nichts gefunden worden.
  • Es sollen Videoaufnahmen geprüft werden, auf denen ein Kind (Elias?) am Rewe zu sehen ist?!
    Es gibt Videoaufnahmen, aber in einem Fall sei das Kind nicht Elias. Das Kind auf der zweiten Aufnahme sei nur schwer zu erkennen. Die Mutter wurde hinzugezogen und heute befragt, das Ergebnis steht zum Zeitpunkt der Pressekonferenz noch nicht fest.
  • Die große Frage: Unglück oder Verbrechen?
    Nach sechs Tagen ohne jede Spur wird es immer schwerer, an ein Unglück zu glauben. Doch die Polizei werde nicht aufgeben und weitersuchen, was an Suche noch möglich und sinnvoll ist. "Wir hoffen weiter inständig, Elias zu finden." Aber je länger die Suche dauere, so die Erfahrung, umso wahrscheinlicher wird ein Verbrechen. Keiner der anwesenden Polizeivertreter wollte sich aber festlegen, für wie wahrscheinlich sie im Moment noch ein Unglück halten.

  • Waren ausreichend Polizisten vor Ort?
    Unabhängig von der großen Zahl an freiwilligen Helfern, ein noch größeres Polizeiaufgebot bei der Suche sei nicht zweckdienlich gewesen. Man hätte auch Hundertschaften in den Schlaatz schicken können, aber es hätte bei der Koordination der Suche nichts geändert. Schön, dass sich so viele Freiwillige an der Suche beteiligten, aber die Polizei war kräftemäßig gut aufgestellt, heißt es.
  • Wie lief die Koordination der freiwilligen Suchtrupps und den polizeilichen Einsatzkräften ab?
    Die freiwilligen Helfer haben sich unabhängig von der Polizei getroffen und sind auf eigene Faust auf die Suche gegangen. Es habe zwar engen Kontakt gegeben, aber die freiwilligen Suchtrupps seien nicht von der Polizei angeleitet worden.
  • Wie steht die Polizei zu der Suche übers Internet?
    Die Polizei hat die sozialen Plattformen im Internet natürlich auch im Blick. Es spricht auch nichts dagegen, sich beispielsweise über Facebook zu koordinieren, aber der Überblick gehe zu schnell verloren. Doch die Polizei mahnt zur Vorsicht: Im Internet würden auch viele Gerüchte gestreut. Das verunsichere zunehmend die Bevölkerung, und man verliere die Objektivität. Also Vorsicht vor Gerüchten im Internet.
  • Wie geht's jetzt konkret weiter?
    Neben der Suche in der näheren Umgebung läuft auch eine bundesweite Fahndung, alle relevanten Stellen seien informiert, auch das Bundeskriminalamt. In Potsdam wird noch diese Woche intensiv gesucht. Ein Hund habe die Beamten bis nach Babelsberg geführt. Das muss aber nichts bedeuten, nur nachgehen wird man der Spur in jedem Fall. Zudem sind am gestrigen Abend Fotos aufgetaucht, die Elias am Vortag seines Verschwindens zeigen sollen. Die Bilder werden der Mutter zur Begutachtung übergeben. Vielleicht ergibt sich daraus eine Spur, vielleicht löst sich das Ganze aber auch in Luft aus.
  • Belastet der ominöse Flyer das Verhältnis zwischen der Polizei und den freiwilligen Helfern?
    Der Polizei ist der irritierende Flyer auch erst wenige Stunden bekannt. Natürlich sei das Flugblatt nicht mit der Polizei abgestimmt. Doch der Einsatz und die Hilfe der vielen Menschen sei in erster Linie positiv zu bewerten. Das Flugblatt sehe man eher als Ausdruck der hohen Motivation der Helfer. Der Flyer ist eine "Stilblüte", so die Polizei, und sei bitte nicht überzubewerten.

Ein Versprecher? Der Pressesprecher spricht plötzlich von einem Entführungsfall... auch die Polizei ist schon ganz durcheinander. Die nächste Frage schließt sich aber direkt daran an.

  • Gibt es Verdachtsmomente in Richtung Mutter oder Lebensgefährte?
    "Dazu möchten wir uns aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern." Die Polizei schildert nur kurz die letzten Stunden vor dem Verschwinden des kleinen Elias. Demnach sei Elias gegen 16 Uhr aus dem Hort abgeholt worden, das sei gesichert. Danach beruft sich die Polizei auf die Aussage der Mutter: Sie sei mit ihrem Lebensgefährten einkaufen gegangen, in der Zeit blieb Elias allein zu Hause. Nach der Rückkehr vom Einkauf gegen 17 Uhr geht Elias nach draußen zum Spielen. Der "Spielplatz" vorm Haus im Inselhof 8 ist nicht mehr als ein Sandkasten. Dort wurde Elias von drei Zeugen gesehen. Um 18:33 Uhr fällt der Mutter das Verschwinden von Elias auf. Der Lebensgefährte der Mutter bittet Freunde, ihm bei der Suche nach dem Kind zu helfen. Bei der Polizei geht der Notruf der Mutter gegen 19:12 Uhr ein.

Die Pressekonferenz ist zu Ende. Ein heiße Spur, ein Lebenszeichen oder eine traurige Nachricht vermeldete die Polizei heute nicht.

Der Bericht zur Pressekonferenz >

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