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Elias Prozess gegen Silvio S.: Chef und Freund reden
Lokales Potsdam Elias Prozess gegen Silvio S.: Chef und Freund reden
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18:58 15.06.2016
 Silvio S. (mit Pappe vorm Gesicht) am 13. Juni vor Gericht in Potsdam.   Quelle: dpa
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Potsdam

 Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der beiden Kinder Elias (6) und Mohamed (4) vor dem Potsdamer Landgericht soll als nächster Zeuge unter anderem der Chef des Angeklagten Silvio S. in einer Teltower Sicherheitsfirma angehört werden. Außerdem soll der „einzige Freund“ von Silvio S., ein Autotüftler, in den Zeugenstand treten.

Es wird davon ausgegangen, dass die Männer etwas über das Wesen des Angeklagten generell sagen können.

Auch Kleingärtner aus Luckenwalde als Zeugen

Daneben ist der Vorsitzende jener Gartensparte in Luckenwalde (Teltow-Fläming) vorgeladen, in der die Fahnder nach dem Geständnis des Verdächtigen im Polizeigewahrsam die Leiche des Potsdamer Erstklässlers Elias entdeckten - vergraben und mit Klebeband verschnürt. Andere Kleingärtner - vermutlich Parzellennachbarn stehen ebenso auf der Zeugenliste.

Am 8. Juli 2015 war der kleine Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz plötzlich verschwunden. Es folgte eine lange, aber erfolglose Suche der Polizei und freiwilliger Helfer. Als im Oktober der Flüchtlingsjunge Mohammed aus Berlin als vermisst gemeldet wurde, geriet Silvio S. ins Visier der Ermittler. Dann der Schock: Er soll auch Elias entführt haben.

Aussage der Gutachter entscheidend

An diesem zweiten Prozesstag - Montag, den 20. Juni - sollen erstmals auch mehrere Gutachter anwesend sein - sie waren zum Zeitpunkt des Prozessauftakts am Dienstag noch verhindert, könnten aber entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens haben.

Schließlich geht es um die Frage, ob der ehemalige Wachschützer zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war oder ob er möglicherweise psychisch krank ist. Vom psychiatrischen Gutachten hängt weiter ab, ob ein Täter nach einer Verurteilung - Straferwartung bei Mord ist lebenslänglich - wegen „besonderer Schwere der Schuld“ in Sicherungsverwahrung genommen werden kann.

Gefängnis oder Sicherungsverwahrung?

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter hatte am ersten Verhandlungstag bereits festgestellt, dass nach derzeitigem Stand nichts dafür spreche, dass Silvio S. geisteskrank sei und in die Psychiatrie gehöre. Das heißt umgekehrt: Im sehr wahrscheinlichen Falle einer Verurteilung müsste er ins reguläre Gefängnis.

Ein weiterer Gutachter wird entscheidend für die Interpretation der Obduktionsergebnisse der Kinderleichen sein. Das ist im Fall Elias besonders wichtig, denn im Gegensatz zur Tötung des Flüchtlingsjungen Mohamed hat der in U-Haft sitzende mutmaßliche Täter im Polizeiverhör keine Details dazu preisgegeben, wie er den Potsdamer Jungen getötet hat. Nur den Fundort nannte er den Ermittlern.

Wird Silvio S. aussagen?

Richter Horstkötter hatte Silvio S., der in der Verhandlung bislang geschwiegen hat, zum Ende des ersten Prozesstages aufgefordert, in der Sache auszusagen. Dies sei er den Familien der Opfer schuldig. Nur der Täter selbst könne Klarheit schaffen, was tatsächlich in den letzten Stunden des Lebens der Kinder passiert sei.

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