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Reaktionen nach dem Urteil gegen Silvio S.

Unverständnis, Enttäuschung und Wut Reaktionen nach dem Urteil gegen Silvio S.

Viele Menschen erhofften sich für Silvio S. eine lebenslange Haftstrafe inklusive Sicherheitsverwahrung. Doch es kam nun anders – es gibt bestürzte, wütende und traurige Reaktionen dazu. Doch was bedeutet eigentlich Sicherheitsverwahrung und wie erlebten einige der Besucher den Prozess?

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Viel Andrang am Morgen der Urteilsverkündung im Elias-Prozess.
 

Quelle: Julian Stähle

Potsdam.   Das Urteil der lebenslangen Haft für Silvio S. ohne Sicherheitsverwahrung trifft in der Bevölkerung vielerorts auf Unverständnis. Doch was umfasst Sicherheitsverwahrung eigentlich genau? Nachdem ein Täter seine Haftstrafe abgesessen hat, kann in besonders schweren Fällen eine Sicherheitsverwahrung angeordnet werden, erklärt der Rechtswissenschaftler Professor Doktor Wolfgang Mitsch, der seit 1992 Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam ist. Damit kann der Verurteilte weiter in staatlichem Gehorsam gehalten werden. „Die Sicherungsverwahrung kann – wenn erforderlich – bis zum Lebensende andauern“, so der 60-Jährige.

Urteil von vielen nicht nachvollziehbar

Viele Menschen sehen in Silvio S. einen besonders schweren Fall und können daher das Urteil nicht nachvollziehen. Die 27-jährige Cindy Rosenberg aus Potsdam etwa, eine Freundin von Elias’ Mutter, erhoffte sich eine Sicherheitsverwahrung und war nach der Urteilsverkündung wütend über die Entscheidung der Richter. Auch für Gabi Franz aus Potsdam-Babelsberg sowie für die 19-jährige Jura-Studentin Tabea Diehl ist es kein angemessenes Urteil. „Ich studiere Jura und habe mich mit der Materie befasst. Ich komme aus der Region und habe alles von Anfang an mitbekommen“, sagte Diehl. Darüber hinaus fand der 28-jährige Familienvater Philipp Zebisch aus Potsdam, der ebenfalls für Sicherheitsverwahrung plädierte, emotionale Worte: „Kein Urteil der Welt kann wieder gutmachen, was passiert ist.“

Weinen während des Prozesses

Die 32-jährige Potsdamerin Stefanie Weiss, die den Elias-Prozess im Gerichtssaal hautnah miterlebte, schätzte das Urteil als grob fahrlässig ein: „Meiner Meinung nach wäre ein zweites Gutachten wichtig gewesen“, sagte sie. Für sie war der Prozess sehr emotional. Marga Harsdorf aus Potsdam war ebenfalls bei der Urteilsverkündung dabei: „ Mit diesem Urteil habe ich nicht gerechnet. Ich bin enttäuscht“, sagte die 58-Jährige.

Nicht nur enttäuscht, sondern wütend und sauer über das Urteil ist Anja Berger, eine Freundin von Elias’ Mutter: „Es ist kein abschreckendes Urteil für das, was Silvio S. getan hat“, sagte die 29-Jährige. Einige Prozessbesucher kamen bestürzt aus dem Gerichtssaal: „Ich musste weinen“, sagte die 59-jährige Birgit Klär aus Luckenwalde, auch für sie und ihre Begleiterin Brigitte Wienicke ist das Urteil zu mild ausgefallen.

Nach der Urteilsverkündung liefen die Diskussionen in den sozialen Netzwerken heiß, bei Facebook wird in den Nutzer-Kommentaren der MAZ-Online-Seite das Unverständnis gegenüber dem Urteil deutlich.

» Reaktionen aus dem Heimatort von Silvio S.

Tat bleibt nicht ungesühnt

Auch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs hat auf das Urteil reagiert: „Die abscheulichen Verbrechen an Elias und Mohamed haben mich im vergangenen Jahr emotional stark bewegt. Die Tatsache, dass ein Kind aus unserer Mitte einfach verschwinden kann und niemand etwas bemerkt, ist erschütternd“, ließ er verlautbaren. „Gerade in der Zeit nach dem Verschwinden von Elias gab es in Potsdam sehr bewegende Momente. Beispielsweise die herausragende Hilfsbereitschaft der Menschen in Potsdam und darüber hinaus, die tagelang nach dem Jungen gesucht und der Familie geholfen haben. Ich wünsche den Eltern von Elias und Mohamed, dass sie trotz der furchtbaren Ereignisse, die uns im Gerichtssaal und medial vor Augen geführt worden sind, eines Tages ihren Frieden finden. Und der Mutter des Täters danke ich, dass Sie die Courage besessen hat, ihren eigenen Sohn anzuzeigen. Die Tat kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber sie bleibt nicht ungesühnt.“

Von Melanie Höhn

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