Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Fall Elias: Polizei sucht zwei Männer

Suche nach Elias Fall Elias: Polizei sucht zwei Männer

Eine Woche nach Verschwinden des 6-jährigen Elias im Potsdamer Stadtteil Schlaatz hat die Polizei am Dienstag eine ernüchternde Bilanz der Suchaktionen gezogen. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf den Verbleib des Jungen. Doch noch sind nicht alle Spuren zu Ende verfolgt.

Voriger Artikel
Elias: Eine Woche Suche und keine heiße Spur
Nächster Artikel
Elias wird bei "Aktenzeichen XY" gesucht

Taucher suchten am Dienstag wieder ein Uferstück der Nuthe und einen Teil des Aradosees ab. Sie fanden nichts. Die Einsätze gehen weiter.

Quelle: Julian Stähle

Schlaatz.  Der am Mittwochabend vergangener Woche im Schlaatz verschwundene Elias bleibt unauffindbar. Unter den 314 Hinweisen, die bis zum Dienstagabend aufgelaufen sind, ist keiner, der eine Spur zu dem 6-Jährigen öffnen könnte; nach ihm wird inzwischen bundesweit gefahndet. Allerdings sind auch erst 126 Hinweise komplett abgearbeitet.

Kein konkreter Hinweis auf eine Straftat

Weil die Suche im Wohngebiet trotz Wiederholungen so ergebnislos gelaufen ist, wird ein Unglück immer unwahrscheinlicher und ein Verbrechen immer denkbarer, deutete die Polizei am Dienstag bei einer Bilanzpressekonferenz an, erklärte aber zugleich, dass es für eine Straftat keinen einzigen Hinweis gibt. Die Wahrscheinlichkeit des Ausreißens von Elias gehe allerdings „gegen null“, hieß es.

Intensive Suche im Wasser

Nachdem am Montagabend ein Leichenspürhund am Ufer der Nuthe im Schlaatz Witterung aufgenommen hatte, waren Taucher dort in den Fluss gestiegen, fanden aber nichts. Auch am Dienstagvormittag schlug wieder ein Leichenhund an fast derselben Stelle an. Erneut gingen Taucher ins Wasser; sie fanden erneut nichts. Die weitere Absuche des Aradosees ein paar Kilometer flussabwärts, der Alten und Neuen Fahrt und des „Havelstrudels“ vor Hermannswerder brachte gestern nichts. Man werde jetzt nochmals und „in enger Kette“ die Nuthewiesen und mehrere wilde Müllplätze absuchen, um dieses Gelände für „clean“ zu erklären, sagt der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion West, Michael Scharf. Das Wohngebiet selbst sei abgesucht.

Der Abend des Verschwindens

Die Polizei hat den Ablauf des Mittwochs rekonstruiert anhand der mütterlichen Aussagen und einiger weniger Zeugenhinweise. Demzufolge hatte die Mutter den Jungen am 8. Juli um 15.45 Uhr vom Hort der Grundschule am Humboldtring im Zentrum-Ost abgeholt, wo er in eine Flex-Klasse geht. Gegen 16 Uhr waren die beiden zu Hause in der Wohnung im Inselhof. Die Mutter und ihr jetziger Lebensgefährte, mit dem sie etwa ein Jahr zusammen lebt, gingen einkaufen; der Junge blieb in der Wohnung. Gegen 17 Uhr kamen die Eltern zurück und ließen Elias im Hof des u-förmigen Wohnblocks in einem Sandkasten spielen. Drei Zeugen haben ihn dort gesehen. Die vier Kinder, die ihn womöglich auch gesehen haben, haben sich trotz des Polizeiaufrufes noch nicht gemeldet. 18.33 Uhr wollte der Lebensgefährte der Mutter den Jungen zum Essen holen, fand ihn aber nicht mehr im Hof. Er begann eine telefonische und Internet-Suche bei Freunden. 19.12 Uhr meldete die Mutter Elias bei der Polizei als vermisst.

Was geschah am Rewe-Markt?

Ein Anhaltspunkt ist die Aussage einer jungen Zeugin, die in der kleinen Rewe-Kaufhalle des Ortsteilzentrums einkaufen war und beim Verlassen des Supermarktes um 19 Uhr an einer Personengruppe vorbei kam, in der zwei Männer mit Rewe-Einkaufstüten bei einem Jungen standen, der auf einer langen Steinbank saß und genau so aussah, wie Elias später beschrieben wurde. Die Frau vernahm die Frage des Jungen, wo seine Mama sei, und die Antwort eines der Männer: „Wir rufen deine Mama gleich an.“

Nach diesen beiden Männern werde gesucht, bestätigte der Kripo-Chef der Direktion West, Sven Mutschischk. Die beiden Unbekannten seien aber „noch nicht aufgefordert“ worden, sich selbst zu melden. Sie könnten die letzten sein, die Elias am Schlaatz gesehen haben.

Im Rewe-Markt war Elias nicht, wie die Überwachungsvideos des Innenraumes zeigen. Es gibt auch Aufnahmen vom Außenbereich. Darauf sind in schlechter Bildauflösung zwei erwachsene Personen und ein sitzendes, hell gekleidetes Kind zu sehen. Die Bilder wurden der Mutter vorgelegt, doch ist sie sich nicht sicher, ob Elias zu sehen ist. Sie hat ihn wohl auch nicht auf einem Foto identifizieren können, das von schräg hinten einen Jungen in Elias-Kleidung zeigt, der am Vortag des Verschwindens einem Floßbau etwa gleichaltriger Kinder an der Nuthe zuschaut.

Auch durch Spürhunde keine konkrete Spur

Die Auswertung von 210 Stunden Videos aus Bussen, Straßenbahnen, Supermärkten und Tankstellen sowie von 867 Fotos läuft weiter. Auch die Mantrailer-Spürhunde sind noch im Einsatz; jedes der fünf Tiere hatte eine andere Spur. Das liegt laut Mutschischk daran, dass Elias schon vorher im Kiez unterwegs war. Die Polizei wird die Suche am Schlaatz demnächst einstellen und anderen Hinweisen nachgehen. Man habe genug Personal gehabt, um die Menge an Hinweisen aufzunehmen und die Suche durchzuführen, versicherte Scharf. Die Bürger seien eine willkommene „parallele Hilfe“ gewesen.

Von Rainer Schüler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kind in Potsdam vermisst

Eine Woche nach seinem Verschwinden fehlt von dem 6-jährigen Elias aus Potsdam weiter jede Spur. Auch wenn mittlerweile rund 400 Hinweise bei der Polizei eingegangen sind, gibt es keine neuen Erkenntnisse. Die Polizei gibt nicht auf und sucht vor allem am und im Wasser weiter. Doch eine Straftat wird immer wahrscheinlicher.

mehr
Mehr aus Elias
Chronolgie
Chronologie der Ereignisse

Elias verschwand am 8. Juli 2015 spurlos. Die wochenlange Suche nach ihm brachte keinen Erfolg. Im November schließlich die schreckliche Gewissheit, der Junge wurde getötet. In der Chronologie haben wir die Ereignisse seit Elias' Verschwinden Woche für Woche zusammengefasst.

mehr