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Eltern: „Wir fühlen uns nicht ernst genommen“

Verdacht des Missbrauchs an Potsdamer Kitas Eltern: „Wir fühlen uns nicht ernst genommen“

Eva* ist klein. Zu klein, um zu verstehen, was da mit ihr passiert ist. Sexueller Missbrauch. Sie verändert sich. Dann kommt der Tag, an dem sie ihren Eltern davon erzählt. An Potsdamer Kindertagesstätten des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) sind Missbrauchsvorwürfe laut geworden. Doch die betroffenen Eltern fühlen sich nicht ernst genommen.

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Der jüngste Verdacht betrifft die Kita „Am Heiligen See“.

Quelle: : Köster

Potsdam. Am Abend des 12. November 2014 hat sich das Leben von Familie Neumann* komplett verändert. Es war vor dem Schlafengehen als Tochter Eva* plötzlich diese Bemerkung machte. Einen Satz, der die Welt der Familie ins Wanken brachte. „Wir hatten jetzt traurigen Jahrestag“, sagt Vater Bernd* wenn er an den Abend denkt, an dem ihm seine kleine Tochter etwas Schlimmes anvertraute, in der Sprache eines Kindes: Sie sei sexuell missbraucht worden, in ihrer Kita.

Die neuen Vorwürfe richten sich gegen „Unbekannt“

Eva wurde aggressiv, nässte ein. Die Neumanns erstatten Anzeige. Ein Jahr später ist das Verfahren noch immer nicht abgeschlossen. Aus der MAZ erfuhr die Familie vergangene Woche, dass es einen neuen Missbrauchsverdacht an einer Potsdamer Kita gibt. Einer Einrichtung am Heiligen See desselben Trägers, des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF). Zufall? Einen Zusammenhang mit zwei früheren Verdachtsfällen an den Kitas „Clara Zetkin“ und „Am Kanal“ gebe es nicht, hatte die EJF-Referentin für Kindertagesstätten gegenüber der MAZ erklärt. Die neuen Vorwürfe richten sich wie berichtet „gegen Unbekannt“. Ein Hausmeister, der in den früheren Fällen im Verdacht steht, ist suspendiert. Auch die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen Zusammenhang mit dem neuen Fall. Trotzdem sind die Neumanns irritiert: „Wie kann das EJF vorgreifen und solche Aussagen treffen?“ Schließlich liefen die Ermittlungen noch.

Bereits 2014 wurde ein Verdacht an den Träger herangetragen

Schon einmal erfuhr die Familie erst spät, dass sich auch ein anderes Kind aus einer EJF-Kita seinen Eltern anvertraute. Familie Neumann suchte nach Evas Offenbarung im November 2014 das Gespräch mit der Kita-Leitung. Anfang Dezember dann lud diese zu einer Elternversammlung und informierte über die Vorwürfe. Auf die Frage, ob es noch andere Verdachtsfälle gebe, sei dies verneint worden, so die Neumanns. Später sei im Kita-Ausschuss noch einmal erklärt worden: kein weiterer Verdacht. Ende Januar, als Informationen an die Presse gelangten, dann ein Rundschreiben des EJF an die Eltern der Kita, das der MAZ vorliegt. Inhalt: Bereits im Frühjahr 2014 sei ein Verdacht an einer andere EJF-Kita an den Träger herangetragen worden. „Zum damaligen Zeitpunkt wurde der Verdacht unter Hinzuziehung einer externen Fachkraft als sehr vage eingestuft. Dieses Prüfergebnis in Verbindung mit der Bitte der Eltern um Verschwiegenheit hat uns zum damaligen Zeitpunkt entscheiden lassen, diesen Verdacht nicht an Behörden weiter zu leiten“, heißt es darin. Da jedoch nicht ausgeschlossen werden könne, dass Verbindungen zwischen beiden Sachverhalten existieren könnten, sei der alte Verdacht nun doch an die Behörden weitergeleitet worden. Transparente Informationspolitik sehe anders aus, kritisieren die Neumanns. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen.“ Ihnen sei vom EJF angeboten worden, dessen Beratungsstelle für Missbrauchsopfer hinzu zu ziehen. Sie lehnten ab. „Das muss eine unabhängige Stelle übernehmen“, sagt die Mutter.

Kita-Träger hat Verdacht ans Ministerium gemeldet

„Es wird nichts vertuscht, wir informieren die Elternschaft der betroffenen Kitas so transparent und umfassend, wie es uns möglich ist“, heißt es in einer Stellungnahme des EJF vom Mittwoch. „Wir nehmen die erhobenen Vorwürfe sehr ernst und leisten jegliche Unterstützung, um eine lückenlose Aufklärung zu ermöglichen.“ Tatsächlich wurde der neue Verdacht durch das EJF an Jugendamt und -ministerium gemeldet, wie beide gegenüber der MAZ bestätigt hatten.

Für die Neumanns ist der Weg zur Normalität steinig. „Wir glauben unserer Tochter hundertprozentig“, sagen sie. Aber die Eltern wissen, wie schwierig solche Verfahren bei Kleinkindern sind. Seit Januar besucht Eva eine andere Kita. Es sei ihnen schwer gefallen, ihre Tochter wieder in fremde Hände zu geben. Das Vertrauen zu den jetzigen Erziehern sei aber da.

* Namen von der Redaktion geändert

Drei Verdachtsfälle

Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) mit Sitz in Berlin ist in Potsdam Träger von sechs Kitas.

An drei Kitas des EJF wurden Missbrauchsvorwürfe laut.

Das jüngste Verfahren an der Kita „Am Heiligen See“ führt die Staatsanwaltschaft Potsdam „wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs gegen Unbekannt“.

An den Kitas „Clara Zetkin“ und „Am Kanal“ wurden bereits im Vorjahr Missbrauchsvorwürfe erhoben.

Von Marion Kaufmann

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