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Eltern planen offenen Brief an Bildungsminister

Kita-Betreuung in Potsdam Eltern planen offenen Brief an Bildungsminister

Das Ehepaar Frankenhäuser ist froh: Für beide Kinder haben sie einen Betreuungsplatz im Babelsberger Oberlinhaus gefunden. Dennoch ist die Familie mit der Situation im angeblich kinderfreundlichen Potsdam nicht zufrieden. Darauf wollen sie nun in einem offenen Brief an Bildungsminister Baaske und Oberbürgermeister Jakobs aufmerksam machen.

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Claudia und Jörg Frankenhäuser haben zwei Kinder.

Quelle: Foto: Kermann

Babelsberg. „Wir hatten viel Glück“, sagt Jörg Frankenhäuser. Glück, weil sie nur vier Kitas angeschrieben und lediglich zwei besichtigt haben – und dann durch Zufall ein Platz für Tochter Freya frei wurde. Freya, die im August drei wird, und ihr kleiner Bruder Frieso (1) besuchen beide die Kita im Babelsberger Oberlinhaus. Die Potsdamer Claudia und Jörg Frankenhäuser sind Inhaber des Beelitzer Sterne-Restaurants Kochzimmer. Ohne Kinderbetreuung wäre die Arbeit nicht zu bewältigen. „In manchen Familien von Freunden spielen sich Dramen ab“, erzählt Jörg Frankenhäuser. Einen Kitaplatz zu finden, wäre für viele ein Glücksfall, einen in Wohnortnähe zu ergattern, ein Sechser im Lotto.

Trotzdem ist das Glück der Frankenhäusers getrübt: Sie haben zwar im Gegensatz zu anderen zügig Kitaplätze bekommen, aber die Qualität der Betreuung, finden sie, entspricht nicht dem Anspruch einer kinderfreundlichen Stadt. „Der Betreuungsschlüssel wird kaum bis gar nicht eingehalten“, sagt Vater Jörg (40). Im Krippenbereich kümmerten sich zwei Erzieherinnen um 17 bis 19 Kleinkinder. Nach Vorgaben des Landes soll derzeit in Brandenburg bei den Unter-Dreijährigen eine Erzieherin auf 5,5 Kinder kommen, ab August 2016 dann auf fünf.

Kritik an der Stadtpolitik

„Die Erzieher sind sehr engagiert“, betonen die Eltern, „aber es fehlt das Personal.“ Dass in Potsdam, wo speziell Krippenplätze Mangelware sind, nicht mehr Personal zur Verfügung steht, ist aus Sicht von Frankenhäuser ein stadtgemachtes Problem: Die Kitas wurden an freie Träger abgegeben. Und die hätten Mühe, qualifiziertes Personal zu finden, weil die kommunalen Kitas im Umland oder in Berlin oft besser bezahlten. „Die Stadt scheint es dann nicht mehr zu interessieren, wie die Träger klarkommen“, sagt der Vater. Für ihn sind die Prioritäten der Stadtpolitik falsch gesetzt: „Wollen wir eine Zuckerbäckerstadt für Touristen oder in einer wachsenden Stadt etwas Nachhaltiges für unsere Kinder tun?“ Eine Frage, die Wiebke Kahl so ähnlich schon in der Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung gestellt hat. „Aber Eltern in Potsdam haben nichts zu sagen“, sagt die Mutter zweier Kinder und Mitglied im Kitaausschuss des Oberlinhauses, dessen Arbeit sie ausdrücklich lobt. „Immer sind nur die Träger schuld“, beschreibt sie das Verhalten der Stadt.

„Krankheit, Fortbildung und Elternzeit sind schwer auszugleichen“, erklärt Judith Langner, beim Oberlinhaus für Kitas zuständig. Der Schlüssel werde aber eingehalten. Ein Versäumnis der Stadt sieht sie nicht. „Die Stadt refinanziert auch nur, was vom Land vorgegeben wird.“

Eltern planen offenen Brief an Baaske und Jakobs

Der Betreuungsschlüssel entspreche nicht nur in der Kita ihrer Kinder nicht dem Anspruch auf dem Papier, findet hingegen Wiebke Kahl. „Das ist ein stadtweites Problem.“ Sie will mit anderen Eltern einen Offenen Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs und Bildungsminister Günter Baaske (beide SPD) schicken. Stadt und Land müssten deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. Die vom Land beschlossene Verbesserung des Betreuungsschlüssel reiche nicht. Angesichts der fehlenden Kita-Plätze werde sich die Situation in Potsdam weiter verschärfen, fürchtet Wiebke Kahl.

Auch die Bertelsmann-Stiftung attestiert der Landeshauptstadt „Personalmangel bei der Kinderbetreuung“. In der „Zoom“-Studie 2014 heißt es: Für mehr als drei Viertel aller unter Dreijährigen in Potsdam wird der gesetzlich vorgeschrieben Personalschlüssel nicht realisiert. Das Missverhältnis speziell in Potsdam ergebe sich auch daraus, dass die Mehrzahl der Kinder deutlich mehr Stunden in der Kita bleibe als vom Gesetzgeber einkalkuliert. Für Familien wie die Frankenhäusers, in denen beide Eltern arbeiten, aber eine Notwendigkeit.

Von Marion Kaufmann

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