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Potsdam Pro Potsdam-Chef hört auf - Das wussten Sie nicht über Horst Müller-Zinsius
Lokales Potsdam Pro Potsdam-Chef hört auf - Das wussten Sie nicht über Horst Müller-Zinsius
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06:28 01.11.2018
Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius – hier vor dem von ihm mitgeplanten Firmensitz in der Pappelallee im Bornstedter Feld – tritt Ende 2018 ab. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Fünf Dinge, die Sie noch nicht über Potsdams bekanntesten, aber öffentlichkeitsscheuen Geschäftsführer Horst Müller-Zinsius wussten: Alle Jahre wieder kommt „MüZi“ mit seinen Kollegen zum Frühstück ins Frauenzentrum. Philosophiert der Pro-Potsdam-Geschäftsführer und Stadtwerke-Interimschef, der hinter vorgehaltener Hand gerne als „harter Knochen“ oder „graue Eminenz“ tituliert wird, dort etwa über die Lehren von Alice Schwarzer oder Simone de Beauvoir? „Nein“, sagt Heiderose Gerber lachend, „aber er ist sehr aufgeschlossen den Problemen von Frauen gegenüber.“ Der Förderverein des Frauenzentrums und die Pro Potsdam haben eine Kooperation, etwa in Form einer Unterstützung des Mädchentreffs.

Apropos Treff: Müller-Zinsius nahm auch mal am Männerkochkurs im Frauenzentrum teil, wo er als „Kochlehrling“ internationale Gerichte zauberte. Was uns zu Punkt drei der privaten „Best of“-Fakten des 67-Jährigen bringt: Fernweh, nicht nur kulinarisch. Als Schulabbrecher wollte er zur See fahren – raus aus dem Örtchen Budenheim bei Mainz, „zwischen Wald und Rhein“. Sehr zum Entsetzen des schwerversehrten Vaters, Pförtner in einer Papierfabrik, der dem Sohn die Flucht aus dem Gymnasium lange nicht verzieh.

Horst Müller-Zinsius ließ mal eben das Mercure-Hotel von der Bildfläche verschwinden – allerdings nur vom Holzmodell. Quelle: Stähle Julian

Irgendwann gewann der Pragmatismus beim Abenteuerlustigen die Oberhand: Er machte eine Lehre als Bauzeichner, studierte Architektur in Mainz – die richtige Wahl: „Man hat die Möglichkeit, seine Arbeit am langen Ende wirklich zu sehen.“ Jetzt, am langen Ende seiner Laufbahn, plant er zwar längst nicht mehr selber, so wie anfangs in einem kleinen Mainzer Architekturbüro die Einfamilienhäuser oder den Bettenbau einer Landesnervenklinik. Aber wenn man durch Potsdam läuft, sieht man an allen Ecken, wie die Wohnungsgesellschaft Gewoba und ab 2006 der Unternehmensverbund Pro Potsdam die Stadt geprägt haben: Ob das die „Platten“ im Süden sind oder die Altbausiedlungen wie etwa Am Findling. Von der Speicherstadt über das Innenstadt-Sanierungsgebiet bis zum Bornstedter Feld und dem Luftschiffhafen mit der MBS-Arena. Nicht zu vergessen die Grundsteinlegungen für weit über tausend Neubauwohnungen.

Ziemlich beste Freunde: Grundsteinlegung im Bornstedter Feld mit OB Jann Jakobs (l.) und Pro Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius. Quelle: Bernd Gartenschläger

Aber jetzt ist Schluss. C’est fini, würden die Franzosen sagen. Müller-Zinsius ist – Punkt vier – ein Liebhaber der Grande Nation, war als junger Mann sogar Mitmieter einer Mini-Wohnung in Paris. Dennoch wird er sich nicht „auf französisch“ aus dem Job-Leben verabschieden, sprich: nicht sang- und klanglos. Dafür sorgen seine Ko-Geschäftsführer Bert Nicke und Jörn-Michael Westphal, die kürzlich mit einer überaus herzlich gehaltenen Einladung zur Abschiedsfeier nächste Woche baten.

Sicher mit dabei: Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Er weiß zwar, dass Müller-Zinsius kein Streichelweich-Typ ist: „Man lebt nicht nur in Harmonie mit MZ, sondern man kann sich auch prima mit ihm streiten.“ Dennoch oder gerade deswegen hält er große Stücke auf ihn und hat ihn oft als „Feuerwehrmann“ eingesetzt – etwa 2003 als Chef des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld oder 2016, als beim zweiten Stadtwerke-Skandal das Unternehmen führungslos wurde. Da musste der Pro-Potsdam-Chef ran – und saß ausgerechnet auf dem alten Chefsessel seines Ex-Widersachers Peter Paffhausen

„Ich habe ein großes Vertrauensverhältnis zu ihm“, sagt Jakobs über seinen Weggefährten an einem Nieseltag vor zwei Wochen am Rande eines Richtfestes. Es ist ihr letzter Baustellen-Auftritt. Im Herbst 1998 waren sie sich zum ersten Mal begegnet. Bei einem Vorstellungsgespräch für den Chefposten der Gewoba. Jakobs, damals Sozialbeigeordneter, war Gewoba-Aufsichtsratschef. Braungebrannt nach einem Urlaub habe ihm Müller-Zinsius gegenüber gesessen: „Er wirkte selbstbewusst, nach dem Motto: ,Ich weiß, was ich wert bin.‘, und gleichzeitig kompetent.“ Auch dank der Erfahrung: Vom Architekturbüro über das Staatsbauamt Wiesbaden, wo er auch mit Baumaßnahmen im Bundeskriminalamt befasst war, über das Hochbauamt in Wiesbaden bis zum privaten Immobiliensektor.

Ende einer Ära, Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius tritt Ende 2018 ab. Quelle: Bernd Gartenschläger

Vor Potsdam war er Chef der Lichtenberger Wohnungsgesellschaft mit 58 000 Wohnungen. Dann die Gewoba: „Der Laden musste auf Vordermann gebracht werden“, so Jakobs. 20 000 Wohnungen aus Ex-Volkseigentum, Leerstand, vorsintflutliche EDV. Doch es ging noch schlimmer. „Anfang der 2000er-Jahre kamen Teile der SPD auf die Idee, die Gewoba zu verkaufen – wir hatten eine überschuldete Stadt“, erinnert sich Jakobs an das Ansinnen, das in Dresden mit der Wohnungsgesellschaft tatsächlich realisiert wurde. Wie man heute weiß, nicht zum Besten der Immobilien und der Mieter.

Doch seinerzeit sahen viele es als Möglichkeit, schnell Geld in die Kasse zu bekommen. Ein kurzsichtiger Trugschluss, wie Müller-Zinsius damals zu bedenken gab, wobei er deutlichere Worte wählte, erzählt Jakobs: „Er kam zu mir und sagte: Wollt ihr mich verarschen? Ich komme hierher und soll den Laden sanieren, und ihr wollt verkaufen?“ Mit der Privatisierung würde man jede städtische Einflussnahme verlieren. Gemeinsam wurde ein Schlachtplan entwickelt. Die Lösung: Die Gewoba kaufte über die Polo GmbH städtische Flächen an, was der Kommune 120 Millionen D-Mark brachte. Die Gewoba sollte die Flächen nebst bis zu 6000 eigener Wohnungen sukzessive weiterverkaufen. Ein Traum-Deal? Vom Immobilienboom sei noch lange nichts zu spüren gewesen, relativiert Müller-Zinsius im Gespräch.

Das Bornstedter Feld ist ein Paradies für Freunde von Richtfesten und Grundsteinlegungen. Quelle: Friedrich Bungert

Diesmal ist es ein toller Herbsttag mit Panoramablick übers Bornstedter Feld aus dem Büro im vierten Stock der Pro Potsdam. Umzugskartons stehen da. Familienfotos sind hineingewandert, alte Luftbilder vom Bornstedter Feld – Dokumente einer versunkenen Epoche, aber nicht mal 20 Jahre her. Viel Brache ist darauf zu sehen, Kasernen. Jetzt leben hier 14 000 Menschen. Sogar der britische Innenminister Sajid Javid – aktuell als Nachfolger von Theresa May gehandelt – war zur „Nachhilfe“ im Bornstedter Feld. Durch den Grundstücksverkauf konnte der Entwicklungsträger Straßen, Tram, Kitas, Schulen finanzieren. Unterm Strich wird das Quartier die Stadt wohl gar nichts kosten, so Müller-Zinsius‘ Bilanz. Aber er verhehlt nicht, dass ihm längst nicht alles passt. Manches Produkt privater Bauherren kommentiert er mit „Baumarktarchitektur“ oder „Wie in einem New Yorker Hinterhof“. Was ihn wurmt: Der Vorwurf, dass bestimmte Infrastruktur fehlt. „Wir als Entwicklungsträger können nur den Trog mit Wasser hinstellen – saufen müssen die Pferde selbst“, sagt Müller-Zinsius, Freund der bildhaften Sprache. Man könne weder Apotheker noch Kinderarzt zwingen, sich niederzulassen. Keine Frage: „MZ“ nimmt kein Blatt vor den Mund.

Die Heidesiedling am Findling wurde saniert. Quelle: Christel Köster

Aber auch Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg betont seine Handschlag-Qualität, obwohl man inhaltlich nicht immer an einem Strang zog. Beispiel: das Gerangel um den Minsk-Verkauf am Brauhausberg. Dabei hat Müller-Zinsius nicht generell was gegen DDR-Bauten. Im Büro hängt ein Poster des Staudenhofs. Vor Jahren – das ist Punkt fünf auf der Fakten-Liste – war er als neuer Gewoba-Chef selbst Mieter, als er noch in Berlin wohnte und sich wochentags die späte Fahrt sparen wollte. Kleiner Seitenhieb auf manche Minsk-Retter: „Es ist pharisäerhaft, das Minsk erhalten, und den Staudenhof abreißen zu wollen.“

Die Pro-Potsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal (2. von rechts) und Bert Nicke (2. von links). Quelle: Bernd Gartenschläger

Nach dem letzten Arbeitstag Ende Dezember wird er erst mal in den Untergrund gehen: „Zu Hause den Keller aufräumen.“ Die Stadtwerke weiß er mit Sophia Eltrop gut aufgestellt; die „Pro“ mit Nicke und Westphal in besten Händen. Deshalb, so beteuert er, will er sich Ratschläge sparen. „Aber ich fänd’s gut, wenn sie mich einmal im Quartal zum Essen einladen“, sagt der scheidende Chef grinsend: „Und ich verspreche, dass ich dann nicht dauernd erzähle, wie toll es früher war.“

Von Ildiko Röd

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