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Engel, Kriege, nacktes Fleisch

Stephan-Velten-Ausstellung in Potsdam Engel, Kriege, nacktes Fleisch

Den Bildrahmen sprengende Heldenköpfe sind das Zentralmotiv der Ausstellung „Kontraste“ zum 60. Geburtstag des Potsdamer Künstlers Stephan Velten. Am Donnerstag wird die Schau in der Kunstraum-Galerie des Waschhauses in Potsdam eröffnet wird. MAZ-Redakteur Volker Oelschläger hat schon vorher reingeschaut.

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Stephan Velten vor seinen Werken.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die beiden nebeneinander gehängten, 1,80 mal 1,80 Meter großen „Sonnenflecken Held 1 und 2“ aus dem Jahr 2009 beherrschen den größten Ausstellungsraum in rätselhafter Plastizität, metallisch grau vor schwarz-unendlichem Hintergrund, mit einer Kraft, die einer anderen Zeit entstammen muss. Vor ihnen am Boden lagert mit vier mal vier Bildquadraten die Anfang der 1990er Jahre entstandene Serie „Unbekanntes Gedächtnis“ mit schwarzen Köpfen, Schädeln, Klumpen auf giftigem Gelb.

Ein weiteres Kopfbild hängt nebenan im Treppenraum: Das 2011 gemalte „Paria 2 (selbst)“ zeigt den Künstler mit einer Art Strickpullover und lächerlich übermaltem Gesicht über dem Schriftzug „Sans souci“ als Außenseiter. Diese Position passt gut, wenn man das Staunen nicht verlernen möchte. Stephan Velten, der im Kunstraum Arbeiten aus der Nachwendezeit bis zur Gegenwart zeigt, nimmt man ohne weiteres ab, dass ihm das gelungen ist.

Programmatisch ist sein 2011 entstandenes Ölbild „Strömung“ mit einem zielstrebig dahingleitenden rostroten Boot, dessen Spiegelung an die vorspringende Bugwulst großer Handelsschiffe erinnert. Volk steht an der Bordwand, Wort an ihrer Spiegelung, und beide Worte sind seitenverkehrt, was auf ein umfassenderes Truggebilde schließen lässt. Weiter geht die Reise im „Sonnenaufgang“ (2009): Ein rundlicher Bootsrumpf schiebt sich düster durch einen Birkenhain, die Sonne kämpft mit der Ohnmacht einer Wunderkerze gegen die Finsternis.

Die Arbeiten Stephan Veltens entstehen oft als umfangreichere Serien mit eigenem Charakter und spezieller Atmosphäre, die sich auch behaupten, wenn, wie im Kunstraum, aus Platzgründen nur Teile davon gezeigt werden können. Eröffnet wird die Ausstellung im Hofraum mit „Euro-Visionen“, in der ersten Hälfte der 1990er Jahre entstandenen Bildern mit teils abstrakten Konturen auf gelbem Grund über die neue kriegerische Zerrissenheit des alten Kontinents. Auf dem Boden steht ein Podest mit 26 Helmen aus Keramik – vom antiken Kampfmodell bis zum Kopfschutz der US-Army. „Glockenläuten“ ist der Titel dieser Installation von 2002. Eine Traumwelt in rosigem Teint mit tückischen Begebenheiten öffnet sich im benachbarten Durchgang mit den 2013 und 2014 entstandenen Arbeiten der Serie „Weißes Band“, die mit einer Schnabelfigur und einem Harlekin als Stammpersonal Kindheitsszenen brutalisieren. Für „Eifer“ steht die abgehackte Hand.

Die metallisch grauen Heldenköpfe werden an den Nachbarwänden flankiert von Bildern mit eigenem Witz. Da steht ein trauriges Pferd (2011) mit verbundenen Augen unter einer Decke, da reckt 1,80 mal 1,80 Meter groß ein „Gretchen“ (2011) im Bücken seinen nackten Hintern. Der Künstler spricht bei dieser Abteilung von einem „halben Männerraum mit Möglichkeiten zur Projektion“.

An der Treppe macht er wieder Ernst: „Weißabgleich“ (2010) nennt sich das überblendete Bild mit den Schemen von zwei Gestrandeten, das zu einer Serie „Hungry“ gehört. Im Obergeschoss finden sich rätselhafte Artefakte aus Steinzeug auf Lavakies (2001), die man sich so auch im Völkerkundemuseum vorstellen kann. Ein Separee haben 20 Arbeiten aus der Serie „Blattgold auf Treibsand“ (1997). Unter diversen Schichten Transparentpapier findet sich eine Vielzahl von Bildern mit kollektivem Erinnerungswert. Immer wiedersieht man  Engel, Kriege, nacktes Fleisch.

Von Volker Oelschläger

Info: Eröffnung am Donnerstag, 19 Uhr; Ausstellung bis 13. Juli, Mi–Sa 13–18 Uhr.

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