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Enormes Interesse an neuem Potsdam-Buch

Im Riss zweier Epochen Enormes Interesse an neuem Potsdam-Buch

Die von den Historikern Jutta Braun und Peter Ulrich Weiß vorgelegte Wende-Analyse „Im Riss zweier Epochen“ über Potsdam in den 1980er und frühen 1990er Jahren stößt in der Landeshauptstadt auf enormes Interesse. Zur Buchpräsentation im großen Saal des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte reichten die Sitzplätze nicht aus.

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Demonstration am 4. November 1989 auf der Schopenhauerstraße/Ecke Platz der Nationen (heute Luisenplatz) in Potsdam.

Quelle: Archiv

Potsdam. Der Andrang zur Präsentation des Buches „Im Riss zweier Epochen“ war überwältigend. Der Saal des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte war am Donnerstagabend bis zum letzten Platz gefüllt, die zuletzt Gekommenen verfolgten die fast zweistündige Veranstaltung im Stehen. Carsten Werner von der Friedrich-Ebert-Stiftung entschuldigte sich zur Begrüßung für den Stau am Einlass.

Dabei konnte das breite Interesse an der Veranstaltung nicht überraschen. Immerhin versprachen die Historiker Jutta Braun und Peter Ulrich Weiß mit ihrer im Bebra-Verlag publizierten Arbeit über „Potsdam in den 1980er und frühen 1990er Jahren“ nicht weniger als das „Panorama einer vielgestaltigen Stadtgesellschaft im Wandel“.

Viele, doch längst nicht alle der Anwesenden konnten die im Buch aufgerufene Wendezeit mit unmittelbarem eigenem Erleben verbinden. Auf die Frage von Urania-Geschäftsführerin Karin Flegel als Moderatorin nach Gästen mit „West-Sozialisierung“ meldete sich ein gutes Drittel im Saal. Gelesen hatten das Buch die allerwenigsten. Geliefert wurde vom Verlag erst direkt zur Präsentation. Vorab kursierten vereinzelt Druckfahnen.

Jes Möller, Präsident des Landesverfassungsgerichtes, der als Mitbegründer der SDP/SPD in Potsdam zur Einführung sprechen wollte, musste wegen Krankheit kurzfristig absagen. Dafür wurden Wieland Eschenburg, 1988 Initiator der Interessengemeinschaft Pfingstberg, und Reinhard Stark, zeitweise SPD-Kreisvorsitzender und nach der ersten freien Kommunalwahl 1990 Hauptverwaltungschef im Potsdamer Rathaus, als Zeitzeugen im Podium begrüßt.

Inhaltliche Debatten zum Buch konnte es naturgemäß noch kaum geben. Nach einer von der MAZ publizierten Kritik begründete Historiker Weiß allerdings, warum Potsdamer Betriebe in der facettenreichen Arbeit mit Abhandlungen von diversen Institutionen bis hin zum Leistungssport, zu Eigentumsfragen und zum Unesco-Welterbe kein eigenes Kapitel bekamen.

Anders als beim Volksaufstand 1953 seien die stärksten Impulse 1989 nicht von den Arbeitern in den Betrieben ausgegangen, sagte Weiß: „Daher haben wir in dem Buch zwar wirtschaftliche Probleme Potsdamer Betriebe angesprochen, nicht jedoch dem Karl-Marx-Werk oder dem BMK Ost ein eigenes Kapitel gewidmet.“

Eine in einem ersten Faktencheck durch die MAZ bereits bekannt gewordene Anzahl von Ungenauigkeiten und Fehlern werde in der zweiten Auflage korrigiert, versprach der Historiker am Freitag.

Hans-Hermann Hertle vom Zentrum für Zeithistorische Forschungen kündigte am Rande der Veranstaltung am Donnerstag ein separates Forschungsprojekt zu Potsdamer Betrieben in der Wende- und Nachwendezeit an, ohne schon genauer zu werden. Er war am Freitag nicht für Nachfragen zu erreichen.

Die nächste Diskussion über das Buch soll es am 16. Mai im „Freiland“ geben – in einer gemeinsamen Präsentation mit dem Sammelband „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland“ von Christin Jänicke und Benjamin Paul-Siewert. Eine weitere Runde zum „Riss zweier Epochen“ folgt möglicherweise im Herbst in der „Arche“. Die Rolle des ökumenischen Gesprächskreises in der Wendezeit wird von Braun und Weiß in ihrem Buch ebenso berücksichtigt wie das Wirken der Potsdamer Antifa-Gruppe. Auch die Ebert-Stiftung zieht eine zweite Veranstaltung zu „Im Riss zweier Epochen“ nach Angaben von Carsten Werner in Erwägung.

Info Bebra-Verlag, ca. 540 Seiten, 80 Abb., 28 Euro, ISBN 970-3-95410-080-4, erhältlich unter anderen im „Internationalen Buch“, Brandenburger Straße 41/42.

Von Volker Oelschläger

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