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Er flickte George Clooneys Treter

Potsdam Südliche Innenstadt Er flickte George Clooneys Treter

Er ist der Mann, der die Filmschuhe von George Clooney für „Monuments“ flickte: Frank Schönbeck, gelernter Schuhmachermeister, ist seit Beginn an mit seinem Schuhreparatur- und Schlüsseldienstgeschäft in den Bahnhofspassagen vertreten. Seine Kunden vertrauen ihm und vertrauen ihm auch ihre Schätze an.

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Hat das Schuhmacherhandwerk meisterhaft gelernt: Frank Schönbeck beim Nieten einer alten Ledertasche.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Südliche Innenstadt. Den Herrn mit den Flip-Flops und der zu langen Hose wird Frank Schönbeck wohl Zeit seines (Berufs-)Lebens nicht mehr vergessen. Der Mann stand eines Tages in Schönbecks „Klick Klack“ in den Bahnhofspassagen – einem Geschäft für Schuhreparatur, Schlüsseldienst, Änderungsschneiderei, Stempel, Gravuren und Wäscherei – und brauchte dringend eine Kürzung seiner Hose. Da es nun eilig war und Frank Schönbeck die Freundlichkeit und die Kundenzufriedenheit zu seinem Berufscredo erkoren hat, bemühte er sich sofort um den Herrn, doch seine Schneiderin beklagte, dass sie für eine Hose unmöglich in Flip-Flops oder gar barfuß Maß nehmen könne. Nun war guter Rat teuer, ein Schuhneukauf nur fürs Maßnehmen kam nicht in Frage, da entsann sich Schönbeck seiner Kooperation mit dem Kostümfundus Babelsberg, kramte ein wenig und förderte ein paar Herrenschuhe zutage, die schließlich ihren Dienst taten. „Was der Herr nicht wissen konnte und was er nie erfahren wird“, flüstert Frank Schönbeck, und ein Lachen schüttelt ihn noch heute, „ist, dass er in Schuhen stand, die für George Clooney am Set für den Film ,Monuments Men’ entstanden“. Der Film war einige Zeit davor unter anderem in Babelsberg gedreht worden.

Solche Begebenheiten seien es, sagt Schönbeck, die auch nach 17 Jahren noch dafür sorgten, dass er die meisten Tage im Jahr gut gelaunt in sein Geschäft fahre. Der Stahnsdorfer ist seit 1999 in den Bahnhofspassagen mit „Klick klack“ präsent und damit einer der ältesten Mieter im Center, zumindest, wenn man die großen Ketten unberücksichtigt lässt. Viele Läden hat er kommen und gehen sehen, aber „Klick klack“ blieb und hat neben einer festen Kundschaft, die auch einfach nur mal kurz zum Grüßen stehenbleibt, von seiner Laufkundschaft bislang leben können. Wobei „Laufkundschaft“ für Schönbeck einen doppelten Wortsinn hat, denn den größten Umsatz macht er noch immer mit der Reparatur von Schuhen. Er ersetzt heruntergelaufene Sohlen, flickt Absätze und vernäht Leder neu – und das meist in Hochgeschwindigkeit, denn wer bei ihm etwas abgibt, tut das oft auf dem Weg zu Kaufland und will es nach dem Einkauf gleich wieder abholen. Da hilft es, dass der 48-Jährige gelernter Schuhmachermeister ist und jeden Handgriff, vom Nieten übers Nähen bis zum Kleben oder Polieren, quasi im Dunkeln beherrscht. Meist bekommen die Treter oder High Heels dann noch eine kleine Pflegebehandlung und der Kunde ein Lächeln mit auf den Weg – das schätzen sie an Schönbeck, seine Kunden. Er hat zwei Mitarbeiter, aber wenn er nicht selbst hinter der Theke stehe, gingen viele vorbei, hat er festgestellt. Das mag eine Vertrauenssache sein, wie er vermutet, denn Schönbeck repariert nicht um jeden Preis: Ist der Schuh zu alt oder wäre ein Neukauf preiswerter als eine Reparatur, dann sagt er das auch. Wer immer noch auf seinem Schmuckstück beharrt, bekommt natürlich, was er braucht, auch wenn er zweimal im Jahr wiederkommt, wie eine ältere Dame, die ihre Lieblingsschuhe zur Neubesohlung sogar aus Berlin-Charlottenburg immer wieder nach Potsdam bringt.

In den Passagen fühlt sich Schönbeck zuhause, doch er sagt auch, so ein gemeinsames Miteinander er Händler wie in in den ersten Jahren gebe es nicht mehr. „Als lebten wir nicht einer vom anderen“, sagt er kopfschüttelnd, „früher war’s solidarischer“. Zumindest Schönbeck lebt sein Credo weiter: Eine Frau, die feine Schraubenzieher sucht, schickt er zum Fahrradladen.

Die Bahnhofspassagen

Die Bahnhofspassagen öffneten im Dezember 1999 ihre Pforten. Sie waren das erste integrative Center aus einem großen Bahnhof und Einkaufsstraße.

Rund 60 000–70 000 Besucher kommen täglich dorthin gehen in die mehr als 70 Geschäfte auf 28 000 Quadratmetern Handelsfläche.

Das Center beschäftigt zirka 1300 Menschen. Es ist nach dem Stern Center das zweitgrößte der Stadt.

Anfangs war das Sortiment durch die Stadt beschränkt, um die Innenstadt zu schützen. Das wurde gelockert.

Von Jan Bosschaart

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