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"Er war meine Arbeitsliebe"

Kostümbildnerin Barbara Baum erzählt in Sacrow über Rainer Werner Fassbinder "Er war meine Arbeitsliebe"

Auf dem Landsitz Hohen-Cremmen verbrachte Effi Briest ihre Kindheit, bis sie ‒ erst 17-jährig ‒ den viel älteren Baron von Innstetten heiratete. Auf Schloss Nennhausen nahe Rathenow lebte jene Adelsfamilie von Briest, die Namenspate für Fontanes Roman gestanden haben soll.

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Barbara Baum brachte ein "Effi"-Originalkleid mit.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Sacrow. Auf Nennhausen fand sich auch eine unglücklich Verheiratete: Caroline von Briests erste Ehe scheiterte. Danach heiratete sie Friedrich de la Motte Fouqué, Schöpfer des Märchens "Undine". Heute zählt der Schriftsteller der Romantik zu jenen historischen Figuren, aus denen Potsdam mehr PR-Kapital schlagen könnte. Schließlich verbrachte der Hugenottenspross seine Kindheit auf Schloss Sacrow.

Gerade an milden Herbstabenden wie an diesem Wochenende erscheint das stille Anwesen mit den riesigen Bäumen, unter denen das Herbstlaub knistert, fast wie aus der Zeit gefallen. Man würde sich nicht wundern, wenn Effi plötzlich um die Ecke böge. Und tatsächlich begegnet man ihrem Abglanz im Saal des Schlosses. Auf dem Klavier steht eine Kleiderpuppe. Sie trägt ein Spitzenkleid mit rosa Band um die Taille. Als Hanna Schygulla 1974 die Effi Briest in Rainer Werner Fassbinders gleichnamiger Verfilmung spielte, betörte sie mit diesem Traum in Weiß.

Fassbinders Lieblingskostümbildnerin Barbara Baum ist an diesem Abend zu Gast, auf Einladung des Filmproduzenten Joachim von Vietinghoff, der dem Verein Ars Sacrow angehört. Baum strahlt immer noch jene Leidenschaft aus, mit der sie sich ‒ um der Sache willen ‒ sogar mit dem Regisseur anlegte. Stimmig bis hin zur richtigen Brosche musste alles bei "Effi Briest" sein. Darunter tat es Barbara Baum, die Akribische, nicht. "Durch diesen Starrsinn habe ich sie schätzen gelernt", sagte Fassbinder später. Irgendwann verstand man sich sogar durch "non-verbale Kommunikation". Baum, die in ihrer Karriere mit Filmen wie "Buddenbrooks" oder "Das Geisterhaus" brillierte, weiß heute rückblickend: "Er war die große Arbeitsliebe meines Lebens." Dabei fing alles eher holprig an: "Bei unserer ersten Begegnung sollte ich Rainer ganz detailliert, Szene für Szene, meine Vorstellungen zu den Kleidern der Effi Briest beschreiben. Er notierte sich alles und sagte am Ende, dass gar kein Geld für teure Kostüme da sei. Ich machte sie aber trotzdem!" Und zwar aus Stoffen und Spitzen, die sie auf dem Wochenmarkt und in Antiquitätenläden gefunden hatte. Mit der Hilfe von Modestudenten wurde die Garderobe für Hanna Schygulla in Baums Wohnung genäht. Fassbinder maß den Kostümen eine tragende Rolle zu. In "Effi Briest" scheinen die bis ins Detail ausgeführten filigranen Hutschleier und Kleider manchmal mehr zu sagen als die Personen, die oft holzschnittartig agieren.

Seit Jahren gelingen dem Verein Ars Sacrow außergewöhnliche Abende im Schloss, das der Schlösserstiftung gehört: Film, Literatur, Konzerte. Karten sind heiß begehrt. Das Besondere: Der Kreis aus Künstlern und Publikum ist fast intim. Außerdem hat der Verein das Miteinander im Ort beflügelt - Kunst als Nachbarschaftskatalysator. Im November kann man sich wieder auf einen "Coup" freuen. Rüdiger Safranski wird sein neues Buch "Goethe ‒ Kunstwerk des Lebens" vorstellen, erzählten Hannes Kowatsch und Achim Haid-Loh vom Verein. Am 24. November ist der vielfach preisgekrönte Schriftsteller zu Gast.

Von Ildiko Röd

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