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Potsdam Erinnerung an Stefan Eisermann
Lokales Potsdam Erinnerung an Stefan Eisermann
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21:55 11.10.2018
Stefan Eisermann: o.T. (Ritt ohne Skrupel); 1979, Collage. Quelle: PKV
Innenstadt

Eines Tages im Jahr 1977 stand Stefan Eisermann vor ihrer Tür in Hirschburg am Eingang von Fischland-Darß. Eine Zufallsbegegnung am Strand hatte der Künstlerin Vera Schwelgin von dem hoffnungsvollen jungen Mann erzählt. „Er male so schöne kleine Bilder und wolle gern den Austausch dazu.“ Dann kam er. Mit einem Wäschekorb, Koffern und Taschen, alles voll mit seinen Arbeiten. „Er war ein bisschen schüchtern.“ Doch das Gespräch „hörte dann überhaupt nicht mehr auf“, sagt Schwelgin: „So begann unsere Freundschaft.“

Eisermann, damals Schlosser auf einer Werft in Rostock, war Autodidakt. Seine Bilder orientierten sich an der gerade modernen „naiven Malerei“ mit Alltagsmotiven in märchenhafter Verfremdung. „Wir waren begeistert von seiner Art, von der Farbigkeit“, sagt Vera Schwelgin: „Es war mit Emotion gemalt.“ Zum 40. Geburtstag schenkte er ihr das Bild „Einer mit sich Nachsicht übend“ mit einem kleinen Mann in einer alkoholgeschwängerten Traumwelt zwischen riesenhaften Gestalten mit bläulichen Echsenköpfen.

Stefan Eisermann (r.), Vera Schwelgin und Wolfgang Reinke 1980 in Hirschburg. Quelle: Publikation Stefan Eisermann 1943-1998

Das Bild hängt als Zielpunkt in der Ausstellung „Parallel“ mit Arbeiten von Vera Schwelgin und Stefan Eisermann, die am Freitag um 19 Uhr in der „Guten Stube“ des Potsdamer Kunstvereins eröffnet wird. Über Vera Schwelgin und ihren Mann Wolfgang Reinke hatte Stefan Eisermann Zugang zum Kunstbetrieb gefunden: „Und er war immer ganz neugierig auf alles, was weiterhin gemacht werden konnte. Techniken wie Radierungen, Holzschnitt, Collagen. Aber spielerisch, nicht mit diesem bitteren Ernst.“

1985 ging Stefan Eisermann nach Potsdam. Vera Schwelgin und Wolfgang Reinke reisten 1986 aus nach West-Berlin. Sie verloren sich aus den Augen. Unmittelbar nach dem Mauerfall stand er vor ihrer Tür. Von Kollegen hatten sie schon gehört, dass es von ihm tolle neue Arbeiten gibt. „Aber als wir sie sahen, waren wir überwältigt. Weil sie ganz anders waren als das, was wir kannten. Seine Farbigkeit hatte er ausgeweitet. Expressionistisch ist er geblieben, aber er war viel freier damit.“

Vera Schwelgin mit ihrem „Kentaur“ in der „Guten Stube. Quelle: Bernd Gartenschläger

1998 fragte er Vera Schwelgin, ob sie gemeinsam mit ihm Interesse an einem Kunsthaus-Projekt in Potsdam hätten, das ihm von der Stadt angeboten worden sei. Der letzte Anruf kam wenig später von seiner Schwester: „Wenn du Stefan noch einmal sehen willst, dann komm schnell.“ Stefan Eisermann starb am 12. Oktober 1998 einen Monat nach der Diagnose an Krebs. Er wurde 55 Jahre alt; 24 Jahre hatte er intensiv gemalt.

Bilder Stefan Eisermanns geleiten das Publikum wie treue Gefährten durch Flur und Treppenaufgang hinauf zur „Guten Stube“. Ganz oben neben der Tür hängt seine letzte Arbeit, ein mit Buntstiften gezeichnetes, lichtdurchschimmertes Bild von einem Paar.

In der „Guten Stube“ selbst empfangen die kraftvoll erzählenden Collagen von Vera Schwelgin, allesamt zum Thema Frau und Mann. In Front zur Tür hängt „Kentaur“, ein Bild mit der Wucht eines startenden Rennwagens; an der Wand links daneben das märchenhafte Trinkerbild, das er ihr 1977 zum 40. Geburtstag schenkte.

Info Potsdam, Charlottenstraße 121, Vernissage am Freitag, 12. Oktober, um 19 Uhr, Ausstellung bis 7. Januar, Sa/So 15-18 Uhr, Mo 10-14 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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