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Potsdam Erinnerung ans RAW Potsdam
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10:01 14.10.2016
Modell des Reichsbahnausbesserungswerkes von Christian Heinze. Links der Wasserturm, rechts die Neue Halle. Quelle: Volker Oelschläger
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Potsdam

Der Wasserturm erinnert noch an das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW), die aus dem 19. Jahrhundert stammende Alte Halle am Eingang zum Hauptbahnhof und die Ruine der 1912 errichteten Neuen Halle auf Höhe der Schlaatzstraße. Straßen auf dem früheren Betriebsgelände halten mit Namen wie Am Stellwerk, Zum Wasserturm und Altes Bahnwerk die Erinnerung wach. Mit zeitweise 2000 Mitarbeitern war das RAW einer der größten Industriebetriebe Potsdams.

Wolfgang Verleih (81) kam 1951 als Lehrling ins RAW. Ab 1954 arbeitete er als Betriebsschlosser im Dreischichtdienst in der Neuen Halle. Als Hornist gehörte der langjährige Vorsitzende zu den Mitbegründern des Eisenbahner-

RAW-Veteran Wolfgang Verleih (81). Quelle: Volker Oelschläger

Blasorchesters, das im September 1963 zum 125. Jahrestag des RAW seinen ersten Auftritt hatte. „45 Jahre und fünf Monate“ war Verleih in dem Werk beschäftigt, „bis sie dann gesagt haben: Jetzt ist Schluss Alter, hau mal ab hier“. Das war im März 1997. Als sie im November 1999 „die Bude dicht gemacht haben“, spielte das Orchester den Trauermarsch von Chopin.

Bis heute halten die Musiker mit „Polka, Märschen, Walzern – eine Tangoserie haben wir auch dabei“ die Tradition des Werkes in Ehren. In den 1990er Jahren, als das Kulturhaus der Eisenbahner an der Friedrich-Engels-Straße noch stand, spielten sie zwei Mal im Jahr zum Tanztee auf: „Die Leute da haben sich amüsiert wie Bolle auf dem Milchwagen.“ 1988 traten sie erstmals mit Pickelhauben auf – „das war der Schreier“.

Die größte Musikervereinigung erlebte Verleih 2002 bei einem Kreismusikfest im fränkischen Stettfeld. Mit dem dortigen Musikverein sind die Bahner seit dem Mauerfall befreundet, nun spielten sie gemeinsam mit anderen Vereinen in einem 1000 Musiker zählenden Klangkörper auf.

2002 wurden dem Orchester die Räume im Kulturhaus gekündigt, seither proben sie immer dienstags im Bürgerhaus am Schlaatz. Im September 2013

Historische Dampflok 1988 bei einer Ausstellung zum 150. Jahrestag des RAW. Im Hintergrund der Wasserturm. Quelle: Archiv

musizierten sie zum 175. Jahrestag des RAW im Restaurant „Wartesaal“ in der Alten Halle, „aber kurze Zeit später war das auch dicht“. Pro Jahr gibt das Orchester mit seinen „17 bis 20 Kollegen“ zehn Konzerte in Potsdam und in der Umgebung.

Nicht mehr dabei ist nach Anwohnerbeschwerden vom Glienicker Horn der Sportplatz des Eisenbahner-Sportvereins Lok Potsdam an der Berliner Straße, dessen Geschichte ebenfalls auf das Werk verweist. Auf dem Hof des Vereins steht ein Modell des RAW, das der Potsdamer Künstler Christian Heinze zum 150. Jahrestag auf den Rasen vor der Alten Halle stellte. Doch auch daran nagt die Zeit: Der Jahreszahl 1838 ist die Ziffer 3 verloren gegangen, einige der Werksgebäude sind wohl spielenden Kindern zum Opfer gefallen.

Erinnerungslücke zu Potsdams Industriegeschichte

Das Potsdamer Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) wurde am 22. September 1838 als Werkstatt für Lokomotiven und Waggons eröffnet. Seit dem Abriss einer ähnlich alten Werkstatt in Nürnberg zu Beginn der 1970er Jahre war das Potsdamer RAW die älteste Eisenbahnwerkstatt Deutschlands.

In den 1920er und 1930er Jahren wuchs das RAW auf 2000 Beschäftigte an. Bis zur Eingemeindung Babelsbergs im April 1939 war es der größte Industriebetrieb Potsdams. Als Heimatwerk von 2500 D-Zug-Wagen war das RAW das größte und modernste Ausbesserungswerk für D-Züge in Deutschland.

Das RAW verweist auch auf die nur noch rudimentär bekannte Geschichte Potsdams und vor allem Babelsbergs als Standort von Schwerindustrie. Größter Industriebetrieb war die 1899 eröffnete Lokomotivenfabrik von Orenstein & Koppel an der Großbeerenstraße in Babelsberg, die nach dem Zweiten Weltkrieg als „Karl-Marx-Werk“ weiter betrieben und nach dem Mauerfall abgewickelt wurde.

Deutlich wird die Erinnerungslücke zur Potsdamer Industriegeschichte unter anderem in der Dauerausstellung des Potsdam-Museums zur Stadtgeschichte, in der es bisher keinen Hinweis auf die einstige Existenz von Schwerindustrie in Potsdam und Babelsberg gibt.

Von Volker Oelschläger

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