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Potsdam Serie von rechtsextremen Drohmails – auch in Potsdam
Lokales Potsdam Serie von rechtsextremen Drohmails – auch in Potsdam
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14:32 14.03.2019
Auch das Potsdamer Justizzentrum wurde wegen einer Bombendrohung im Januar geräumt. Quelle: Julian Stähle
Berlin

Seit mehreren Wochen gibt es nach Medienberichten eine bundesweite Serie mutmaßlich rechtsextremer Gewaltdrohungen gegen Politiker und andere öffentlich herausgehobene Personen. Zu den Betroffenen soll demnach auch Sängerin Helene Fischer zählen, die nach den Ausschreitungen in Chemnitz im vorigen September auf einem Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit auftrat.

Es gehe um mehr als 100 verschickte E-Mails, die mit „Nationalsozialistische Offensive“, „NSU 2.0“ oder „Wehrmacht“ unterzeichnet worden seien, berichteten am Mittwochabend die „Süddeutsche Zeitung“ und der NDR. Darunter seien auch Bombendrohungen. Bei Durchsuchungen seien aber bisher keine Bomben gefunden worden.

Wegen entsprechender Drohungen seien am Montag der Hauptbahnhof Lübeck sowie am Dienstag das Finanzamt Gelsenkirchen vorsorglich geräumt worden, hieß es.

Bombendrohungen auch an Gerichten und Justizzentren

Mindestens fünfzehn Mal sollen seit Dezember Bombendrohungen mit dem Absender „Nationalsozialistische Offensive“ auch bei Gerichten oder Justizzentren eingegangen sein, unter anderem beim Justizzentrum Potsdam, beim Oberlandesgericht München, der Staatsanwaltschaft in Frankfurt, aber auch beim Flughafen Hamburg.

Die Bundesanwaltschaft hat den Berichten zufolge einen Prüfvorgang angelegt. Ein Sprecher der Karlsruher Behörde wollte sich auf Anfrage zu den Berichten nicht näher äußern, verwies aber auf die örtlichen Staatsanwaltschaften.

NSU-Opferanwältin erhielt mehrfach Drohungen

Den Berichten zufolge haben sich die Generalstaatsanwälte der Länder geeinigt, die Ermittlungen gebündelt bei der Berliner Staatsanwaltschaft zu führen (Aktenzeichen 231 UJs. 181/19). Von dort war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Zentralrat der Juden auch Ziel von Drohmails

Auch der Zentralrat der Juden ist von der bundesweiten Serie von Gewaltdrohungen mutmaßlich Rechtsextremer gegen Politiker und Institutionen betroffen. In dem Zusammenhang sei eine Drohmail eingegangen, teilte der Zentralrat am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Generell gehe regelmäßig Hasspost ein, ob nun postalisch, per Mail oder über sozialen Medien. Die Zahl könne bis zu mehreren Hundert Zuschriften pro Tag erreichen, teils mit Gewaltdrohungen. „Letzteres schon seit langem nicht mehr anonym und zunehmend aggressiv“, so der Zentralrat. Bei Androhung von Gewalt werde der Staatsschutz eingeschaltet.

Anfang des Jahres hatte auch die NSU-Opferanwältin Seda Basay-Yildiz Drohfaxe erhalten – sie waren mit NSU 2.0 unterzeichnet. Ob dies miteinander zusammenhängt, ist derzeit unklar.

Lesen Sie auch: Anwältin erhält erneut Drohfax vom „NSU 2.0“

Von RND/dpa