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Potsdam „Erst der Anfang“: Protest gegen FH-Abriss geht weiter
Lokales Potsdam „Erst der Anfang“: Protest gegen FH-Abriss geht weiter
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10:33 17.07.2017
Im Schatten der gelben Agathe wurden am Sonntagnachmittag einige Aktivisten aus dem Malertrupp von den Polzisten niedergerungen und weggetragen. Quelle: Christel Köster
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Innenstadt

Das Potsdamer Bündnis „Stadtmitte für alle“ hat für die nächsten Wochen und Monate „viele weitere Aktionen und Initiativen“ rund um die Fachhochschule (FH) am Alten Markt angekündigt. Auch eine erneute Besetzung sei nicht auszuschließen, hieß es am Sonntagnachmittag am Rande des viertägigen Protestcamps. „Es ist nicht zu Ende. Dies war erst der Anfang“, sagte Sprecher Holger Zschoge. „Die Entscheidungsfindung zum Abriss der Fachhochschule ist für uns noch lange nicht beendet. Wir werden uns weiter gegen einen Stadtumbau wehren, der die letzten öffentlichen Flächen in der Innenstadt privatisiert, der eine Kopie eines barocken, preußischen Stadtbildes nachbaut und der Menschen aus der Innenstadt verdrängt.“ Das Bündnis kündigte zudem an, bis Ende des Monats sein Kaufangebot für das FH-Gebäude abzugeben.

Nach der FH-Besetzung und Räumung am Donnerstag blieb es am Wochenende friedlich. Die Lage heizte sich indes am Sonntag nochmals auf, als Aktivisten gut zwei Quadratmeter der Fassade strichen und die Polizei einschritt.

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Etwa 60 vorwiegend junge Menschen haben am 13. Juli die Fachhochschule Potsdam am Alten Markt besetzt. Das Gebäude musste am späten Abend von der Polizei gewaltsam geräumt werden. Die Besetzer wollten gegen den Abriss des DDR-Bauwerkes protestieren.

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Der Tag endete mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung und Beihilfe für ein Dutzend Aktivisten. Kurz vor 14 Uhr hatten sie ihre Leitern aufgestellt, zwei von ihnen legten mit Pinseln, Rollen und Farbe los. Polizisten versuchten, ihnen das Handwerk zu legen. Dabei heizte sich die Stimmung rund um das seit Donnerstag aufgebaute Protestcamp noch einmal kurz aber empfindlich auf. Schließlich sperrte die Polizei auf Bitten der FH den Sockel des Gebäudes und zog um die Bannmeile weiß-rotes Trassierband von Pfeiler zu Pfeiler.

Nach 28 Jahren: Aktivisten malern einen Teil der FH-Fassade. Quelle: Nadine Fabian

Zu Irritationen war es auch am Samstag gekommen, als das Protestcamp spontanen Zuwachs bekam. So hatte das Studentische Kulturzentrum (Kuze) sein alljährliches Straßenfest von der Hermann-Elflein-Straße an den Alten Markt verlegt, um das Camp zu unterstützen. Auch das Projekthaus Babelsberg übte sich in Solidarität und zog mit seinem Sommerfest in die City. Nach Verhandlungen duldete die Polizei die Neuzugänge – allerdings unter Auflagen. So durften die Gäste ihre Garnituren nur teils aufbauen und das Fest-Programm in abgespeckter Version durchführen.

In voller Pracht hingegen zeigte sich in den vier Tagen des Protestcamps die Ente Agathe des Stadtjugendrings, der sich seither „in einen Rechtfertigungsmodus gedrängt“ fühlt, weil ihm Politiker der bürgerlichen Parteien vorwerfen, sich im Kontext der Diskussionen um die Entwicklung der Innenstadt undemokratisch zu verhalten.

Im Schatten der gelben Agathe wurden am Sonntagnachmittag einige Aktivisten aus dem Malertrupp von den Polzisten niedergerungen und weggetragen. Quelle: Nadine Fabian

Dirk Hader erklärte für den Vorstand, dass sich der Stadtjugendring in der Rolle eines überparteilichen Vermittlers sehe, der die Aufgabe hat, anwaltschaftlich die Interessen junger Menschen zu vertreten und sie dabei zu unterstützen, selbst an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen zu können. „Die Beschlüsse zur Gestaltung der Potsdamer Mitte sind bereits vor Jahrzehnten gefasst worden“, so Harder. „Die Jugendlichen, die zum Zeitpunkt dieser Beschlussfassung noch im Kindergarten oder noch nicht einmal auf der Welt waren, sollen die Sinnhaftigkeit dieser nun nicht hinterfragen dürfen?“ Sowohl Harder als auch das Stadtmitte-Bündnis distanzierten sich vom Vorwurf des gewaltbereiten Linksextremismus.

Laut Bündnis waren seit Donnerstag mehrere tausend Menschen vor Ort, „um ein buntes, friedliches, kreatives Fest mit hohem politischen Anspruch“ zu feiern. „Wir haben einen leblosen Steinplatz zum Leben erweckt“, sagte Sprecher Holger Tschoge und kündigte weitere Aktionen vor der FH an, etwa das altbekannte Wohnzimmer, weitere Protestcamps, Diskussionen.

Ende des Monats will das Bündnis der Landeshauptstadt sein Kaufangebot für das FH-Gebäude unterbreiten. „Die Stadt hat damit die Möglichkeit, ein öffentliches Gebäude zu erhalten, ohne einen Cent dafür zu bezahlen“, sagte Sprecher André Tomczak. Über die Höhe des Angebots wollte er noch keine Angaben machen. Man sei mit Banken und Stiftungen im Gespräch und habe Aussicht auf Fördergeld: „Unser Angebot wird so hoch sein, dass der Stadt kein Minus entsteht, wenn sie an uns verkauft.“

Von Nadine Fabian

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