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Potsdam Erste Führung für Blinde im Hans-Otto-Theater
Lokales Potsdam Erste Führung für Blinde im Hans-Otto-Theater
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22:21 15.10.2017
HOT-Mitarbeiterin Kerstin Walter (l.) organisierte die Blindenführung. Quelle: Foto: Köster
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Schiffbauergasse

Riechen, Tasten und Hören. Mehr geht Sonntagmittag Mittag im Hans-Otto-Theater nicht. Kerstin Walter von der Abteilung Dramaturgie führt nämlich eine kleine Gruppe von blinden und sehbehinderten Menschen durch das Theatergebäude. Es ist die erste Führung dieser Art. Anlass ist der internationale Tag des weißen Stockes am Ende der Woche des Sehens. Freilich gibt es für die Teilnehmer, die noch Restsehvermögen haben, auch Dinge zu sehen. Kern des neuen Projektes ist es aber, Theater und alles, was hinter der Bühne passiert, fernab jeder Visualität zu vermitteln.

„Seit 20 Jahren machen wir die Simultanübersetzungen für Gehörlose“, sagt Kerstin Walter. Ein Angebot, Barrierefreiheit auch für Blinde zu schaffen, fehlte bisher aber. Das wolle sie nun ändern. „Ich sehe selber nur schlecht und deswegen habe ich gedacht, man kann Theater Menschen auch auf dieser Ebene näherbringen.“ Sie habe sich umgehört, wo es andere Beispiele für ihre Idee gibt – und stieß auf die Komische Oper in Berlin. „Dort habe ich im Mai eine Führung für Blinde und Sehbehinderte mitgemacht und habe da ganz viel gelernt und überlegt, wie man das bei uns gestalten könnte.“ Im Anschluss überzeugte sie Theaterleitung, technische Leitung und die einzelnen Werkstätten. „Ich bin bei meinen Kollegen auf viel Verständnis und Unterstützung gestoßen“, so Kerstin Walter. „Weil viele von ihnen Bekannte und Verwandte haben, die eine Behinderung haben.“

Jede Werkstatt riecht anders

Am Sonntagmittag sammeln sich insgesamt zehn Personen um die Theatermitarbeiterin und sind gespannt, was kommen wird. Start ist im Foyer. Das ist dunkel und leer, nur ein Objekt steht im Raum: ein Modell des Hans-Otto-Theaters. Rentnerin Doris Dittmann ist zu 100 Prozent blind und in Begleitung da. Sie ertastet das Modell mit seinen Ecken, Kanten und Rundungen. Auch die Hände des Stadtverordneten und stellvertretenden Vorsitzenden des Kultur- und Wissenschaftsausschusses, Norbert Mensch (CDU), gleiten über den kleinen schwarzen Nachbau der Theaters. Er hat nur noch knapp sieben Prozent Sehvermögen.

Richtig spannend wird es aber erst ,als es in die Werkstätten geht. In jeder Werkstatt haben die Mitarbeiter eine Auswahl verschiedener Stoffe, Masken und Dekorationen bereitgelegt. Und so tasten sich die Männer und Frauen durch Ritterrüstungen, Affenhandschuhe und Koboldanzüge mit riesigen Hinterteilen.

In jedem Raum duftet es anderes. Da ist der Malsaal, der freilich nach Farbe riecht. Und dann gibt es die Werkstatt der Plastikerin, wo Pappmasche- und Klebergerüche in die Nase steigen. Auch der Raum des Maskenteams hat seinen eigenen Odeur. „Hier duftet es nach Friseursalon“, sagt Norbert Mensch. „Weil hier viel Haarspray und Haarwachs benutzt wird.“ In der Maske gibt es aber auch anderes zu entdecken: Perücken aus Echthaar und Kunsthaar, die Schädelmodelle eines jeden Schauspielers, künstliche Ohren und Nasen oder Tiermasken.

„Ich fand die Führung großartig“, sagt Doris Dittmann am Ende. „Ich hatte sie mit Frau Walter schon einmal alleine gemacht um das Ganz zu testen.“ Da hatten die beiden überlegt, was so möglich wäre. Offenbar mit Erfolg. Auch die anderen Teilnehmer empfinden die Führung als sehr bereichernd. „Frau Walter hat das sehr gut gemacht“, sagt Andreas Koch vom Sozialwerk Potsdam. Auch er kann nur eingeschränkt sehen. „Ich finde es schön, dass es jemanden gibt, der einem das alles hier erklärt und Fragen beantwortet. So ein Projekt baut Barrieren auch im Kopf ab.“

Von Annika Jensen

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