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Potsdam Erste Plädoyers im Giftbrei-Prozess in Potsdam
Lokales Potsdam Erste Plädoyers im Giftbrei-Prozess in Potsdam
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10:01 08.12.2017
Der Angeklagte und sein Anwalt vor dem Plädoyer. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

In dem emotional aufwühlenden Indizienprozess um den gewaltsamen Tod eines anderthalbjährigen Jungen haben der Staatsanwalt und die Nebenklagevertreterin am Donnerstag ihre Plädoyers vor dem Potsdamer Landgericht gehalten. Beide sehen den Tatvorwurf des Mordes als erwiesen an und fordern Lebenslang für den Angeklagten, der am 29. März 2014 den Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin mit einem Medikamentencocktail vergiftet haben soll. Sowohl Peter Petersen als auch Betül Gülsen beantragten zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen – damit wäre bei einer Verurteilung wegen Mordes eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Petersen begründete den Antrag damit, dass „die Tötung eines Kleinkindes abgrundtief böse und schlecht“ sei. Gülsen sagte: „Der Angeklagte hat ein ganz besonderes Vertrauen und die Liebe meiner Mandantin ausgenutzt. Das ist eine abartige Bösartigkeit.“

Schon monatelang mit Schmerz- und Schlafmitteln ruhiggestellt

Peter Petersen hatte lange Zeit die Mutter des Kindes als Mittäterin verdächtigt, wollte auch sie in Untersuchungshaft bringen: „Die Kammer hat aber akribisch geprüft und es ist nicht gelungen – Gott sei Dank!“, sagt er nun. Die Mutter sei inzwischen auszuschließen. Bleibe nur der Angeklagte, der am Tattag Kontakt zu dem Kind hatte. Könnte es sich um eine versehentliche Überdosierung handeln? Immerhin hatte die Obduktion ergeben, dass der kleine Junge bereits mindestens fünf Monate lang mit starken Schlaf- und Schmerzmitteln ruhig gestellt wurde. Doch der Angeklagte, der selbst 1400 Morphintabletten in drei Monaten konsumiert habe, womit man „ganze Rinderherden ausknocken“ könne, habe sehr wohl gewusst, wie er die Tabletten dosieren müsse, so Petersen. Es handle sich auch nicht um eine Augenblickstat: „Die Tat war geplant.“ Demnach musste der Angeklagte die Tabletten bereitlegen, musste überlegen, wie er sie dem Kind, das nicht mal kleinste Kartoffelstückchen herunterbrachte, verabreicht, musste möglicherweise Brei und Fläschchen präparieren – und das alles heimlich.

Von Eigen- und Eifersucht getrieben

Auch das Motiv sei klar: Der Tod des Kindes sollte die Position des Angeklagten, der stets aus Eigensucht handle, verbessern. Seit Monaten habe es in der Beziehung gekriselt. Grund dafür sei nicht nur die Medikamentensucht des Beschuldigten gewesen: „Das hätte er mit einer Therapie ändern können.“ Was er aber nicht einfach abschalten konnte, war seine extreme Eifersucht auf den leiblichen Vater des Kindes. Dass der einen engen Kontakt zu Sohn und Ex-Freundin pflegte, habe die Wunschposition des Angeklagten als Familienoberhaupt in Frage gestellt. Hinzu kam, dass die Lebensgefährtin einen Heiratsantrag ablehnte und ihn immer wieder zurechtwies, dass das Kind, von dem er so gern „Papa“ genannt werden wollte, schon einen Vater habe. Dass sie ihn am Tag vor der Tat auch noch vom Elterngespräch in der Kita ausschloss und mit dem Kindsvater dorthin ging, habe den Angeklagten schwer gekränkt. Er habe erkannt, dass nichts mehr zu kitten ist. „Die Beziehung aber ist sein Lebensinhalt, dafür muss er alles tun, er will sie unter allen Umständen retten – und dafür muss der Junge sterben. Wenn er weg ist, fehlt das störende Element, das Problem“, so Petersen. Das Verhalten des Angeklagten nach der Tat spreche Bände: „Er wollte direkt von vorn anfangen: Jetzt haben wir doch uns.“

Das Plädoyer von Verteidiger Christoph Balke folgt am 11. Dezember, das Urteil ist am 14. Dezember zu erwarten. Der Angeklagte schweigt beharrlich.

Von Nadine Fabian

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