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Erster Steifzug zu Familie Biber

Touren mit Floß und Kanu in und um Potsdam Erster Steifzug zu Familie Biber

Der Biber ist unter uns. 15 Reviere zählt der für den Bau- und Staumeister zuständige Nabu-Experte in und um Potsdam. Am Wochenende konnten Naturfreunde die Spuren, die der Biber in der Landeshauptstadt täglich hinterlässt, begutachten – zum ersten Mal fanden Biber-Touren mit Floß und Kanu statt.

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Der Europäische Biber wird bis zu 1,20 Meter lang und wiegt durchschnittlich 18 Kilogramm.

Quelle: dpa-Archiv

Potsdam. Vor Jahrhunderten genoss man den Biberschwanz als Fastenspeise, galt doch die "Kelle" als der "fischige" Teil des schwimmenden Säugetieres. "Wegen des beschuppten Schwanzes wurde der Biber von der katholischen Kirche als Fisch angesehen", erzählt Potsdams Biberexperte Burghard Sell. Im Internetlexikon Wikipedia findet sich zu diesem Thema ein hübsch passendes Zitat des Jesuitenpaters Charlevoix aus dem Jahre 1754: "Bezüglich des Schwanzes ist er ganz Fisch, und er ist als solcher gerichtlich erklärt durch die Medizinische Fakultät in Paris, und im Verfolg dieser Erklärung hat die Theologische Fakultät entschieden, dass das Fleisch während der Fastenzeit gegessen werden darf."

Nachdem der Europäische Biber fast schon ausgerottet war ‒ eben, weil er ein gern gesehener Gast auf dem Speiseplan der Zweibeiner war ‒ haben sich die Bestände inzwischen wieder gut erholt. Die Nager stehen unter strengem Naturschutz. Burghard Sell nimmt mit Ehefrau Petra seit Jahren die Biber-Populationen in Potsdam und Umgebung unter die Lupe. "Seit 2010 ist da richtig Bewegung drin", sagt der 58-Jährige. 15 Biber-Reviere, bewohnt jeweils von drei bis vier Familienmitgliedern, gibt es mittlerweile, unter anderem am Tiefen See, auch am Großen Zernsee in Werder (Havel). Wie die zweibeinigen Einheimischen wissen außerdem die pelzigen Tiere Potsdams schöne Gewässer zu schätzen. "Irgendwann steigt die Population aber so sehr, dass sie auf diesem Niveau stagniert. Und dann bleibt der Nachwuchs aus", berichtet Sell.

Biber-Beauftragter Burghard Sell beim Start der Biber-Tour.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Das "erste pelzige Köpfchen" eines schwimmenden Nagers entdeckten die Sells vor neun Jahren in der Nuthe. Die Biber-Leidenschaft war entfacht, "obwohl wir damals eigentlich unter die Ornithologen gehen wollten", verrät Petra Sell (55). Nun beschäftigt sich das Ehepaar halt mit den possierlichen Vegetariern, täglich, ehrenamtlich. Nur zu Biber-Touren mit Gästen waren die Sells am Sonnabend erstmals unterwegs. An dieser Stelle kommt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) als Initiator ins Spiel. Ende April hat der Verband die "Havelberry-Finn-Tour" gestartet. Von der Quelle am Großen Labussee in Mecklenburg-Vorpommern bis zur Mündung in die Elbe nahe Havelberg (Sachsen-Anhalt) schippern die Naturschützer über den Fluss, werben für "das Naturparadies vor der Haustür", erklärt Djuke Nickelsen, Nabu-Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Weil die Untere Havel eines der "bedeutsamsten Feuchtgebiete Mitteleuropas" sei, werde unter Federführung des Nabu Europas größte Flussrenaturierung umgesetzt. Auf diese Weise sollen die Lebensbedingungen von mehr als 1100 bedrohten und geschützten Arten verbessert werde. Bis Ende Juni dauert die Floßtour mit Zwischenstopps und Extras, zu denen am Sonnabend die Biber-Tour mit Burghard Sell gehörte. Da das Floß zu breit und zu tief war, um damit auf der Nuthe zu fahren, stiegen die Biber-Fans eben in zwei Kajaks, besahen sich während der eineinhalbstündigen Tour die Resultate der Nager an den Uferbäumen.

Monogame Vegetarier

  • Biber sind die zweitgrößten Nagetiere der Erde – nach den in Südamerika lebenden Capybaras.
  • Ursprünglich waren die Biber in Europa und in weiten Teilen Asiens beheimatet, wurden aber wegen ihres Fells und essbaren Fleisches nahezu ausgerottet.
  • Im 20. Jahrhundert haben sich die Bestände dank konsequenten Schutzes und Auswilderungen in den vergangenen Jahrzehnten wieder erholt.
  • Die possierlichen Tiere ernähren sich ausschließlich vegetarisch. Zu ihren natürlichen Feinden gehörten einst Bär, Luchs und Wolf, inzwischen sind es wildernde Hunde.
  • Biber leben monogam – und zwar in fließenden und stehenden Gewässern. An Land bewegen sich die Nager wegen ihres plumpen Körperbaus nur langsam.

Die ‒ nachtaktiven und bei der Tour folglich abwesenden ‒ Biber bevorzugen Weiden, zudem Espe, Esche, Erle als Bauholz und zum Verzehr. Besonders lieben die Tiere Zweige, Blätter, Astrinde. Nach der Tour reichte Sell Rinden herum, die der Biber angeknabbert hat. So superbreit wie in einer Zahnpasta-Werbung dargestellt, seien die kräftigen Beißerchen aber nicht, so Sell: "Deren Zähne sind nicht breiter als unsere." Dafür haben die Nager definitiv mehr Mähne als wir: Beachtliche 12000 Haare pro Quadratzentimeter tummeln sich beim Biber auf dem Rücken, auf dem Bauch sogar 23000. Beim Menschen verlieren sich gerade einmal 600 Haare auf dem gleichen Platz ‒ bei manchen Herren noch wesentlich weniger.

Info: Zu einer Biber-Tour wird heute nochmal eingeladen. Treffpunkt: 18.30 Uhr, Bootsverleih "An der Nuthe", Wiesenstraße 11. Anmeldungen sind erbeten unter: floßtour@nabu.de

Von Ricarda Nowak

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