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Erstmal weg und dann gern zurück

Juliane Syring tourte durch die Welt bevor sie in der Heimatregion ihr eigenes Hofrestaurant eröffnet hat Erstmal weg und dann gern zurück

Wenn man keine Menschen mag, sollte man nicht in die Gastronomie gehen. Das sagt Juliane Syring und schiebt ein breites Lächeln hinterher. Die 34-Jährige betreibt in Stücken den „Fliederhof“.

STÜCKEN. . Gerade bereitet sie mit ihrem Team die neue Saison ab 1. März vor.

Eigentlich hatte die Beelitzer Schülerin Tierärztin werden wollen. Doch mit der Wende wurden andere Sehnsüchte geweckt. Zum Beispiel, „einmal etwas Eigenes zu haben“. So wie die Eltern, die sich nach den LPG-Jahren in der DDR als Zauchwitzer Spargelbauern etablierten. Die Tochter wollte ins Hotel- und Gastgewerbe und „nach dem Abi erstmal woanders hin“. Gen Westen und weg von den Eltern. Ein Familienhotel in Rothenburg ob der Tauber war zwar nicht der große Brüller, aber „ich hatte eine Lehrstelle, eine eigene Wohnung und traf meine erste große Liebe“, erzählt Juliane Syring. Klar, sei der Einstieg schwierig gewesen, so allein als 19-Jährige. Da gab’s Tränen und Heimweh. Aber als Ossi war sie nie diskriminiert worden. „Es war alles gut. Ich machte nach drei Jahren meinen Abschluss als Hotelfachfrau und stehe noch mit dem Hotel in Kontakt.“

Dann ging der Sprung weiter: „Ich wollte absolut nicht wieder in die Provinz und nur noch in Fünf-Sterne-Häusern arbeiten“, sagt Syring. Sie landete mit ihrem Schulenglisch im Londoner „Dorchester“ am Hyde-Park. Keine Angst gehabt? „Nein. Ich hatte Mut und war selbstbewusst. Ich wollte mich ja umgucken und mir was zutrauen“, sagt sie. Als Commis, „der unterste Kellner, der nur Teller schleppt“, fing sie an. Als Chef de Rang mit eigener Station und dem Recht, Bestellungen am Tisch entgegenzunehmen, beendete sie nach einem halben Jahr den London-Trip. Er hatte ein Jahr dauern sollen, aber das Heimweh war stärker. „Zum damaligen Zeitpunkt war es wohl zu weit weg.“ Da half es nichts, dass sie Promis wie Robbie Williams und eine Reihe bekannter Schauspieler in der Nobelherberge gesehen hat. Auch die junge Liebe war längst flöten gegangen.

Daheim genoss sie erstmal das Leben und übernahm den Gastronomiesaisonbetrieb auf dem elterlichen Spargelhof. Mit Hummeln im Hintern ging’s nach einem Jahr nach Hamburg zum Studium der Betriebswirtschaft. „Einerseits war es schön zu Hause, so mit den Freunden, in seiner Muttersprache reden zu können, aber mit Mitte 20 konnte es das doch noch nicht gewesen sein“, sagte sie sich. Neben dem Studium jobbte sie in legendären Häusern der Hansestadt wie den „Vier Jahreszeiten“, dem Atlantic (ohne Udo Lindenberg gesehen zu haben) und im Rathaus. „Es war eine tolle Zeit!“ Die nächste folgte. Syring ging für zwei Wintersaisons ins schweizerische Wallis. Umgeben von 4000ern lernte die Flachlandtirolerin nicht nur Ski fahren. Die Schweiz habe sie mehr überzeugt als London, sagt sie, „das Team, die Landschaft“. Doch bleiben wollte sie nicht. „Die Sehnsucht nach zu Hause war immer da, und auch der Gedanke an etwas Eigenes.“

Doch vor Stücken, wo die Eltern inzwischen einen Hof mit alten Stallungen erworben hatten, kam Australien. Syrings Freundin gab den Anstoß zu „Work and Travel“. So zogen die jungen Frauen mit ihren Rucksäcken in sieben Monaten von Sydney einmal rundherum. Sie arbeiteten auf kleinen Farmen, in Restaurants und besonderen Kneipen. Erlebten, wie Service auch gehen kann, wie man mit kleinen Dingen, mit Freundlichkeit und Offenheit Vertrauen und Atmosphäre schafft.

„Es geht um die ganze Fülle der Erfahrungen“, sagt Juliane Syring. Du wirst selbstständig, erlebst, was du alleine schaffen kannst. Ich hatte so viele Einblicke in so verschiedene Häuser – das schärft den Blick. Und ich habe gelernt, dass man nicht aus allem Probleme machen, sondern ruhig nach Lösungen suchen muss“, so die 34-Jährige. Als sie mit 27 Jahren von Australien heim kam, war die Zeit reif: „So, und jetzt gib mir ein Haus. Jetzt will ich hier was anpacken“, habe sie zu ihrem Vater gesagt.

Aus den alten Ställen in Stücken ist inzwischen ein begehrtes Land-Restaurant geworden. Die drei Ferienwohnungen sind ebenso beliebt wie die Küche und die selbst gemachten Kuchen. In diesem Jahr möchte die Chefin, die inzwischen zweifache Mutter ist und Traummann Tony im Nachbardorf gefunden hat, noch etwas Kultur aufs Land holen. So ist am 15. April eine heitere Lesung über Brandenburger Geschichte mit Gerta Stecher und Hans Otto Dill geplant. Im Juli und August wird zum Sommerbarbecue mit Live-Musik und am 27. Juli zum Spanischen Abend mit Flamenco und Tapas geladen. (Von Claudia Krause)

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