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Erstmals vollständig abgetrennter Unterarm replantiert

Pionierleistung in Potsdam Erstmals vollständig abgetrennter Unterarm replantiert

Ein zehnköpfiges Ärzteteam des Potsdamer Klinikums Ernst von Bergmann hat bei einem Unfall-Patienten erstmals einen vollständig abgetrennten Unterarm replantiert. Die zwölfstündige Operation fand bereits an einem Oktoberwochenende statt, wie das Klinikum am Montag mitteilte. Der Patient wurde bereits nach Hause entlassen. Nun muss er wieder die Handfunktion erlernen.

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Der angenähte Unterarm mit dem Fixateur externe.

Potsdam. Ein 10-köpfiges Team aus Anästhesisten, Unfallchirurgen, Plastischen Chirurgen und OP-Schwestern des Klinkums Ernst von Bergmann hat in einer rund zwölfstündigen hochkomplexen Operation den abgetrennten rechten Arm eines Unfall-Patienten wieder angenäht und die funktionellen Strukturen rekonstruiert. Die gelungene Operation fand bereits im Oktober statt, wie das Klinikum am Montag mitteilte.

„Es ist das erste Mal, dass wir hier in Potsdam eine Makroreplantation in diesem Ausmaß durchgeführt haben. Bisher sehen wir einen guten Heilungsfortschritt. Der Arm ist gut durchblutet und frei von Infektionen“, erklärte Dr. Mojtaba Ghods, Chefarzt der Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie/Handchirurgie am Klinikum. Die erfolgreiche Operation zeige einmal mehr, „dass wir hier in Potsdam Hochleistungsmedizin anbieten und auch am Wochenende und in der Nacht in der Lage sind, ein großes Team von Fachexperten bereitstellen zu können.“

Um 3.00 Uhr kam der Anruf des Notarztes

Das Geschehen liest sich wie ein Krimi: In einer Samstagnacht erreichte die Zentrale Notaufnahme des Klinikums gegen 3.00 Uhr der Anruf des Notarztes. Der Patient hatte bei einem Unfall seinen rechten Unterarm verloren. Nach Klinikangaben war der Arm zwei Finger breit unterhalb des Ellbogens vollständig vom Körper abgetrennt.

Gegen 3.30 Uhr erreichten der Patient und der abgetrennte Unterarm die Potsdamer Klinik. Dort stand innerhalb kürzester Zeit das 10-köpfige Team samt der notwendigen medizintechnischen Infrastruktur und Blutkonserven bereit. Während der Patient durch die Unfallchirurgen noch im Schockraum versorgt und stabilisiert wurde, begannen die Plastischen Chirurgen bereits, um 4.05 Uhr den abgetrennten Arm auf die Replantation vorzubereiten. Dann folgte die zwölfstündige Operation.

Durchblutung ist der zeitkritischste Faktor

Bei sogenannten Makroreplantationen befindet sich der Gliedmaßenabriss oberhalb des Handgelenkes – in diesem Fall sogar kurz unterhalb des Ellbogens. Es werden dabei vollständig abgetrennte Gliedmaßen wieder angenäht (replantiert), die Durchblutung wiederhergestellt sowie Knochen, Muskeln und Nerven rekonstruiert. Dies muss in maximal sechs Stunden passieren, da bei einer längeren Durchblutungsunterbrechung muskeltragende Amputate, nicht mehr zu retten sind. „Vom Unfall bis zur Wiederherstellung der Armdurchblutung vergingen nur circa vier Stunden“, berichtet Dr. Thorsten Bund, Oberarzt der Plastischen Chirurgie, der als Erster im Operationssaal stand. „Die Wiederherstellung der Durchblutung ist immer der zeitkritischste Faktor. Der Rest der OP-Zeit diente der aufwendigen funktionellen Rekonstruktion des Arms.“ Knochen wurden zusammengefügt, Muskeln vernäht, durchtrennte Nerven durch Nerventransplantation aus dem Unterschenkel rekonstruiert.

Mittlerweile hat der Patient das Klinikum verlassen. Nun beginnt der lange Weg zur Wiedererlangung der Handfunktion durch physio- und ergotherapeutische Nachbehandlung. Zudem müssen die Nerven nicht nur heilen, sondern teilweise muss auch das Gehirn die Bewegungen neu erlernen, da unter Umständen andere Hirnareale die Muskeln steuern müssen.

Von Jens Trommer

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