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Erzieher beim Dealen in Marquardt erwischt

Amtsgericht Potsdam verhängt Geldstrafe Erzieher beim Dealen in Marquardt erwischt

Weil er Cannabis gekauft und in Marquardt weiter verkauft hat, musste sich jetzt ein 35-Jähriger vor dem Potsdamer Amtsgericht verantworten. Der Ex-Berufssoldat sagt, er wollte seine Afghanistan-Erinnerungen betäuben und hat den Stoff nur mit einem Bekannten geteilt. Pikant: Der Angeklagte schult gerade zum Erzieher um und möchte später mit Jugendlichen arbeiten.

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Rollen für die Faszien

Der Angeklagte beteuerte, nicht gedealt, sondern Cannabis nur zum Selbstkostenbeitrag an einen Bekannten abgegeben zu haben.

Quelle: dpa

Marquardt. Ein angehender Erzieher, der in der Freizeit mit Drogen dealt: Reichlich Stoff zum Tuscheln hatten die Zuschauer – darunter einige halbstarke Schüler und Lehrer – am Montagmorgen im Potsdamer Amtsgericht.

Auf der Anklagebank nimmt André L. Platz: 35 Jahre alt, ledig, kinderlos, Ex-Soldat und – schenkt man ihm Glauben – bekehrter Kiffer. Er gibt zu, zwischen Januar und August 2015 in Marquardt Cannabis verkauft zu haben. „Zum Selbstkostenpreis und nicht, um einen Gewinn zu erzielen“, wie Verteidiger Mathias Noll mehrmals betont. Der Anwalt spricht von einer Gefälligkeit, einem Ausrutscher, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft von einer Straftat.Vier Fälle schafften es in die Anklage: Demnach hat André L. mal zwei Gramm für 20 Euro verkauft, mal drei Gramm für 30 Euro. Mit seinem Abnehmer, dem Kfz-Mechaniker Norman B., hatte er sich per Handy und Whatsapp verabredet. Kennengelernt hatten sich die beiden laut André L. über einen Bekannten: „Ich hatte einen alten Passat und war bestrebt, nicht ganz so viel für die Reparaturen zu bezahlen.“ Später habe man dann ab und zu auch „eine Tüte“ zusammen geraucht.

Nach Afghanistan hat der einstige Soldat mit dem Kiffen begonnen

Mit dem Cannabis-Konsum habe er 2010 angefangen. „Weil ich mich beruhigen wollte“, sagt André L.. Er leide unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Als Soldat sei er mehrmals in Afghanistan im Einsatz gewesen: drei Mal in Kundus, ein Mal in Mazar-e Sharif. Als sich psychische Probleme einstellten, habe er aber weiter Dienst getan. „Ich wollte nicht auffällig werden. Kameraden sagten, da kann man ’ne Tüte rauchen“, so André L. „Das war eine entspannende Sache.“

Inzwischen hat der einstige Berufssoldat der Armee den Rücken gekehrt: „Wegen der Ereignisse im Einsatz und innerhalb der Bundeswehr habe ich erkannt, dass ich dort nicht weitermachen will.“ In seinen Job als Dachdecker wollte er aber auch nicht zurück, habe sich schon länger für Jugendpädagogik und Erziehungswissenschaft interessiert und einen Neuanfang gewagt.

Der Angeklagte sagt, seit Oktober sei er clean

Seit Mitte 2014 absolviert André L. nun eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Derzeit schreibe er seine Facharbeit zum Thema Inklusion und lebe von dem, was er bei den Auslandseinsätzen verdient hat. Zudem zahle ihm die Bundeswehr 2000 Euro netto Übergangsgebührnisse – sozusagen ein zeitlich befristetes Gehalt. „Sie haben das Cannabis also nicht verkauft, um sich zu finanzieren“, hakt Richterin Reinhild Ahle nach. André L. schüttelt den Kopf.

Mit dem Kiffen habe er im Oktober aufgehört. Der Besuch der Polizei, die Anklage, der Prozess: „Erstmal war das natürlich ’ne Watsche. Aber es war mein eigener Wunsch, damit aufzuhören, da wieder rauszufinden. Ich denke, das ist jetzt die beste Möglichkeit.“

Die Polizei fand bei der Wohnungsdurchsuchung auch Amphetamine

Zu seiner Bezugsquelle schwieg L. Er habe zwei, drei Mal im Monat bei unterschiedlichen Leuten gekauft: „Namen weiß ich keine.“ Das Cannabis – 7,5 Gramm, auch Amphetamine fand die Polizei bei der Wohnungsdurchsuchung – habe er für den Eigenbedarf erworben. „Irgendwo im Internet“ habe er gelesen, dass es dafür in Brandenburg eine Freigrenze gäbe: „Man darf sechs Gramm besitzen und wird strafrechtlich nicht verfolgt.“ Die Richterin schaut skeptisch. „Sie dürfen nicht alles glauben, was im Internet steht. Hier sitzen auf der Anklagebank auch Leute, die mit 0,5 Gramm erwischt wurden.“

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung kamen zwar überein, auf die Befragung von Kunde Norman B. zu verzichten. Das Verfahren – wie vom Verteidiger gewünscht – nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung einzustellen und dem Beschuldigten Auflagen zu erteilen, lehnte die Staatsanwaltschaft aber ab und forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 60 Euro. Anwalt Noll plädierte daraufhin auf eine Verwarnung mit Strafvorbehalt – immerhin sei L. nicht vorbestraft, geständig und clean und stehe mitten im Leben.

Richterin Ahle verhängte schließlich „eine Geldstrafe im alleruntersten Rahmen“ von 40 Tagessätzen à 60 Euro. „Es geht hier nicht um den Besitz, sondern um den Handel“, erinnerte sie. „Das ist kein Kapitaldelikt, aber ein absolutes Tabu und muss sanktioniert werden.“

Von Nadine Fabian

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