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Potsdam Es braucht klare Statements im Film
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17:18 08.04.2018
Hanno Hackfort entwickelte mit zwei weiteren Autoren das Drehbuch zur preisgekrönten Serie 4 Blocks. Quelle: Christin Iffert
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Potsdam

Metamorphose ist Veränderung – und damit das Motto des 47. Sehsüchte Filmfestivals (25.-29. April), organisiert von Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF). „Das Filmemachen ist immer eine Metamorphose“, sagt Regisseurin und Produzentin Annekatrin Hendel. Zwei Tage saß sie am vergangenen Wochenende gemeinsam mit drei weiteren Jury-Mitgliedern in dem größten Kinosaal, mit dem die Filmhochschule in Babelsberg aufwartet. Dokumentarfilme, kurze und lange, von jungen Filmemachern liefen über Stunden – am Ende entschieden sich die Profis der Branche für die Siegerproduktionen. Noch sind sie streng geheim.

Mehr als zehn Jahre macht Hendel Dokumentarfilme, unter anderem „Fassbinder“ oder „Vaterlandsverräter“. International, sagt sie, verändert sich das Genre – serielle Produktionen, unterschiedliche Abspielmöglichkeiten. Auch in Deutschland werde viel passieren, in Potsdam an der Filmhochschule in Babelsberg sei die Metamorphose schon spürbar. Bundesweit sei der Dokumentarfilm oft noch alte Schule. „Das liegt an unserer langen und gefestigten Dokumentarfilmtradition“, erklärt die Regisseurin.

Junge Filmemacher und ihre Lebenswirklichkeit

Was unterscheidet junge Filmemacher von erfahrenen? „Sie gehen oft von sich aus, greifen das eigene Leben und die Familie auf“, sagt sie. Das sehe Hendel immer wieder sehr deutlich. Es sei wichtig, dabei zwischen dem eigenen Mikrokosmos und dem, was für das Publikum relevant ist, sensibel einen Anknüpfungspunkt herauszuarbeiten – Problem und Chance zugleich.

Annekatrin Hendel dreht gegenwärtig einen Dokumentarfilm zur Familie Brasch, die versuchte mit ihren vier Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland Fuß zu fassen. Quelle: Christin Iffert

Die Entscheidungen für den besten Dok-, Antimations- oder Spielfilm sind subjektiv. Deshalb trafen sie unterschiedliche Profis der Filmbranche. 26 thematisch unterschiedliche Filmblöcke wird es beim Sehsüchte-Festival vom 25. bis 29. April geben. Schicksal gegen das Verhängnis, Nähe zu Distanz: „Wir haben in diesen Blöcken darauf geachtet, Gegensätze zusammenzubringen, Metamorphosen“, sagt die für Pressearbeit zuständige Masterstudentin Laura Bienert. Abseits von Themen gebe es diese auch im Team des Festivals. Jedes Jahr wechseln die Studenten, nur ein kleiner Stamm bleibt erhalten - bis zum Abschluss. Das bringt Dynamik und neue Ansätze.

Mehr als 1000 Filmbeiträge eingereicht

Mehr als 1000 Filmbeiträge sind in diesem Jahr eingegangen. Das Team hat sie über Wochen gesichtet. Montag bis Samstag, 8 Stunden am Tag. „Und die Miete muss auch noch reinkommen“, sagt Bienert. 126 Beiträge haben die Jurymitglieder letztlich in unterschiedlichen Genres zu sehen bekommen.

Die Grundlage eines jeden Filmes oder Musikvideos ist ein Drehbuch. Es brauche Authentizität, sagt Drehbuchautor Hanno Hackfort aus Berlin. Er schrieb unter anderem das Buch für die preisgekrönte deutsche Serie 4 Blocks. In Potsdam wählte er zusammen mit Autor und Gründungsmitglied der deutschen Fernsehakademie, Oliver Schütte und anderen Damaturginnen das beste Drehbuch. Vier Bücher haben sie gelesen. In der Diskussion waren sich die Autoren schnell einig. Das Gewinnerbuch habe beim ersten Lesen bereits etwas zum Schwingen gebracht, sagt Hackfort. Ein Drehbuch müsse ihn berühren, ihm die Möglichkeit geben, „irgendwo anzudocken.“ Das müssten nicht unbedingt Personen sein, mit denen er sich identifizieren könne. „Es kann das genaue Gegenteil sein“, sagt er – um einen inneren Sog zu erzeugen. „Und ich muss die Welt, die mir geschildert wird, glauben“, sagt der Autor.

Die Idee zu einem guten Drehbuch braucht Zeit

Mit 4 Blocks hat er mit zwei weiteren Drehbuchautoren die Vorlage für ein deutsches, serielles Meisterwerk geliefert. Drei Jahre vergingen zwischen Idee und dem ersten Buch. „Wir haben sehr lange Hintergründe recherchiert, sind in das Milieu gegangen, haben uns immer näher mit den Figuren beschäftigt, um ein Buch zu schreiben, was möglichst nah an der Realität, aber dennoch eine fiktionale Geschichte mit dramatischer Zuspitzung ist“, sagt er. Ein gutes Drehbuch, das brauche vor allem in der Ideenphase Zeit. Ist es geschrieben, sollte es – abhängig von dem Projekt – Spielraum für die Schauspieler lassen. „Die Bücher zu 4 Blocks sind auf Hochdeutsch geschrieben. Die Schauspieler, die in der Serie zum großen Teil gar keine sind, haben wir dazu ermutigt, ihren eigenen Sound einzubringen“, sagt Hackfort.

Die Jury zum Thema Drehbuch hat am Freitag den Sieger festgelegt. Soleen Yusef (Regie: „HAUS OHNE DACH“), Praktikantin Britta Ehlert, Gründungsmitglied der deutschen Fernsehakademie Oliver Schütte (Autor: „DIE KUNST DES DREHBUCHLESENS“), Hanno Hackfort (Autor „YOU ARE WANTED, 4 BLOCKS) und Susanne Bieger (Dramaturgin „INTO THE WILD MENTORING) waren sich in der Diskussion um das beste Drehbuch schnell einig. Quelle: Christin Iffert

Ein Drehbuch ist ein Prozess. Manchmal wird während der Dreharbeiten umgeschrieben, weil dort klar wird, wie es noch besser funktionieren, dynamischer werden kann. So wie jetzt, bei den aktuellen Arbeiten zur zweiten Staffel der Serie. Veränderung. Metamorphose ist für den erfolgreichen Drehbuchautoren ein gelungenes Thema für das Filmfestival. Man könne prinzipiell alles darunter fassen. Und in Zeiten des Umbruchs? „Ich finde wichtig, dass nicht nur eine Zustandsbeschreibung stattfindet. Wenn wir in einer Zeit leben, die, wie häufig gesagt wird, aus den Fugen geraten ist, dann ist die Auseinandersetzung mit Veränderung wichtig“, sagt der Berliner. Wie also muss sich Gesellschaft und System verändern, was kann der einzelne aktiv tun oder wie wird er selbst abgehängt? „Es ist wichtig, jetzt Statements zu machen, die nach vorne gehen und Veränderung anstoßen.“

Europas größtes Filmfestival von Studenten

Das Sehsüchte Filmfestival findet vom 25. bis 29. April statt.

Die Geschichte der Filmtage lässt sich bis 1972 zurückverfolgen – seit 1995 trägt des den Namen Sehsüchte.

Es ist das größte Studierenden-Filmfestival Europas.

Rund 45 Studenten wirken an der Organisation mit.

Mehr als 1000 Produktionen wurden aus unterschiedlichen Ländern eingereicht. 126 schafften es in die Auswahl für die Jurys.

Info: Zuschauer können ab heute vergünstigte Karten für das gesamte Sehsüchte-Festival im Internet unter www.sehsuechte.de erwerben.

Von Christin Iffert

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