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Es fehlen Helfer für die Potsdamer Tafel

Ausgabe in Schopenhauerstraße schließt Es fehlen Helfer für die Potsdamer Tafel

Eine Ära geht zu Ende: knapp 20 Jahre war die Essensausgabe der Potsdamer Tafel in der Schopenhauer Straße ein zentraler Anlaufpunkt für Bedürftige. Doch nun müssen die Baptistengemeinde und die Tafel die Reißleine ziehen. Es fehlt an ehrenamtlichen Helfern.

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Großer Andrang: die Essensausgabe und das Café der Begegnung auf dem Gelände der Baptistengemeinde in der Schopenhauerstraße.

Quelle: Foto: Gartenschläger

Potsdam. Nach knapp 20 Jahren schließt die Potsdamer Tafel ihre Ausgabestelle in der Schopenhauerstraße. Dort hatte sie die Evangelische-Freikirchliche Gemeinde beherbergt. „Die Zahl der Ehrenamtler ist einfach zu stark zurückgegangen“, sagt Pastor Michael Lefherz. „Und unter denen, die noch da sind, sind die meistern recht alt.“ Das zweite große Problem sei die Logistik. „Die Bedingungen vor Ort lassen keine Möglichkeiten zu, die Tonnen an Lebensmitteln auf Rollen zu bewegen. Alles muss gehoben werden.“

Am 24. Oktober ist die letzte Ausgabe in der Schopenhauerstraße. Danach geht es im Standort in der Drewitzer Straße weiter. Von den 20 Ehrenamtler aus der Schopenhauerstraße gehen 15 mit in die Waldstadt. „Dort ist es viel leichter, die Lebensmittel zu händeln“, so der Vorsitzende der Potsdamer Tafel, Johannes Wegner. „Wir bedauern natürlich zutiefst, dass wir hier weg müssen, aber in der Drewitzer Straße haben wir schlicht mehr Möglichkeiten“. Nichtsdestotrotz sucht die Potsdamer Tafel händeringend vor allem jungen Ehrenamtlern, etwa im Fahrerdienst.

Zu Beginn ihrer Zeit auf dem Geländer der Baptistengemeinde gab die Tafel an jedem Dienstag und Freitag Lebensmittel aus. Doch nach knapp zehn Jahren wurden die Personalprobleme so groß, dass der Freitag als Ausgabetag gestrichen wurde. Stattdessen gab es einen zusätzlichen Tag in der Tafelausgabe im Kichsteigfeld. Das hinderte die Menschen nicht daran, vor allem weiter in die Schopenhauerstraße zu kommen.

Nach Tagen und Standorten aufgegliedert, war der Dienstag in der Schopenhauerstraße der meistbesuchte Tag. Mehr als 10 500 Menschen kamen im Jahr 2016, das heißt pro Öffnungstag nutzen durchschnittlich 200 Menschen die Ausgabestelle. Mit knapp 8000 Bedürftigen folgt der Freitag in der Drewitzer Straße. Insgesamt suchten 2016 pro Woche knapp 1200 Menschen die Potsdamer Tafel an allen Standorten auf. Ein Drittel von ihnen waren Kinder.

Den Wechsel von der Innenstadt in die Waldstadt sehen die Verantwortlichen nicht als Problem. „Viele Menschen kommen ohnehin von dort“, sagt Imke Eisenblätter, Geschäftsstellenleiterin der Tafel. „Außerdem ist die Verkehrsanbindung sehr gut.“ Johannes Wegner ergänzt: „Viele Menschen haben kein Problem damit, weil das Team mitkommt. Sie sind dem Standort seit vielen Jahren treu verbunden und das hat vor allem etwas mit dem Team zu tun.“ Gleichzeitig weiß er: „Die warme Atmosphäre der Kirche können wir nicht mitnehmen.“ Pastor Lefherz hat indes eine gute Nachricht. „Uns ist das Miteinander der Menschen immer wichtig, deshalb haben wir uns entschlossen, das Begegnungscafé weiterlaufen zu lassen.“ Es ist neben der Essensausgabe ein beliebter Anlaufpunkt für die Bedürftigen. Sie können sich austauschen, Kuchen essen und schlicht beisammen sein. In Zukunft findet es aber nicht am Dienstag, sondern am Donnerstag statt.

Ein Grund, warum die Baptistengemeinde und die Tafel sich jetzt für die Schließung entschieden haben, ist auch der Rücktritt von Irmgard Schüttel als Leiterin der Ausgabestelle. Knapp zehn Jahre hat sie das Team dort geleitet. Die 70-Jährige möchte allerdings in der Drewitzer Straße weitermachen. „Ich kann die schweren Kisten nicht mehr tragen“, bedauert sie. „Es hat hier Spaß gemacht, das Team war toll, deswegen gehen wir ja gemeinsam rüber. Aber die Arbeitsbedingungen sind dort schlicht leichter für uns.“

Die Standorte der Potsdamer Tafel

Die Tafel hat über die Jahre Essen an Bedürftige in Kirchsteigfeld, in der Schopenhauer Straße, in der Drewitzer Straße und in Teltow ausgegeben. Wegen fehlender Ehrenamtler musste sie schon vor Jahren den Standort in Kirchsteigfeld schließen. Der Freitag als Ausgabetag wanderte in die Drewitzer Straße. Dort gibt es zudem jeden Mittwoch, Donnerstag, und ab dem 5. November jeden Dienstag, wenn auch das Team aus der Schopenhauerstraße dort das Essen verteilt, die Lebensmittelsausgabe. Samstags bekommen die Bedürftigen die Waren in Teltow. Mit der Schließung der Ausgabestelle in der Evangelischen-Freikirchlichen Gemeinde bleiben der Potsdamer Tafel also nur noch zwei Standorte.

Die ehemalige Lagerhalle in der Drewitzer Straße hat große Vorteile: sie ist leichter zugänglich für die Ehrenamtler und die Bedürftigen. Die Tonnen an Lebensmitteln müssen nicht mehr durch verwinkelte Anfahrtswege getragen, sondern können gerollt werden. Außerdem ist die Halle überdacht und beheizt. Besonders im Winter war das unüberdachte Gelände der Baptistengemeinde stets eine große Belastung, für alle Beteiligten.

Von Annika Jensen

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