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Es ging zur hart zur Sache beim Verkehrsforum

Potsdam Es ging zur hart zur Sache beim Verkehrsforum

Die Verkehrsbetriebe und die Verkehrsplaner mussten sich schön öfter Kritik anhören, aber so viel auf einmal ist schwer zu verarbeiten. Dabei gab es durchaus Lösungsvorschläge – zum Beispiel die Kurzstrecke kostenlos zu machen.

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In der „Erreichen“-Ecke der Diskussionstafel der „Heute“-Arbeitsgruppe des Verkehrsforums war viel zu wenig Platz für die Kritiken und Forderungen.

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam. „Macht die Kurzstrecke doch gratis! Das würde Leute zum Umsteigen bewegen.“ Wäre das Publikum größer gewesen als die 13 Teilnehmer ihrer Arbeitsgruppe 3, hätte Karin Stiehler wohl stehenden Applaus bekommen; so blieb es bei freundlichem Gemurmel und zustimmendem Nicken zum radikalen Vorschlag der 57-jährigen Verwaltungsfrau aus Potsdam. Nur Verkehrsbetriebschef Oliver Glaser fand das nicht gut. Kostenfreie Tickets müssten von der Allgemeinheit bezahlt werden, sagte er, auch von den Nichtnutzern. Die Gratis-Nutzung würde einen sprunghaften Anstieg der Fahrgastzahlen bringen, für den das Unternehmen fahrzeugtechnisch gar nicht gerüstet sei.

Das 1. Verkehrsforum Potsdam am Samstagnachmittag im Humboldt-Gymnasium hatte sich nach einer Einführung per Vortrag aus München und Film aus Wien in Arbeitsgruppen „Heute“, „Morgen“ und „Übermorgen“ zerlegt, zwischen denen die Forumteilnehmer in den beiden Pausen wechseln konnten. Für die Zeitspanne bis zum Jahr 2050 fanden sich am Ende nur wenige Vorschläge, doch die Kritiken und Forderungen der Gegenwart füllten mit bunten Zetteln die Schautafel der Zusammenfassung.

Unzufrieden mit dem Nahverkehr

Mit allzu vielem sind die Bürger unzufrieden im Nahverkehr von Potsdam und seinem Umland. Vieles wird seit Jahren diskutiert, manches dagegen ist noch gar nicht öffentlich geworden. Und für den einen oder anderen Kritikpunkt gibt es durchaus Lösungsmöglichkeiten. So sollte es nach Ansicht der Betroffenen wohl machbar sein, dass sich der Verkehrsbetrieb zum Fahrplanbauen mit großen Arbeitgebern wie dem kommunalen Klinikum abstimmt, wann denn die Busse an der Klinik halten sollten, damit möglichst viele Beschäftigte zum Schichtantritt hin und danach wieder weg kommen nach Hause. Das funktioniert nämlich vor allem für das Spätschichtende 22.30 Uhr gar nicht, merkte eine Mitarbeiterin an. Der Bus ist sechs Minuten vorher weg.

Busse brauchen zu lange bis in die Stadt

Den Bus zu nehmen, bringe gar nichts, sagte ein Mann aus Eiche, der auf dem Weg zum Umsteigepunkt am Bahnhof Babelsberg so viel Buszeit auf der Zeppelinstraße verliert, dass der Anschluss immer längst abgefahren ist. Express-Busse auf verlässlich freien Nahverkehrsspuren aus dem weiteren Umland direkt in die Mitte Potsdams fahren zu lassen, forderten mehrere, doch diese Pendler stehen im Stau mit allen privaten Autos. „Dann kann ich doch auch weiter Auto fahren“, sagte einer aus der Fahrländer Ecke. „Wenn ich nach 18 Uhr den ÖPNV nach Potsdam nehme, bin ich in anderthalb Stunden in der Stadt. Das ist nicht attraktiv.“ Und es werde nicht besser, wenn demnächst die Busse am Stadtrand halten und alle in die Tram aus Potsdam wechseln müssen: Zeitverlust!

Von auswärts die Fahrräder mitnehmen will eine junge Mutter, und in Potsdam mit dem Rad weiter fahren: „Zu viert zahlen wir da 36 Euro. Da kommen wir doch lieber mit dem Auto.“ Die Busspur auch für Taxis frei zu geben, verlangte ein Einzelunternehmer und verwies auf das Berliner Vorbild. Am Beispiel einer Fahrt vom Museum am Alten Markt zur Glienicker Brücke schilderte er den „Umleitungshorror“ einer Dreiviertelstunden-Tour mit einer „Wutsumme“ auf dem Taxameter. Ein versenkbarer Poller, vom Taxi-Fahrer per Funk bedienbar, wäre die Lösung im Sinne aller.

Auch für die späteren Abendstunden sind Taxis als Mini-Busse auf manchen Strecken ins Umland das einzige Transportmittel. Doch weil der Fahrer keinen Kindersitz im Auto hat und ohne ihn das Kind nicht transportieren darf, bleiben Mütter mit Kleinkindern nachts an der Haltestelle eben stehen – ein lösbares Problem.

Firmen könnten Nahverkehrstickets für ihre Mitarbeiter bezuschussen, schlug eine Frau vor; sowas gibt es in Berlin. Die Tram 93 sollte auch nach 21 noch fahren, fand eine 73-Jährige, dann würde sie auch öfter ins Theater gehen.

Von Rainer Schüler

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