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Potsdam „Es ist wie eine große Familie“
Lokales Potsdam „Es ist wie eine große Familie“
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18:34 06.05.2016
Bibliothekarinnen Sybille Weber, Gisela Glawe und Silvia Schliestedt (v.l.) in der Waldstadt-Zweigbibliothek. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Waldstadt

Zwei Erinnerungen verbindet Marion Mattekat (53), heute Direktorin der Stadt- und Landesbibliothek, mit dem ersten Besuch der Bibliothekszweigestelle in der Waldstadt II bei ihrem Antritt 1996. „Ich war sehr positiv überrascht, wie gut ausgestattet sie war.“ Mit dem Trabi von Gisela Glawe (62), der heutigen Leiterin dieser Zweigstelle sollte es weitergehen: „Wir standen an der Ampel in der Heinrich-Mann-Allee und jemand ist ins Auto reingefahren. So hatte ich gleich in der ersten Woche ein Schleudertrauma.“ Das ist die zweite Erinnerung.

Im März 1985 war die Zweigstelle an der „Otto-Grothewohl-Straße“ eröffnet worden, Wand an Wand mit einer Buchhandlung. Kurz nach dem Mauerfall verlor sie ihren Namen „Pablo Neruda“, die Adresse wurde in Saarmunder Straße umbenannt. Sybille Weber (56) wurde kurz nach der Eröffnung im Juni 1986 Zweigestellenleiterin.

Sechs Mitarbeiter waren sie damals und die Außenstelle hatte die modernste Ausstattung aller Leihbüchereien in Potsdam: „Wir hatten sogar eine Lichtschranke, mit der die Besucher gezählt wurden, das gab es nirgendwo sonst in Potsdam.“

Bis heute habe die Außenstelle „eine andere Gemütlichkeit“, sagt Gisela Glawe, die 1974 zur Eröffnung der neu gebauten Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek am Platz der Einheit Praktikantin war und 2006 die Leitung Zweigstelle in der Waldstadt übernahm. Sie verweist auf den Ohrensessel, vor allem aber auf den beliebten Lesegarten im Grünen. Die Idee dafür sei auf einer „Messe der Meister von Morgen“ (MMM) vorgestellt und dann in der Waldstadt umgesetzt worden.

Das sehr zahlreiche Publikum in dem gerade fertig gestellten Neubaugebiet war sehr jung, erinnert sich Sybille Weber: „Es waren unendlich viele Kinder hier.“ Mit Partnern wie dem Kulturbund wurde die Bibliothekszweigstelle ebenso rasch zu einer „kleinen Kulturoase“ für die Älteren.

Das Programm sollte in der Nachwendezeit einen enormen Aufschwung erleben mit Lesungen von Autoren wie Manfred Stolpe, Friedrich Schorlemmer und Klaus Schlesinger, mit Ausstellungen von Künstlern wie Hubert Globisch und Manfred Bofinger.

Doch die 1990er brachten nicht nur eine kulturelle Blütezeit. „Nach dem Umbruch zogen viele weg“, sagt Sybille Weber. Die Waldstadt wurde zum sozialen Krisengebiet und die kleine Außenstelle hatte ein Vandalismusproblem. Es gab nächtliche Einbrüche. Die Fenster wurden eingeschlagen. Einmal war am Morgen das Kopiergerät umgeworfen. Bücher wurden von den ungebetenen Gästen stapelweise mitgenommen und irgendwo im Wald verstreut. Treue Besucher sammelten die Bücher ein und brachten sie zurück in die Bibliothek.

Doch das ist lange her. Auch in der Zweigstelle ist es ruhiger geworden. Das Kulturprogramm für Ältere wurde Ende der 1990er Jahre eingestellt. Das Veranstaltungsangebot gibt es jetzt konzentriert in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum am Platz der Einheit. Dafür gibt es jetzt zahlreiche Veranstaltungen in Kooperation mit den umliegenden Schulen und Kindertagesstätten.

Bibliothekszweigstellen in Potsdam

Die damalige Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek am Platz der Einheit hatte in den 1980er Jahren Außenstellen unter anderem in der Geschwister-Scholl-Straße und am Schillerplatz in Potsdam-West, im Kulturhaus Babelsberg und am Schilfhof im Schlaatz.

Geblieben ist neben der Waldstadt-Zweigbibliothek die Außenstelle Am Stern. Neben der Einrichtung eines schulbibliothekarischen Dienstes wird aktuell die Einrichtung eines Bibliotheksbusses unter anderem zur Versorgung der ländlichen Ortsteile diskutiert.

Geöffnet ist die Waldstadt-Zweigbibliothek montags 10 bis 15 Uhr, dienstags 13 bis 18 Uhr, donnerstags 13 bis 18 Uhr und freitags 13 bis 18 Uhr. Weitere Informationen auf www.bibliothek.potsdam.de

Gisela Glawe arbeitet gern in der Waldstadt. Grün ist es hier, sagt sie, und vertraut. Wenn sie unterwegs ist im Viertel, „kommen die Leser oder winken einem zu. Es ist wie eine große Familie – nicht so anonym“. Und ein kleines Kulturangebot – zusätzlich zur Literatur – gibt es auch für die Älteren. Aktuell zeigt die Zweigbibliothek eine Ausstellung von Gaby und Gerhard Hafenrichter mit Reisebildern von einer Fahrt von Moskau bis Peking mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Von Volker Oelschläger

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