Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam „Es wurde immer um diesen Platz gerungen“
Lokales Potsdam „Es wurde immer um diesen Platz gerungen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 07.03.2018
Tobias Büloff hat sich mit den Häusern und ihren Bewohnern rund um Alten Markt beschäftigt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Innenstadt

Die Tradition der Potsdamer Baugeschichtsschreibung ist lang. Da ist es umso erstaunlicher, dass der Potsdamer Historiker Tobias Büloff nun eine klaffende Lücke geschlossen hat. Bei seinem gerade erschienenen Buch „Der Alte Markt von Potsdam“ handelt sich um die erste Monografie des Ortes, an dem Potsdam einst entstand. Der 42-jährige Historiker, der in der Stadtverwaltung für die Erinnerungskultur verantwortlich ist, hat das Werk bereits seit 2014 nach Feierabend recherchiert, nun ist es im Verlag für Berlin-Brandenburg erschienen und wird am Dienstagabend ab 18 Uhr im Bildungsforum am Platz der Einheit vorgestellt.

Webcam: Abriss der Fachhochschule

Live: Den Abriss der Fachhochschule am Alten Markt live beobachten.

Grundbücher zu 23 Parzellen rund um die Nikolaikirche durchforstet

„Ich versuche einen Gegenentwurf zur Potsdamer Baugeschichte. Mein Fokus liegt auf der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Alten Marktes“, sagt Büloff über sein Buch. „Der Alte Markt war das Herz der Stadt. Er war durchmischt mit Handwerkern und Berliner Investoren gleichermaßen“, so Büloff.

Mit vielen, teils erstmals veröffentlichten Abbildungen zeichnet das Buch „Der Alte Markt von Potsdam“ von Tobias Büloff ein neues Bild des berühmten Platzes.

Die Grundbücher von 23 Grundstücken entlang der Humboldt- und Brauerstraße sowie rund um die Nikolaikirche hat er durchforstet. Er hat in den Potsdamer Tageszeitungen und Adressbüchern die Eigentümer, Bewohner und auch deren Nachfahren ausfindig gemacht. Ausgenommen bei seiner Recherche hat er allein den Straßenzug der Schlossstraße und das bereits vielbeschriebene Stadtschloss.

Die größte Zäsur in der Platzgeschichte war für Büloff das Jahr 1795

Seine These: „Es wurde immer um diesen Platz gerungen, schon als der Große Kurfürst ihn durch die Neuanlage des Stadtschlosses gegen den Bürgerwillen verlegte“, sagt Büloff. „Die größte Zäsur vor der Zerstörung 1945 fand im Jahr 1795 statt, als die Nikolaikirche abbrannte. Da begann eine jahrelange Debatte um den Neubau und einen möglicherweise völlig neuen Standort der Kirche. Der leere Platz war plötzlich als Raum im Bewusstsein der Bewohner“, schildert Büloff die Debatte.

Über die aktuelle Umformung des Platzes sagt er: „Die städtebauliche Debatte finde ich langweilig, denn es muss darum gehen, wie ich in einer Stadt leben möchte. Ich kann mir vorstellen, dass die heutigen Pläne zu einer Belebung führen, aber ausgemacht ist das nicht, denn alte Bauten allein reichen dafür nicht“, sagt Büloff.

Die Hoffotografen haben nie hinter die barocken Fassaden geschaut

Gegliedert ist das Buch in zwei Teile. Zur Einordnung schildert Büloff die Platzgeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Im zweiten Teil widmet er sich den einzelnen Grundstücken und lässt dabei ein Bild entstehen, das die Hoffotografen der Vergangenheit übersehen haben, indem er sich den Menschen hinter den Fassaden zuwendet. „Die Bilder von Ernst Eichgrün oder Max Baur gehören zum Bildgedächtnis unserer Stadt. Aber die Hoffotografen haben alles nur von außen dokumentiert“, sagt Büloff.

Gerade hinter der Kirche in den langen Parzellen, die sich fast bis zum Stadtkanal erstreckten, fanden sich ganz unbekannte schriftliche und bildliche Eindrücke. Diese Hinterhofsituationen rücken das Bild der barock herausgeputzten „guten Stube“ der Stadt etwas gerade.

Das Buch „Der Alte Markt von Potsdam“, Verlag für Berlin-Brandenburg, 232 Seiten mit 165 Abbildungen, 25 Euro, ist ab sofort erhältlich.

Der Vortrag von Tobias Büloff findet am Dienstag, 23. Januar 2018, ab 18 Uhr im Bildungsforum am platz der Einheit statt. Eintritt: 6 € (erm. 4 €)

Von Peter Degener

Schüler des Evangelischen Gymnasiums erkunden die Architektur beim „Stadtentdecker“-Projekt

25.01.2018
Potsdam Nachwehe der 1000-Jahrfeier - Potsdam gibt Investitionsruine zurück

Die Landeshauptstadt Potsdam will den Persiusspeicher in der Zeppelinstraße an die früheren Eigentümer zurück geben. 3,25 Millionen waren Anfang der 1990er Jahre begleitend zur 1000-Jahr-Feier Potsdams in den Erwerb und Ausbau des Baudenkmals zur Kunsthalle investiert worden. Dann erst erkannte man, dass die Immobilie für diese Nutzung gar nicht geeignet ist.

25.01.2018

In Potsdam steigen immer mehr Verkehrsteilnehmer aufs Fahrrad um. Seit 2000 hat sich ihre Anzahl nach Angaben der Stadt fast verdoppelt, so der Bericht zum Radverkehr 2016, der in der kommenden Woche den Stadtverordneten vorgestellt wird. Statistisch kommt fast auf jeden Potsdamer ein Fahrrad.

22.01.2018
Anzeige