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Potsdam Sputnik-Züge, Mitropa und viele Tränen
Lokales Potsdam Sputnik-Züge, Mitropa und viele Tränen
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13:50 28.05.2015
Annelies Löffler vor „ihrem“ alten Kiosk  Quelle: FOTO: Rainer Schüler
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Potsdam

 Der Kiosk stand zwischen beiden Gleisen, zugig war es nicht darin, denn durch die Zubereiterei war ja geheizt. Die Leute haben morgens, wenn sie zur Frühschicht um 6 Uhr fuhren, Bockwurst und Kaffee bestellt. Damals gab es noch nicht so viele belegte Brötchen. Die Würste mussten schön heiß sein. Es war immer so viel los, dass die Fahrgäste anstehen mussten. Ab und zu kauften auch die Lokführer bei mir ihre Wurst und Getränke.

Die Fahrpläne waren noch nicht so eng wie heute. Es gab auch nicht so viele Verspätungen wie jetzt. Wir haben Bier und Schnaps, Schokolade, Lollis und Kekse verkauft, auch Zigaretten – alles, was es so gab zu DDR-Zeiten. Eis gab’s nicht, ich hatte keine Kühltruhe. Der Kiosk war klein, zwei Personen konnten sich nicht große drin bewegen. Wenn wir mal ,mussten’, mussten wir alles zuschließen und hinunter in die Bahnhofshalle.

Wie kann der Bahnhof Pirschheide wiederbelebt werden – die MAZ klärt alle wichtigen Fragen rund um den Bahnhof.

Wenn ich heute an die große Zeit des Bahnhofs denke, sehe ich einen wunderschönen Blumenkiosk links, wenn man aus der Straßenbahn steigt. Dort habe ich Blumenbinderin gelernt. Dann komme ich auf den Bahnhof zu, links eine große Mitropa-Gaststätte mit Anbau und Vorgarten. Man musste immer anstehen dort, weil immer voll belegt war. In der Halle rechts waren die Fahrkartenhäuser und links der Zeitungskiosk. Auf Bahnsteig A gab es einen Kiosk und auf Bahnsteig B. Sie gehörten beide zur Mitropa.

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Die alte Schalterhalle mit dem berühmten Leuchtstoffröhren-Kronleuchter. Die Gepächaufbewahrung und -verschickung befand sich ganz links, daneben die Fahrkartenschalter. Gegenüber einige Läden. In der Mitte gab es bis 1963 eine Fahrkartenkontrolle, unter anderem zum Entwerten der weißen Bahnsteigkarten für 20 Pfennig.

Pirschheide war lange der Hauptbahnhof

Ich war traurig, als der Bahnhof zugemacht wurde, und war nie wieder da. Dass die Station herunter gewirtschaftet ist, alles kaputt geworfen wurde, weiß ich. Lange habe ich gebraucht, um den neuen Bahnhof in der Stadtmitte Hauptbahnhof zu nennen. Für mich war das immer noch Pirschheide. Der Bahnhof dort war auch sauberer als der heutige Hauptbahnhof. Der Vorplatz, die Bushaltestellen im Zentrum – das sieht heute katastrophal aus. Für mich ist das gar kein Bahnhof.

Die Sputnik-Züge von Pirschheide waren immer voll, die Menschen rannten oft von der Straßenbahn zu den Zügen, um nach Berlin zur Arbeit zu fahren. Sie kamen aus Werder, sogar Brandenburg. Karlshorst war Endstation, dann ging es in die S-Bahn. Man hatte zu tun, überhaupt einen Platz zu bekommen. Die Fahrgäste waren freundlich, mit Menschen habe ich immer gern zu tun gehabt. Richtige Freunde hatte ich, denn viele Reisende kamen ja immer wieder – Berufspendler. Auch wenn wir bis 22 Uhr geöffnet hatten, habe ich keine Erinnerung an Besoffene.

Herzzerreißende Szenen beim Abschied

Eine richtige Gepäckaufbewahrung gab es, keine Schließfächer! Da haben richtige Leute gearbeitet. Man konnte fünf Koffer abgeben für eine Mark. Neben der Gepäckaufbewahrung ging man durch eine Schwingtür, wo die Transportpolizei stationiert war. Sie kontrollierte in den Zügen die Ausweise. Aber zweimal im Jahr, wenn die Wehrpflichtigen eingezogen wurden, war auf dem Hof der Transportpolizei der Sammelpunkt für die zukünftigen Soldaten. Oft gab es dort herzzerreißende Szenen beim Abschied, auch das habe ich miterlebt.

Aufgehört habe ich, als ich mein erstes Kind bekam. Da war ich 19 Jahre alt – ich durfte die schweren Getränkekisten nicht mehr tragen. Man hat mich in die Mitropa-Verwaltung am Brauhausberg versetzt, zur Büroarbeit.

Annelies Löffler hat von 1966 bis 1969 im damaligen Hauptbahnhof Pirschheide gearbeitet – erst am Blumenstand, dann in der Wurstbude. Heute ist sie Sekretärin in der Lokalredaktion der Märkischen Allgemeinen Zeitung.

Von Annelies Löffler

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