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Potsdam Facebook feiert Stolpe für Mercure-Vorstoß
Lokales Potsdam Facebook feiert Stolpe für Mercure-Vorstoß
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20:44 18.01.2016
Wahrzeichen aus DDR-Zeiten: das Mercure-Hotelhochhaus. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Selten hat eine Debatte so bewegt: Die Pro-Mercure-Position von Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), die er am Sonnabend im MAZ-Interview formulierte, hat eine Flut von Reaktionen nach sich gezogen. Mittlerweile wird deutschlandweit darüber berichtet, unter anderem auf Focus.online.

Im Interview ging Stolpe auf deutliche Distanz zu seinem Parteifreund, SPD-Oberbürgermeister Jann Jakobs, der die Sanierungsziele für den Lustgarten ändern will – mit einem Ankauf und dem Abriss des „Mercure“ als Fernziel. Stolpe warnt hingegen davor, dass solche teuren Projekte in den ärmeren Regionen Brandenburgs leicht als „Übermut“ verstanden werden könnten. Zudem, so Stolpe weiter, hätten auch die Potsdamer momentan drängendere Probleme als den teuren – überwiegend aus städtischen Mitteln finanzierten – Kauf und Abriss des Hotels. In den sozialen Netzwerken wurden die Äußerungen des Ex-Landesvaters am Wochenende überwiegend begeistert kommentiert.

Begeisterte Reaktionen auf Facebook auf Pro-Mercure-Position

„Endlich mal einer, der durchsieht!!!“, schrieb Heiko Peischard in der Facebook-Gruppe „Du bist in Potsdam aufgewachsen ...“. Ein anderer Stolpe-Fan namens „Johann Stierfluss“ ging auf die „Wiese des Volkes“ ein, die laut Masterplan irgendwann einmal anstelle des Hotels entstehen soll: „Erwerb und Abriss stehen finanziell in keinem Verhältnis zur Schaffung einer Wiese!!!!!! Das wird dann wahrscheinlich die teuerste Wiese Deutschlands“, unke er.

„Dem Hotel legt man die Pistole auf die Brust; nach dem Motto: Reparaturarbeiten gibt es nicht mehr, Basta und Aus. Was sind das für Methoden. Eine Wiese des Volkes neben einer stark frequentierten Straße. Super nich Diesel“, so Volker Augustin. Und „Bibiana Be“ kommentierte die Stolpe-Äußerungen nur mit einem „Wie geil!“

„Herr Jakobs kommentiert Äußerungen von Herrn Stolpe nicht“

Nicht ganz so enthusiastisch fielen die Reaktion am Montag im Potsdamer Rathaus aus. Dort wollte man sich zum Vorstoß des Doyens der Brandenburger Sozialdemokratie nicht äußern: „Herr Jakobs kommentiert die Äußerungen von Herrn Stolpe nicht“, erklärte Stadtsprecher Stefan Schulz.

Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe. Quelle: Volkmar Maloszyk

In der Stadtverordnetenversammlung sind die Meinungen gemischt: Vonseiten der CDU musste der Ex-Landesvater am Montag Kritik für seine Mercure-freundliche Haltung einstecken. „Es gibt seit vielen Jahren politische Mehrheiten für die Wiederannäherung an die historische Mitte und spätestens nach der Fertigstellung des Stadtschlosses zweifelt kaum noch jemand, dass nur dies der richtige Weg für Potsdam ist“, sagte Fraktionschef Matthias Finken.

Und weiter: „Mit dem Ergebnis des Werkstattverfahrens für den Lustgarten bestätigen alle teilnehmenden Fachteams, dass Potsdam für die Mitte die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Die Gegner, die sich politisch immer der Mehrheit beugen mussten, wollen und können dies offensichtlich nicht einsehen und konstruieren krampfhaft Gegenargumente.

CDU/ANW haben vor der Wahl genauso wie die anderen zur historischen Mitte stehenden Parteien ihre Positionen deutlich gemacht. Die Wähler waren ganz sicher in der Lage, dies zu erkennen und haben sich mit der Stimmabgabe entschieden. Das muss endlich respektiert und akzeptiert werden“, fordert Finken.

CDU-Kreischef Bretz findet Stolpe-Kritik an Jakobs nicht gut

Der Potsdamer Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende in Potsdam, Steeven Bretz, rügte am Montag: „Indem Ministerpräsident a. D. Manfred Stolpe dem Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) öffentlich widersprochen hat, hat Herr Stolpe seiner Heimatstadt Potsdam einen Bärendienst erwiesen und einen unnötigen Beitrag zur ideologischen Aufladung dieser Diskussion geleistet“, kritisiert Bretz.

„Es wäre gut, wenn Herr Stolpe zukünftig keinen Beitrag zur Spaltung leistet, sondern versöhnend in Potsdam wirkt. Schließlich ist es eine sehr gewagte These, dass das Hotel vielen Menschen ausschließlich in guter Erinnerung sei. Unsere Stadt hat sich in vielerlei Hinsicht sehr verändert und schaut nach vorne. Schön wäre, wenn Herr Stolpe dies unterstützend anerkennt. Bedenkenträger gibt es in Potsdam schließlich genug.“

SPD-Oberbürgermeister Jann Jakobs. Quelle: Köster

Auch die Bündnisgrünen haben ihre Unterstützung für die Pläne der Stadtverwaltung signalisiert, die am 27. Januar von den Stadtverordneten diskutiert werden sollen: „Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Sanierungsziele stärken das öffentliche Interesse für mehr Freiraum in der Innenstadt gegenüber privaten Immobilieninteressen und begründet dies fachlich und nachvollziehbar mit städtebaulichen Zusammenhängen der Innenstadt“, so Hüneke.

SPD-Fraktion hält sich mit Äußerungen zum „Mercure“ noch zurück

Bedeckt hielt man sich am Montag hingegen bei der SPD-Fraktion. Fraktionschef Mike Schubert verwies auf Nachfrage auf die fraktionsinterne Sitzung am Montagabend, wo das Thema Lustgarten im Detail diskutiert werden solle.

Die Linken – seit jeher glühende Mercure-Fans – hatten schon am Wochenende ihre Missbilligung an den Plänen der Stadtverwaltung publik gemacht. Stolpe rennt bei ihnen mit seiner Forderung nach einer Bürgerbefragung zum Mercure offene Türen ein.

Hoteliers und Gastronomen springen den Mercure-Betreibern bei

In der Hotellerie sorgt die erhitzte Debatte um den Fortbestand des Hotelhochhauses mittlerweile auch für mächtiges Aufsehen – und für Kritik an den Verursachern: „Diese Debatte kommt zu einer Unzeit und ist schädlich für das Geschäft des Hotels und die Arbeitsplätze“, empörte sich der Hauptgeschäftsführer des Brandenburger Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Olaf Lücke, am Montag. „Es gibt noch keine Finanzierung für den Abriss und die Neugestaltung des Lustgartens und keine Absichtserklärung des Hotel-Eigentümers“, sagte Lücke. Er könne nicht nachvollziehen, warum die Stadt jetzt diese Diskussion vorantreibe.

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wendete sich gegen die Abrisspläne. „Ein Abriss des Hotels ist im Interesse der rund 60 Mitarbeiter dort sicherlich die schlechteste Lösung“, sagte Gewerkschaftssekretär Sebastian Riesner. Zudem sei die Auslastung des Hotels sehr gut. „Es gibt auch keinen adäquaten Vorschlag für einen Ersatz zur Unterbringung der Gäste“, kritisierte Riesner.

Von Ildiko Röd

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