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Potsdam Fahrer wirft Kinder (11) aus dem Bus
Lokales Potsdam Fahrer wirft Kinder (11) aus dem Bus
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09:04 05.10.2017
Endstation Deutscher Wetterdienst: An der Haltestelle in der Michendorfer Chaussee ließ der Fahrer die Kinder aussteigen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Halt auf halber Strecke: Weil sie kein Zusatzticket bis Michendorf gelöst hatten, hat ein Busfahrer zwei elfjährige Mädchen am Montagvormittag an der Potsdamer Stadtgrenze aus dem Bus komplimentiert. Seine Kinder hätten alleine im Regen gestanden und seien weinend die rund 2,3 Kilometer zum Potsdamer Hauptbahnhof zurückgelaufen, schildert der Vater den Vorfall auf der Linie 608 gegenüber der MAZ.

„Der Vorfall hat meine Kinder sehr verstört“

Die Zwillingsmädchen seien um 10.35 Uhr am Hauptbahnhof in den von Regiobus Potsdam-Mittelmark betriebenen Bus gestiegen, um eine Schulfreundin in Michendorf zu besuchen. Beim Einsteigen habe der Fahrer die AB-Monatskarten der Geschwister kontrolliert und nach dem Fahrziel gefragt. Dann habe er die Kinder einsteigen lassen. „An der Haltestelle Deutscher Wetterdienst rief der Fahrer meine Kinder zu sich nach vorne und sagte, dass sie nun ein Zusatzticket nachlösen müssten. Weil beide kein Geld dabei hatten, verwies er sie aus dem Bus“, sagt der Vater, der seinen Namen zum Schutz der Kinder nicht in der Zeitung lesen will. „Der Vorfall hat meine Kinder sehr verstört.“ Die Geschwister fahren seit Jahren täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule. Deshalb hätten sie eine Monatskarte und seien eigentlich fit bei Tram und Bus. Die Strecke nach Michendorf seien sie aber noch nie gefahren und wüssten daher nicht, dass dafür eine Zuzahlung von 1,10 Euro nötig sei. Der Fahrer habe die Kinder darauf beim Einstieg auch nicht hingewiesen.

Vater fordert Konsequenzen für den Fahrer

Die Haltestelle befindet sich an der Stadtgrenze. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein solches Verhalten gegenüber Minderjährigen halte er nicht nur für skandalös, sondern für strafbar, sagt der Vater. Die Familie fordere dienstrechtliche Konsequenzen für den Fahrer und behalte sich selbst rechtliche Schritte vor, teilte die Familie gegenüber dem Busunternehmen mit. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen hänge von der schriftlichen Reaktion der Firma ab. Von Regiobus gab es am Mittwoch nur eine knappe Mail an die Familie. Um den Vorfall klären zu können, müsse zunächst der betreffende Omnibusfahrer befragt werden, heißt es darin. Dienstplanbedingt könne dies unter Umständen ein paar Tage Zeit beanspruchen. Bedauern über den Vorfall wird nicht geäußert.

Doch das wünscht sich die Familie. „Uns geht es vor allem um ein Abstellen dieser Missstände, die ja immer wieder vorkommen, und um ein deutliches Wort des Bedauerns“, sagt der Vater. In vorherigen Fällen mangelnder Kundenfreundlichkeit waren aber nicht Linien betroffen, die von Regiobus, sondern vom Potsdamer Verkehrsbetrieb bedient werden. Zuletzt gab es wie berichtet Ärger auf der Linie 612. Eine Siebtklässlerin wurde mehrmals vom Bus nicht mitgenommen, weil die im Fahrplan ausgewiesene Haltestelle nicht angefahren wurde.

Busfahrer gehört zu einem privaten Auftragnehmer

Gegenüber der MAZ erklärte Regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig am Mittwoch, dass „die ersten Untersuchungsschritte deutliche Abweichungen zu der Ihnen vorliegenden Darstellung ergeben“. Daher sei besonders gründliche Recherche erforderlich. Zudem handle es sich bei dem Fahrer nicht um einen Mitarbeiter von Regiobus, sondern eines beauftragten privaten Auftragnehmers, was die Klärung zumindest zeitlich etwas schwieriger gestalte.

Die beiden Kinder sind am Montag, nachdem der ersten Schock überwunden war, doch noch nach Michendorf gekommen – mit einem späteren Bus. Sie trafen sich am Hauptbahnhof mit der Mutter, die ihnen Geld für das Zusatzticket gab.

Mehrere Busgesellschaften unterwegs

In Potsdam fahren nicht nur Busse des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP).

Die Linien ins Umland werden von der Verkehrsgesellschaft Regiobus Potsdam-Mittelmark bedient, die seit diesem Jahr der landkreiseigene Verkehrsbetrieb des Kreises Potsdam-Mittelmark ist. Sie hat vier Betriebshöfe in Potsdam, Werder, Beelitz und Stahnsdorf.

Die Linie 608, auf der der Vorfall passiert sein soll, fährt von Potsdam Hauptbahnhof über Michendorf nach Dobbrikow.

Von Marion Kaufmann

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